Für den Werder-Coach ist das öffentliche Training „kontraproduktiv“

Schaaf schlägt zurück und trifft auch die Fans

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Laut und angriffslustig: Thomas Schaaf sorgte gestern für eine außergewöhnliche Pressekonferenz vor dem Bundesliga-Spiel morgen in Mönchengladbach. ·

Bremen - Pressekonferenz im Weserstadion – Thema: Das Werder-Spiel am Samstagabend in Mönchengladbach. Doch der Gegner ist zweitrangig, in der sportlichen Krise dreht sich (fast) alles nur noch um Thomas Schaaf.

Der Werder-Coach steht in der Kritik. Zu sehr, hat Sportchef Thomas Eichin unlängst moniert. Und wie empfindet Schaaf die Fokussierung auf seine Person?

„Ich mache mir keine Gedanken darüber“, lautet seine erste Antwort. Es ist nur die halbe Wahrheit. In den nächsten Minuten wird deutlich, wie sehr ihn dieses Thema bewegt. Der 51-Jährige ist so laut und angriffslustig wie selten zuvor in solchen Momenten – und er trifft dabei etwas unglücklich auch die Fans.

Seit Otto Rehhagel gibt es kein Geheimtraining mehr in Bremen. Thomas Schaaf lässt sich draußen auf dem Platz immer über die Schulter schauen – von den Medien und von den Fans, deren Zahl zuletzt zwischen 30 (oft) und 300 (eher selten) schwankte. Die baulichen Voraussetzungen rund ums Weserstadion würden ein Abschotten auch schwierig machen. An der Säbener Straße in München ist das einfacher, der FC Bayern macht zwei Tage vor einem Spiel den Laden dicht. Auch andernorts ist die Öffentlichkeit in der Bundesliga nicht täglich erwünscht.

„Wir machen das mit, weil wir die Fans gerne erleben“, behauptet Schaaf, fügt aber sogleich an: „Für unsere Arbeit ist das kontraproduktiv. Wenn einer etwas üben muss, was er nicht so gut kann, dann ist das nicht so angenehm, wenn er das vor 400, 500 Leuten tun muss.“ Auch ohne Medien würde sich Schaaf beim Training wohler fühlen, damit mögliche Startaufstellungen fürs Wochenende oder neue Varianten bei Standards nicht publik werden. Der Werder-Coach sehnt sich nach englischen Verhältnissen: „Da sieht man die Mannschaft bei keinem Training.“

Dass Schaaf ausgerechnet jetzt – ungefragt wohlgemerkt – mit diesem Thema aufwartet, ist verwunderlich. Es klingt wie eine Ausrede für die stockende Entwicklung der Mannschaft, es kann aber auch ein Ablenkungsmanöver sein. In bester Jose-Mourinho-Manier. Der selbstbewusste Portugiese von Real Madrid sorgt gerne für neue Brandherde, damit andere Feuer vergessen werden.

Auch Schaaf demonstriert Selbstbewusstsein. „Ich bin immer noch da und habe mich jederzeit meiner Aufgabe gestellt. Ich bin nicht eine Sekunde auf irgendeinem Abweg gewesen“, stellt der Ex-Profi klar – und das in einer Lautstärke, die der Medienraum des Weserstadions sonst nur beim Besuch von Schulklassen erlebt. Dass zunehmend schärfer über ihn geurteilt wird, könne er „sowieso nicht ändern. Jeder darf doch seine Meinung sagen. Ich kann nicht jeden glücklich machen. Mein Ansinnen ist es, ein Produkt abzuliefern, wo man sagt: Die versuchen etwas – mit allem, was sie können.“ Er werde sich zwar auch selbst hinterfragen („Ich stelle mich genauso in die Diskussion wie jeden Spieler“), aber insgesamt nicht von seiner Linie abweichen und „irgendwelche Kaspereien machen“. Man müsse „von seiner Arbeit überzeugt sein“.

Im Verein wird das Schaafsche Engagement geradezu gerühmt. Das Vertrauen in den Trainer, seit 1999 im Amt, ist scheinbar unerschütterlich. Egal, ob Sportchef Eichin, dessen Geschäftsführer-Kollegen Klaus-Dieter Fischer und Klaus Filbry oder Aufsichtsratschef Willi Lemke: Alle stärken Schaaf demonstrativ den Rücken, glauben fest an ihn – und daran, dass er mit dem kriselnden Team die Kurve kriegt. Für Schaaf ist das keine Überraschung: „Für mich gibt es keinen Grund, an der Loyalität oder der Unterstützung dieser Personen zu zweifeln – in keinster Weise, zu keiner Sekunde. Und alle anderen Diskussionen kann man nicht durch Worte verändern, sondern nur durch Handeln.“ Morgen Abend in Mönchengladbach besteht die nächste Möglichkeit dazu. · kni/mr

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