Abstiegsangst und Trainer-Erdbeben

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Ein tausendfaches Danke richten die Werder-Fans im ersten Heimspiel der neuen Saison an den im Mai entlassenen Thomas Schaaf. Der Ex-Trainer wird auch beim Abschiedsspiel für Torsten Frings extrem gefeiert

Bremen - Von Carsten Sander. Es gab Zeiten, da war es nicht vorstellbar, dass dieser Tag jemals kommen würde. Doch am 15. Mai ist es soweit: Werder Bremen verkündet die Trennung von Trainer Thomas Schaaf. Das Ende einer Ära nach 14 Jahren und fünf Tagen, eine Zäsur im Verein. Der Nachfolger ist in Robin Dutt zwar schnell gefunden, doch ein halbes Jahr unter seiner Regie zeigt, dass auch er die sportlichen Probleme nicht sofort beheben kann.

Erst im letzten Spiel des Jahres zeigt die Mannschaft, dass sie unter dem neuen Übungsleiter tatsächlich dazugelernt hat. Mit einer starken Defensivleistung gelingt ein 1:0 über Bayer Leverkusen – es ist die Kehrtwende nach zuvor 20 Gegentoren in fünf Partien und der einzige Sieg über ein Spitzenteam im ganzen Kalenderjahr.

Robin Dutt vergießt nach dem Sieg beinahe Tränen, spricht von einem „kleinen schönen Abschluss nach einem für den Verein schwierigen Jahr“. Und schwierig war 2013 für Werder in jeglicher Hinsicht.

Die sportliche Krise, die sich in den Jahren zuvor angeschlichen hatte, nimmt Werder nunmehr voll in Besitz. Als Sportchef Thomas Eichin, der Nachfolger des im Herbst 2012 zum VfL Wolfsburg abgewanderten Klaus Allofs, seinen Dienst antritt, sieht alles noch gar nicht so schlimm aus. Mit zwei Siegen in Folge (2:0 gegen Hannover, 4:1 in Stuttgart) hat Werder gerade den Fehlstart ins Jahr (0:5 gegen Dortmund, 2:3 beim HSV) aus den Kleidern geschüttelt, als Eichin die Bühne betritt. Es hat gewiss nichts mit ihm zu tun, aber fortan und bis zum Saisonende gewinnen die Bremer kein Spiel mehr. „Ich hatte gedacht, ich könnte mich langsam einarbeiten. Aber ich war gleich als Krisenmanager gefordert“, erinnert sich der vom Eishockey-Spitzenclub Kölner Haie gekomme Eichin.

Er moderiert die Krise, die mit nur zwölf Punkten zur schlechtesten Rückrunde der Club-Geschichte führt, indem er Thomas Schaaf offiziell den Rücken stärkt. Der Erfolg stellt sich aber nicht ein. Nur, weil die Konkurrenz noch schlechter ist, wird am vorletzten Spieltag mit dem 1:1 im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt der Klassenerhalt perfekt gemacht. Schaaf registriert die Rettung stoisch, statt euphorisch. „Ich bin immer davon ausgegangen, dass wir die Klasse halten. Wieso soll ich mich jetzt freuen?“, fragt der Coach. Auf dem Platz klatscht er jeden einzelnen Spieler ab, verschwindet dann in der Kabine. Es sah nach Abschied aus, und es war auch einer. Vier Tage später folgt die Entlassung – oder „einvernehmliche Trennung“, wie es der Club formuliert. Schaaf verschwindet wortlos und taucht erst wieder auf, als Torsten Frings sein Abschiedsspiel im Weserstadion feiert. Die Veranstaltung droht zu einem Schaaf-Event zu werden, so sehr wird der Ex-Coach von den Fans gefeiert. Sein Schweigegelübde bricht Schaaf deshalb aber nicht. Bis heute hat er sich nicht öffentlich zu seinem Aus bei Werder geäußert.

Es redet Thomas Eichin. Er dankt Schaaf für dessen „unglaublich kämpferische Leistung“ und seine „unglaubliche Willensstärke, mit der er alles aus sich herausgeholt hat“, aber er bezeichnet den Trainerwechsel aufgrund des sportlichen Niedergangs auch als „alternativlos“.

Robin Dutt tritt das Erbe an, bereit, gemeinsam mit Eichin einen neuen SV Werder zu basteln. Mit bescheidenen Mitteln, denn der wirtschaftliche Konsolidierungskurs muss bei einem Minus von 7,9 Millionen Euro für das Geschäftsjahr 2012/13 fortgesetzt werden. Werder verliert Leihgabe Kevin De Bruyne und verkauft Sokratis für neun Millionen Euro an Borussia Dortmund, schiebt zudem Marko Arnautovic für 2,5 Millionen Euro an Stoke City ab. So wird der Gehaltsetat entlastet Niclas Füllkrug, Johannes Wurtz und Joseph Akapala werden leihweise weggegeben, für Florian Hartherz und Denni Avdic kassiert Werder nur Mini-Ablösen. Geholt werden neben dem nach der Ausleihe nun für drei Millionen Euro fest verpflichteten Nils Petersen noch Cedric Makiadi (drei Millionen Euro), Luca Caldirola (2,5 Millionen) sowie der ablösefreie Franco Di Santo und der ausgeliehene Santiago Garcia.

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Viel Bewegung im Kader, aber sportlich geht es so weiter wie bisher. Nach 17 Spielen hat Werder 37 Gegentore kassiert, nur 19 Punkte gesammelt.

Addiert man Rückrunde der Vorsaison und Hinrunde der aktuellen Serie, ergibt sich für Werder eine Jahresbilanz, die in einer Saison zusammengefasst den nahezu sicheren Abstieg bedeutet hätte. Bei einem Torverhältnis von 44:74 holten die Bremer 2013 nur 31 Zähler.

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