Werder-Coach macht in der tiefen Krise wenig anders als sonst / Eichin braucht „frische Luft“

Schaaf lässt sich nichts anmerken

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Stiller Beobachter: Trainer Thomas Schaaf zeigt bei den Sprints aus allen Lagen keine Regung. ·

Bremen - Die Jobgarantie gilt nur bis zum Wochenende. Wenn Werder Bremen am Samstag (15.30 Uhr) auch in Leverkusen verliert und ähnlich versagt wie gegen Wolfsburg (0:3), dürfte es für Trainer Thomas Schaaf richtig eng werden. Dann droht dem Coach, der seit fast 14 Jahren im Amt ist, der sofortige Rauswurf.

Wie geht der 51-Jährige mit dem immensen Druck um? Und wie versucht er, sein am Boden liegendes und total verunsichertes Team wieder hochzureißen?

Er selbst sagt dazu nichts. Nicht zur Trainingswoche, nicht zu seiner Gemütslage oder seiner Zukunft. Immerhin darf er sich der Rückendeckung des Vereins (noch) sicher sein. Gestern Vormittag gab es auf dem Rasen eine kleine Geste des Zusammenhalts zwischen Schaaf und Sportchef Thomas Eichin. Das Protokoll des Trainings:

9.44 Uhr: Grauer Himmel in Bremen. Thomas Schaaf betritt den Trainingsplatz, gemeinsam mit seinen Assistenten Wolfgang Rolff, Reinhard Schnittker und Michael Kraft. Matthias Hönerbach kommt etwas später. Die Trainer verteilen Utensilien wie Hütchen und Stangen. Eine Handvoll Fans (später werden es rund 30 sein) ist schon da.

9.55 Uhr: Schaaf bespricht sich mit seinen Co-Trainern. Die Rasensprenger spritzen. Und die 20 Spieler, die zur Verfügung stehen, sind auf dem Weg zum Platz. Dort angekommen, begrüßt der Chefcoach sie per Handschlag. Co-Trainer Rolff verteilt die Trainingsleibchen, blaue und weiße.

10.00 Uhr: Die Mannschaft versammelt sich in der Mitte des Platzes. Schaaf tritt vor sein Team und erklärt gestenreich, wie die gleich beginnende Einheit aussehen wird. Die Ansprache dauert anderthalb Minuten, dann wird kollektiv geklatscht. Wohl aber nicht für Schaaf, sondern für Michael Kraft. Der Torwarttrainer hat Geburtstrag, wird 47 Jahre alt.

10.02 Uhr: Das Aufwärmprogramm beginnt. Fitnesscoach Schnittker leitet es – und scheint darauf aus zu sein, ein bisschen Lockerheit und Spaß reinzubringen. Die Spieler laufen in einem kleinen Kreis, bewegen sich auf Kommando in die Mitte, prallen dort zusammen. Es wird hier und da gelacht. Genau wie bei der nächsten Übung: kurze Sprints. Aus dem Stand, aus dem Schneidersitz, aus dem Liegen. Die drei Langsamsten müssen runter auf den Rasen und Liegestütze machen. Schaaf – mit Trainingsanzug und grünem Werder-Cap – beobachtet die Szenerie am Rande, regt sich kaum, sagt nichts.

10.19 Uhr: Sportchef Thomas Eichin kommt vom Weserstadion über den Park- zum Trainingsplatz. „Ich brauchte einfach mal ein bisschen frische Luft“, sagt er später. Sicher will er aber auch ganz genau sehen, wie Schaaf trainieren lässt und wie sich die Mannschaft präsentiert.

10.21 Uhr: Ende des Aufwärmens, rüber auf die andere Seite des Platzes. Dort werden Spielzüge geübt. Mal über die Außen, mal durch die Mitte. Schaaf ist nun deutlich aktiver, spricht viel und teilweise laut. „Macht das Tor, Leute“ oder „Seid konzentrierter im Abschluss“. Der 51-Jährige unterbricht ab und an, gestikuliert, rudert mit den Armen, erklärt, fordert. Dann ist er wieder minutenlang stiller Beobachter. Seine Spieler machen einen engagierten Eindruck, treffen häufig.

10.55 Uhr: Schaaf ruft alle zusammen, redet zweieinhalb Minuten mit Händen und Füßen auf sein Team ein. Danach geht’s weiter.

11.05 Uhr: Die Haupteinheit ist vorbei. Die Spieler laufen aus, Eichin kommt zu Schaaf. Erst sammeln die beiden gemeinsam die Bälle ein und verstauen sie in Netzen. Der Eindruck dieser spontanen Aktion: Sportchef und Trainer gehen nicht auf Distanz, sondern packen gemeinsam an. Danach sprechen sie knapp fünf Minuten. Schaaf hat die Arme vor der Brust verschränkt, Eichin die Hände in den Hosentaschen. Zwischendurch huscht dem Chefcoach ein Lächeln übers Gesicht.

11.14 Uhr: Zurück in die Kabine, Schaaf an der Seite von Keeper Sebastian Mielitz. Kurz vor dem Marathontor wird der Trainer angesprochen, ob er den Medienvertretern kurz zur Verfügung steht. Er lehnt – wie am Vortag – ab und sagt nur: „Am Donnerstag ist Pressekonferenz, da können wir uns wieder unterhalten. Bis dahin haben Sie doch wohl genug zu schreiben.“

Akpala und Ignjovski wieder im Training

Akpala und Ignjovski wieder im Mannschaftstraining

Das Fazit: Schaaf meidet die Journalisten, das tut er erst seit dem Wochenende. Auf dem Platz hat er wenig anders gemacht als sonst. Das Training war nicht länger oder härter. Und dass er nachmittags noch zu einer zweiten Einheit (allerdings nicht auf dem Rasen) bat, ist auch nicht außergewöhnlich. Dass sich „die Art der Trainingsführung ganz sicher ändern“ wird, wie Eichin nach dem Wolfsburg-Spiel ankündigt hatte, war nicht zu sehen. Schaaf selbst ist bemüht, sich die schwierige Situation nicht anmerken zu lassen und seine Mannschaft bei Fehlern nicht niederzumachen. Für Mittelfeldmann Zlatko Junuzovic eine vernünftige Herangehensweise: „Es nützt doch nichts, wenn er nur herumschreit.“ · mr

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