Schaaf kehrt ins Weserstadion zurück – und lobt Werder-Coach Skripnik samt dessen Team

„Sie machen das prima“

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Beim Hinspiel hatten Thomas Schaaf und Viktor Skripnik jede Menge Spaß. Sie kennen sich ja auch schon lange, denn Schaaf war in Bremen viele Jahre Skripniks Trainer.

Bremen - Bei diversen Abschiedsspielen oder dem Doubiläum war er schon mal wieder da – doch am Samstag gibt es die echte Rückkehr: Thomas Schaaf, der von 1972 bis 2013 als Spieler und Trainer die Werder-Raute trug, kommt erstmals als Gegner ins Weserstadion.

Und mit Eintracht Frankfurt will der 53-Jährige diese Partie „so erfolgreich bestreiten, wie es nur geht“. Natürlich sei es ein besonderes Spiel, aber er mache sich „keinen Kopf“, wie die Fans reagieren: „Ich komme einfach mit viel Freude und Spaß nach Bremen.“ In einer Telefonkonferenz stellte sich Schaaf gestern den Fragen mehrerer Journalisten – und war dabei voll des Lobes über den aktuellen Werder-Coach Viktor Skripnik.

Herr Schaaf, Radio Bremen versucht gerade, mit der Aktion „MoinThomas“ herauszubekommen, wie viel Schaaf noch in der Stadt Bremen steckt und bittet um Fotos. Was denken Sie, wo sind Sie überall noch zu sehen?

Thomas Schaaf: Keine Ahnung, darüber habe ich mir wirklich noch nie Gedanken gemacht. Natürlich gibt es noch viele Verbindungen nach Bremen, und ich freue mich auch, mal wieder da zu sein.

Wieviel Bremen steckt denn noch in Ihnen?

Schaaf: Bremen wird immer ein intensiver Teil in meinem Leben sein. Ich habe da so lange gelebt und so viel erlebt. Deshalb gibt es überhaupt keinen Grund, das zu vergessen.

Wird man Sie am Wochenende nur im Stadion sehen oder haben Sie noch andere Pläne bei Ihrer Rückkehr in die Heimat?

Schaaf: Ich war längere Zeit nicht in Bremen, weil es nicht ging. Es ist doch klar, dass ich meine Familie und Freunde wiedersehen möchte.

Werden Sie auch in ihrem Haus in Brinkum nach dem Rechten sehen, bleibt dafür an einem Bundesliga-Wochenende überhaupt Zeit?

Schaaf:  Es gibt ja eine Vor- und eine Nachbereitung bei so einem Spiel, also wird sich diese Zeit schon ergeben.

Kennen Sie im Weserstadion überhaupt die Gästekabine, taugt die was?

Schaaf: Ich könnte ja jetzt sagen, dass ich beim Neubau der Ostkurve mit involviert war. Ich werde auf jeden Fall keine Probleme haben, die Gästekabine zu finden.

Haben Sie sich damals keine kleinen Gemeinheiten ausgedacht, damit sich der Gegner nicht zu wohl fühlt?

Schaaf: Wir haben unsere Gäste in Bremen immer mit dem nötigen Respekt empfangen. Das machen wir natürlich auch in Frankfurt.

Mit welcher Reaktion der Fans rechnen Sie am Samstag im Stadion?

Schaaf: Da mache ich mir keinen Kopf. Ich komme einfach mit viel Freude und Spaß nach Bremen.

Hilft da auch die Situation, dass beide Teams nicht im Abstiegskampf stecken, dass nicht so viel auf dem Spiel steht?

Schaaf: Das muss man trennen. Das eine ist das Emotionale, was man mit dem Ort und den Club verbindet. Das andere ist das Berufliche – und da habe ich einen klaren Auftrag. Ich bin in Frankfurt, und will mit dieser Mannschaft maximalen Erfolg haben.

Das Spiel bekommt durch die Ehrung der ersten Werder-Meister von 1965 eine nostalgische Note; dann noch Ihre Rückkehr – fürchten Sie, dass der Fokus zu wenig auf dem sportlichen Geschehen liegt?

Schaaf: An Erfolge zu erinnern, vor allem an so einen Erfolg wie 1965, das haben alle verdient. Das war damals eine großartige Leistung. Und ich kenne ja auch noch einige dieser Spieler. Deshalb freut es mich, dass die alle da sind und geehrt werden.

Beim ersten Aufeinandertreffen in der Hinrunde lag Frankfurt klar vor Werder, inzwischen sind die Bremer vorbeigezogen. Warum?

Schaaf: Werder hat eine hervorragende Serie gestartet. Da hat Viktor Skripnik mit seinem Team großartige Arbeit geleistet. Es war prima, das zu sehen. Wir dagegen haben zuletzt nicht immer die passenden Ergebnisse abliefern können, deswegen fehlen uns da sicherlich ein paar Punkte.

Sind Sie zufrieden mit dem Saisonverlauf und Platz 11?

Schaaf: Rational betrachtet haben wir die Ziele erfüllt. Emotional gesehen springen wir manchmal hin und her zwischen tollen Leistungen und Ergebnissen, die nicht so zufriedenstellend sind. Zu Beginn der Saison war doch das wichtigste Ziel, nichts mit dem Abstiegskampf zu tun zu haben. Das haben wir erreicht. Wenn man emotional rangeht und darüber nachdenkt, was möglich gewesen wäre, dann ärgert man sich über das eine oder andere Spiel. Aber alle reden hier intensiv über die Eintracht, wir sind Thema in der Stadt. Und diese Erwartungshaltung ist auch ein Stück Lob, das wir uns erarbeitet haben.

Das leidige Thema Gegentore – die haben Sie quasi aus Bremen mit nach Frankfurt gebracht. Es hat bei der Eintracht auch oft in der Schlussphase hinten geklingelt, haben Sie eine Erklärung dafür?

Schaaf: Es geht nicht darum, wann die Gegentore fallen, sondern wie, und da gibt es die unterschiedlichsten Gründe. Wir können jeden Gang mitgehen, das hat man doch auch beim so intensiven 0:0 gegen Mönchengladbach gesehen. Aber wir haben eben auch viel Spektakel nach Frankfurt geholt.

Ist Platz sieben und damit die Qualifikation für die Europa League noch ein Thema?

Schaaf: Mein Ziel ist es, die nächste Partie so erfolgreich zu bestreiten, wie es nur geht.

Und wenn Sie tatsächlich über diese Partie hinausblicken?

Schaaf: Dann denke ich daran, das übernächste Spiel zu gewinnen. (lacht)

Zurück zum Werder-Spiel: Wie intensiv ist der Kontakt zu Ihrem Ex-Spieler Viktor Skripnik oder Torsten Frings?

Schaaf: Natürlich hat man Kontakt, aber das ist nicht unbedingt regelmäßig. So wie es passt, wie es einem gerade so einfällt – und dann tauschen wir uns gelegentlich aus.

Haben Sie in den vergangenen Monaten etwas genauer hingeschaut, wie sich Viktor Skripnik als Bundesliga-Trainer macht?

Schaaf:  Natürlich schaut man mal hin, wie sie das in Bremen machen. Und da freue ich mich, denn sie machen es prima.

Aber sie bekommen ähnlich viele Gegentore wie Werder unter Ihrer Regie. Das hat sich bei ihren Nachfolgern auch nicht geändert. Gibt es aus Ihrer Sicht eine Erklärung dafür?

Schaaf: Es ist immer die Frage, welchen Schuh Sie sich anziehen. Ich habe mir diesen Schuh nie angezogen. Ich versuche immer, mit meiner Mannschaft das Optimale herauszuholen. Und ich bleibe dabei: Mir ist ein 4:3 lieber als ein 1:0. Weil ich da auch als Fußball-Fan denke und ein Spiel erleben will, in dem möglichst viel passiert. Natürlich ist das wichtigste Merkmal, dass man das Spiel gewinnt, ansonsten geht die Gleichung nicht auf. Wenn man offensiver spielt, will man trotzdem nicht unkontrolliert agieren. Besser als ein 4:3 ist natürlich ein 4:0, aber das ist nicht so einfach.

kni

14 Jahre Thomas Schaaf bei Werder Bremen

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