Mit Notelf gegen Bayern – da kann nur die Nachlässigkeit der Münchner helfen

Schaaf gibt zu: „Eigentlich haben wir keine Chance“

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Dirigiert er mangels Spieler schon die Dummys? So schlimm ist es nicht, doch die personelle Lage sowie die zuletzt gezeigten Leistungen erzeugen bei Werder-Coach Thomas Schaaf vor dem Spiel gegen die Bayern schon einen gewissen Pessimismus. ·

Bremen - Es waren die letzten Fragmente einer einst aussichtsreichen Mannschaft, die Thomas Schaaf gestern zu einer Trainingself zusammenfegte.

Hier einer aus der U 23, da noch einer – und ja, dort fehlt ja auch jemand. Schnell die Löcher gestopft und fertig ist eine Formation, die am Samstag im Heimspiel gegen Bayern München versuchen soll, irgendwie die Ehre von Werder Bremen zu retten. Die sich angesichts der Aussichtslosigkeit ihres Unterfangens aber auch wie eine Gruppe Delinquenten auf dem Weg zum Schafott fühlen muss.

Die Situation ist kurz gefasst diese: Ohne etliche Stars, dafür mit Notnägeln aus der U 23 muss sich Werder gegen den Champions-League-Halbfinalisten aus München behaupten. Dass das nicht gelingen wird, ist für die meisten Fans schon klar. Eine klare Bremer Niederlage und damit das wohl endgültige Aus im Rennen um einen Platz in der Europa League wäre angesichts der Lage der Dinge normal. Schaaf würde es so deutlich zwar nie sagen, räumt aber ein, dass die Voraussetzungen schlecht sind: „Wir haben eigentlich keine Chance. Aber das kennt man ja aus vielen Pokalspielen.“

Bilder vom Training am Dienstag

Arnautovic und Hunt trainieren wieder

Was er damit meint: Im Cup gibt‘s immer wieder die Überraschungen und Sensationen, dass ein Dritt- oder Viertligist den hohen Favoriten aus Liga eins bezwingt. Dass Schaaf diesen Vergleich wählt, lässt erkennen, wo er seine durch Sperren und Verletzungen gebeutelte Truppe im Vergleich des Bundesliga-Achten mit dem -Zweiten ansiedelt: ganz weit unten.

Was bleibt ihm auch anderes übrig? Die durch Sperren (Clemens Fritz, Sokratis, Sebastian Boenisch) und Verletzungen (unter anderem Marko Marin, Mehmet Ekici, Florian Hartherz, Philipp Bargfrede) entstandene Personalnot zwingt ihn dazu, über ein Mittelfeld mit Felix Kroos, Florian Trinks und Tom Trybull sowie eine Viererkette mit Leon Balogun als Rechtsverteidiger nachzudenken. So wie gestern im Training. Möglich, aber nicht sicher ist, dass die gestern im B-Team aufgebotenen Aaron Hunt und Marko Arnautovic (siehe Text unten) sowie Aleksandar Ignjovski (Sprunggelenksprobleme) zu Optionen werden. Doch ob mit Nachwuchskräften oder mit Profis ohne Spielpraxis: Die Situation bleibt vertrackt.

Zumal die Stimmung im Team nahe dem Nullpunkt ist. Schaaf bekennt: Es herrscht der Frust, „weil wir in Stuttgart ein Scheißspiel gemacht haben“. Das desaströse 1:4 aufzuarbeiten, war bis Montag der Schwerpunkt des Schaffens. Videoanalysen, Besprechungen, „alles, was möglich ist eben“, sagt der Trainer. Ob es geholfen hat? Der Samstag wird es zeigen.

Er wird auch die Antwort darauf bringen, ob Schaaf in der Lage ist, ein auf dem Papier gnadenlos unterlegenes Team zu unerwarteten Leistungen zu pushen. Wie es im Pokal die Trainer von Dritt- und Viertligisten machen – mit feurigen Ansprachen, mit psychologischen Tricks. Stark reden, Selbstvertrauen einimpfen – irgendwie. Vorerst setzt der 50-Jährige aber auf den Eigenantrieb seiner Spieler: „Jeder muss sich für die Aufgabe begeistern, jeder muss sich soviel Motivation wie möglich schaffen.“ Und noch etwas sagt Schaaf vor dem ungleichen Duell: Entscheidend seien nicht die Namen auf dem Platz, sondern „wie wir es zueinanderkriegen, was jeder Einzelne abrufen kann. Das ist die spannende Frage.“

Die stellt sich allerdings auf beiden Seiten. Denn ein wenig darf spekuliert werden, dass die Bayern die Aufgabe in Bremen zwischen Hin- und Rückspiel gegen Real Madrid nicht ernst nehmen. Zaghaft hofft auch Schaaf: „Finden sie zu ihrer normalen Leistung, wird es schwer. Sind sie aber nicht in bester Verfassung, haben wir eine Chance, das Spiel offen zu halten oder sogar zu gewinnen.“ · csa/mr

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