Sportlich verströmt Werder den Geruch einer Krise, offiziell ist aber alles okay

Schaaf bleibt dabei: „Die Grundausrichtung ist richtig“

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Medienrummel am Weserstadion: Werder-Coach Thomas Schaaf wurde gestern von Journalisten umlagert – und versuchte, trotz der sportlichen Talfahrt Zuversicht zu verbreiten.

Bremen - In München, Hamburg, Köln oder Berlin wäre es gestern ein Tag wie jeder andere gewesen. Sechs Kamerateams beim Training – na und? Ist doch normal. Nicht aber in Bremen. Hier hat eine solche Ansammlung verschiedener Medien schon den Charakter eines Ausnahmezustands.

Warum alle gekommen waren, liegt auf der Hand: Nach der 1:3-Klatsche beim FC Augsburg wird national die nächste Krise an der Weser gewittert. Kein Wunder, denn die Mannschaft hat zuletzt die entsprechenden Duftstoffe verströmt.

Miserabel in Augsburg, nach der Halbzeit schlecht gegen Stuttgart, wackelig auch trotz des Sieges in Freiburg, mutlos gegen die Bayern – die Hinweise sind zahlreich, dass es bei Werder gewaltig hakt. Wo denn die Aufbruchstimmung der ersten Wochen geblieben sei, wollte deshalb ein TV-Reporter nach der ersten Trainingseinheit der Woche von Thomas Schaaf wissen. Dessen Antwort: „Bei uns kippt die Stimmung nicht. Wir haben weiterhin eine gute Atmosphäre in der Mannschaft, weil wir wissen, dass wir etwas erreichen wollen.“

Training mit einem Unbekannten

Werder-Training mit einem Unbekannten

Die Absicht allein reicht bei Werder also aus, um grundsätzlich happy zu sein. Dass das bisher Erreichte – nur sieben Punkte aus sieben Spielen bei 13 Gegentoren – überhaupt nicht mit dem gesteckten Ziel Europa League zusammenpasst, ist dem Trainer keine Aufregung wert. Mit der stoischen Ruhe eines Mannes, der vereinsintern keine Kritiker fürchten muss, sprach Schaaf zwar von der Pflicht zur Verbesserung („Wir wissen, dass wir uns steigern müssen“) und von der Einsicht, mindestens in Augsburg großen Murks gemacht zu haben („Das ärgert uns, das wurmt uns“). Dass er aber Veränderungen an der personellen Besetzung oder gar der taktischen Ausrichtung vornehmen müsse – nein, das ist nicht Schaafs Thema. „Wir wissen, dass die Grundausrichtung richtig ist“, sagte er und fügte in der ihm ureigenen Ausdrucksweise hinzu: „Die Dinge, die wir bisher in der Saison aufgezeigt haben, sprechen auch dafür.“

Er klammert sich an gute Phasen der Partien in Dortmund und Hannover, an die erste Halbzeit gegen Stuttgart. Doch diese Argumente haben in Augsburg ihre Kraft weitgehend verloren. Ob die neu zusammengestellte Mannschaft jemals so funktionieren wird, wie Schaaf es sich vorstellt, muss zwangsläufig in Zweifel gezogen werden. Einer aus der Wand der Reporter, die sich vor Schaaf aufgebaut hatte, tat es indirekt. Und bekam als Reaktion das übliche Muster präsentiert: die Forderung zur Geduld. „Es sind bisher nicht alle Wünsche in Erfüllung gegangen. Aber wir wussten von Anfang an, dass es immer wieder die Situation gibt, dass man in Fehler verfällt. Wir wissen, dass wir einen langen Weg vor uns haben – wir haben nie etwas anderes geäußert“, so Schaaf.

„Die Saison“, meinte der 51-Jährige weiter „wird interessant“. Nun kann sich jeder – ob Schaaf-Fan oder Schaaf-Kritiker – überlegen, wofür „interessant“ als Synonym stehen mag. Für: In Abstiegsnot geraten? Für: Explosionsartige Entwicklung Richtung Spitzenplätze? Oder für: Fortsetzung der vergangenen beiden Spielzeiten – sprich: Neue Mannschaft, altes Mittelmaß?

Die Tendenz unter Schaaf ist in den letzten Jahren negativ. Damals schon stand er bei Werder nicht zur Diskussion, und er wird auch nicht in eine geraten, wenn das von ihm geleitete Team weiter durchhängt. Werder-Chef Klaus Allofs verkündete das schon mal vorsorglich via „Bild“-Zeitung: „Das Fass Trainer machen wir nicht auf.“ Auch die Systemdebatte will er – in vertrauter und trauter Eintracht mit Schaaf – nicht führen. Weshalb sich die TV-Reporter am Ende fragen mussten, ob sie ihren Nasen noch trauen können. Ist doch alles in bester Ordnung bei Werder Bremen – bis auf die Ergebnisse. · csa

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