Freiburgs Trainer Robin Dutt spricht über die Bremer Krise und seine „Auszeit“ vom Abstiegskampf

„Schaaf arbeitet vorbildlich“

Für Freiburgs Trainer Robin Dutt bestand in dieser Saison schon viel Grund zur Freude. Aber jubelt er auch gegen Werder?

Bremen - Von Florian Neuhauss · Robin Dutt (46) wirkt locker und gelöst – nahezu entspannt. Er nimmt sich viel Zeit, beantwortet jede Frage ausführlich und in aller Ruhe. Der Trainer des Fußball-Bundesligisten SC Freiburg hat auch keinen Grund, hektisch zu sein.

Sportlich läuft es beim Tabellensiebten aus dem Breisgau ausgezeichnet. Morgen (15.30 Uhr) ist Werder Bremen im badenova-Stadion zu Gast. Im Interview mit dieser Zeitung spricht Robin Dutt über die Bremer Krise, den Freiburger Höhenflug und warum er seine Spieler auch gern mal zur Weinlese schickt.?

Herr Dutt, Ihre Spieler haben angekündigt, dass gegen Bremen die 40-Punkte-Marke fällt. Dazu braucht es drei Punkte.

!Wir haben ein Heimspiel und spielen da natürlich auf Sieg. Wir haben vor der Saison das Ziel formuliert, diese Marke zu knacken. Und egal, ob das dann bedeutet, dass wir den Klassenerhalt geschafft haben oder nicht: Irgendwann müssen wir hinter dieses Ziel mal einen Haken machen.

?Vor der Saison haben Sie den Staffhorster Jan Rosenthal von Hannover 96 verpflichtet. Wie macht er sich im Breisgau?

!Wir sind sehr zufrieden mit Jan. Nicht zuletzt, weil er schon einige entscheidende Tore geschossen hat. Er verkörpert eine gute Mischung aus technischer Schnelligkeit, Aggressivität und Athletik. Er ist offensiv vielseitig einsetzbar. Ob er uns gegen Werder zur Verfügung steht, ist allerdings noch nicht klar. Er hat zuletzt verletzt gefehlt und ist erst Ende der Woche wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen.

?Egal, wo in der Republik gerade über den Trainer diskutiert wird, fällt auch Ihr Name. Wie gehen sie damit um?

!Indem ich das alles öffentlich nicht kommentiere.

?Thomas Schaaf ist jetzt seit zwölf Jahren Trainer in Bremen. Ihr Vorgänger Volker Finke schaffte es sogar, 16 Jahre auf dem Trainerstuhl zu bleiben. Gibt es jetzt in Freiburg eine Ära Dutt?

!Ich glaube nicht, dass sich das so einfach wiederholen lässt. Das sind schon zwei sehr lange Zeitspannen. Die beiden genannten Kollegen haben einfach eine außergewöhnlich gute Leistung abgeliefert, und Thomas Schaaf tut es noch. Die Zeiten haben sich allerdings einfach geändert. Ich bin jetzt seit vier Jahren beim SC, und der Weg führte immer nur nach oben. Ein Thomas Schaaf hat in seiner Zeit viele Höhen, aber auch Tiefen erlebt und ist daraus stets sogar gestärkt hervorgegangen. Schaaf arbeitet vorbildlich.

?Meistert er denn mit Werder die Krise?

!Ich hoffe es. Bremen genießt in Freiburg viele Sympathien, weil dort seriös, menschlich und professionell gearbeitet wird. Ich hoffe, der Weg wird belohnt.

?Sie haben aber auch schon ein Tief in Freiburg überstanden: In der vergangenen Saison sah es beim SC nach einer Negativserie auch mal nach Abstiegskampf aus. Und nun klopft der SC an die Plätze zum internationalen Geschäft . . .

!. . . das war doch kein Kampf, das war unser Alltag. Es gehört zum normalen Geschäft, wenn es mal ein paar Spiele nicht läuft. Wir haben uns aktuell eine kleine Auszeit vom Abstiegskampf genommen (lacht). Aber wie es in der neuen Saison weitergeht, müssen wir abwarten. Wenn wir so spielen wie in diesem Jahr, weckt das natürlich Begehrlichkeiten.

?Der SC hat doch längst seine Hausaufgaben gemacht. Sämtliche Leistungsträger haben bis mindestens Sommer 2012 Vertrag.

!Das heißt ja nur, dass die Spieler den Verein nicht ablösefrei verlassen können. Aber trotzdem kann sich die Situation ergeben, dass ein Spieler im Sommer nicht zu halten ist. Und damit müssen wir dann offen umgehen.

?Bei Torjäger Papiss Demba Cisse ist der SC im Winter aber hart geblieben, obwohl es Angebote jenseits der zehn Millionen Euro gegeben haben soll.

!Solche Entscheidungen haben eine sportliche und eine betriebswirtschaftliche Seite. Die sportliche Seite ist bei aktuell 16 Treffern klar. Da wollten wir im Winter kein Risiko eingehen. Und wir glauben, dass wir auch im Sommer noch so ein Angebot bekommen können. Dann geben wir dem Angebot nach – oder auch nicht (lacht).

?Mit dem Namen Cisse ist der derzeitige Höhenflug ganz eng verbunden. Aber auch Mainz und Hannover stehen in der Tabelle viel weiter oben als erwartet. Nur eine Momentaufnahme?

!Für diese Saison sicher nicht, es sind schon zu viele Spiele absolviert. Aber von der Infrastruktur und den Finanzen her bleibt es eine Momentaufnahme. Und sei es, dass die Spieler, die die „Kleinen“ nach oben geführt haben, einfach weggekauft werden. Wir setzen alles daran, infrastrukturelle Maßnahmen wie beispielsweise die Stadionfrage schnell voranzutreiben. Nicht, um zu den „Großen“ aufzuschließen, sondern um unseren Standard zu halten.

?Sind Sie selbst vom guten Abschneiden überrascht?

!Dass sich unsere junge und talentierte Mannschaft weiterentwickeln würde, war abzusehen. Einige Spieler – wie Jan Rosenthal – haben jetzt den nächsten Schritt in ihrer Entwicklung gemacht. Ich hätte allerdings nicht erwartet, dass es tabellarisch auch so gut läuft. Was nicht heißen soll, dass wir zu Unrecht da oben stehen. Wir haben uns das gute Abschneiden hart erarbeitet und sind auch zu willensstark und gefestigt, als dass ich mir in dieser Saison noch einen Leistungseinbruch vorstellen könnte. Es ist nicht einfach, gegen uns ein Spiel zu gewinnen.

?Bremen ist so etwas wie Ihr persönlicher Angstgegner. Drei Spiele, null Punkte und 1:12 Tore. Aber schon im letzten Duell war es beim 1:2 sehr knapp. Ist Bremen jetzt fällig?

!0:6, 0:4, 1:2 – von den Ergebnissen her hat Werder die Freiburger Sympathien eigentlich gar nicht verdient (lacht). Aber wenn ich richtig rechne, dann kommt jetzt ein 1:0.

?Freiburg fährt viele knappe Siege ein. Haben Sie dafür eine Erklärung?

!Das zeigt einfach, wie sehr wir in jedem dieser Spiele an unsere Leistungsgrenze gegangen sind. Und wir haben auch viel Glück gehabt. Am vergangenen Wochenende beim 0:1 in Köln hatten wir das nicht. Wir hätten uns am Ende auch hinten reinstellen können. Aber wir spielen auf Sieg und haben auch schon einige späte Siege eingefahren.

?In Bremen wurde zuletzt viel darüber diskutiert, dass sich das Team mit einem Mentaltrainer getroffen hat. Bei Ihnen gehören Teambuilding-Maßnahmen wie ein Besuch im Hochseilgarten, ein Team-Triathlon oder die Lese auf dem Weinberg des Präsidenten schon immer dazu.

!Man sieht in Dortmund, was eine funktionierende Mannschaft wert ist. Wenn Qualität auf dem Platz steht und es auch noch menschlich passt, kommt eine richtige Lawine ins Rollen. Das gilt für jedes Team. Eine Zweckgemeinschaft reicht nicht. Wer Champions League spielen will, muss auch mannschaftlich Champions League sein.

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