Santiago Garcia trainiert wie ein Astronaut: „Leider bin ich nur Fußball-Profi“

Mittagspause im Weltall

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Ungewöhnlicher Trainingsort: Santiago Garcia testet das „Flywheel“, das einst in der Internationalen Raumstation ISS stand. Nun ist es auf der Messe „Space Tech Expo“ zu begutachten. OHB-Mitarbeiterin Corina Agache zeigt, wie es funktioniert.

Bremen - Es dauert nicht lange, da schießt Santiago Garcia der Schweiß auf die Stirn. Dieses „Flywheel“ macht dem Werder-Profi sichtlich zu schaffen. Es ist ja auch nicht irgendein Trainingsgerät, sondern eines für Astronauten – und zwar im Weltall. Drei Jahre lang hat es auf der Internationalen Raumstation ISS gestanden und dafür gesorgt, „dass die Astronauten nicht wie Wracks auf die Erde zurückkommen“, erklärt Marco Fuchs.

Sein Unternehmen OHB hat das „Flywheel“ hergestellt und präsentiert es auf der „Space Tech Expo“ in den Bremer Messehallen – mit Garcia als Stargast. „Ich bin leider nur Fußballer geworden“, seufzt Garcia und lacht. Natürlich hat er mit der Frage nach seinem Berufswunsch als Kind gerechnet. Und ja, auch er habe mal kurz davon geträumt, Astronaut zu werden. Doch inzwischen hat sich das Thema erledigt. Und zwar gründlich. „Ich fliege nicht so gerne, ich habe da immer etwas Angst“, gesteht der Argentinier.

Auf dem Platz ist von einem ängstlichen Garcia nie etwas zu sehen. Vom 27-Jährigen gibt es immer vollen Einsatz ohne Rücksicht auf Verluste. Der Linksverteidiger spielt gerade seine beste Saison – es ist seine dritte bei Werder. Weil er schon lange sehr gut Deutsch spricht, wird er inzwischen auch zu PR-Terminen wie jetzt in der Messehalle geschickt. Dieser Auftritt ist sogar ein ganz besonderer, denn Aufsichtsratsmitglied Marco Fuchs, der OHB-Inhaber, hat um Unterstützung gebeten. Schließlich ist die „Space Tech Expo“ zum ersten Mal in Bremen. Da gilt es Werbung zu machen, um möglichst viel Publikum zu bekommen. Ein Fußball-Profi in Trainingsjacke wird dabei unter den ganzen Anzugträgern aus aller Welt zum viel beachteten Exoten – und die Medien stürzen sich natürlich auf den Star aus dem Weserstadion.

Nach seiner Vormittags-einheit im Kraftraum ist Garcia pünktlich zu seiner Mittagspause im Weltall eingetroffen. Auf den ersten Blick wirkt das „Flywheel“ auf dem kleinen Messestand etwas unscheinbar. Doch eine große Fotowand vermittelt schon ein bisschen den Eindruck, der Argentinier würde tatsächlich im Columbus-Labor der ISS sitzen. Fehlt nur die Schwerelosigkeit. Die ist das größte Problem der Astronauten – und auch der Hauptgrund, warum das Trainingsgerät überhaupt mit in den Himmel geschossen wurde. „Die Muskeln werden durch die Schwerelosigkeit fast gar nicht beansprucht, deshalb müssen die Astronauten oben alle Muskeln trainieren“, erklärt Fuchs. Doch Zeit ist im Weltraum sehr kostbar und wird eigentlich für die vielen teuren Experimente benötigt. Sport muss also schnell gehen. Deswegen sieht das „Flywheel“ auch nur aus wie ein simples Rudergerät, es muss aber auf dem Hin- und dem Rückweg ziemlich geackert werden.

„Das ist ganz schön anstrengend“, stöhnt Garcia, der sich ein bisschen an den Sommer erinnert fühlt. Da hatte der neue Fitness-Coach Jörn Heineke ähnliche Geräte aufgestellt. „Aber das hier ist schlimmer“, urteilt Garcia. Nur gut, dass er nichts vom Angebot seines Gastgebers hört. „Natürlich kann Werder unser Flywheel haben“, sagt Fuchs. Auf der ISS wird es nicht mehr gebraucht, den Astronauten war es zu sperrig. Sie trainieren nun an anderen Geräten.

Für Garcia hat Fuchs schon jetzt ein Geschenk: eine Urkunde mit der Aufschrift „Trainiert wie ein Astronaut“. Das passt zum Argentinier, er geht ja gerne ab wie eine Rakete.

kni

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