Santiago Garcia und Janek Sternberg – das gewollte Duell auf der linken Abwehrseite

Wettkampf der Wadenbeißer

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„Es ist okay“, sagt Santiago Garcia (Bild) über das Duell mit Janek Sternberg.

Bremen - Dieses linke Ding kommt Viktor Skripnik gerade recht: Seit Wochen wechselt der Werder-Coach auf der linken Abwehrseite zwischen Santiago Garcia und dessen Herausforderer Janek Sternberg hin und her, schürt so den Konkurrenzkampf und freut sich, wie bissig die beiden Kontrahenten darauf reagieren. Garcia und Sternberg schaukeln sich gegenseitig hoch – und der Trainer muss kaum noch etwas dafür tun. Behauptet er jedenfalls. „Wir sagen nur ,Fass!‘, und die beiden machen das“, lacht Skripnik. Das Duell um den Stammplatz – es ist ein Wettkampf der Wadenbeißer.

Klingt ein bisschen despektierlich, ist aber so falsch nicht. Denn Skripnik erklärt, dass er sich bei der Besetzung tatsächlich danach richtet, welcher Typ Gegenspieler wartet. Bullig und kopfballstark? Ein Fall für Garcia! Eher klein und wendig? Dann ist Sternberg dran. So hat der Argentinier Garcia zuletzt gegen Augsburgs Kraftpaket Raul Bobadilla eines seiner besten Spiele im Werder-Trikot gemacht. Im Spiel zuvor hatte Sternberg sich nach Kräften bemüht, Leverkusens Karim Bellarabi in den Griff zu kriegen. „Santi ist ein stärkerer Kopfballspieler, Janek ist ein Stück härter, schaltet schneller um.“

Insgesamt ist es ein stetes Wechselspiel. Seit der 22 Jahre alte Sternberg am 13. Spieltag beim 4:0 gegen den SC Paderborn die Bundesliga-Bühne betrat, stand er vier Mal (Paderbon inklusive) in der Startelf – jeweils in Heimspielen. Garcia kommt im gleichen Zeitraum auf fünf Mal Anfangself. Zudem kam er gegen Hannover noch vor der Pause ins Spiel, weil Sternberg mit Jimmy Briand nicht klar kam. „Janek hat sich für die Auswechslung sogar bedankt“, berichtet Skripnik.

Der Blondschopf aus dem schleswig-holsteinischen Leezen ist eben einer, der weiß, dass er noch lernen muss. Zu Anfang der Saison spielte er noch unter Skripnik in der U23, fühlte sich von der Bundesliga „weit weg“. Aber dann kam der Trainerwechsel, Garcias Gelbsperre gegen Paderborn – und seither gehört Sternberg dazu. Vor wenigen Tagen wurde er mit einem Profi-Vertrag bis 2017 ausgestattet. Sportchef Thomas Eichin sagt, er habe die Suche nach einem Linksverteidiger nun eingestellt. „Wir müssen uns nicht auf dem Markt umschauen, wenn wir in den eigenen Reihen einen haben“, erklärt er.

Schön für Sternberg. Aber wie sieht Santiago Garcia den Konkurrenzkampf? Wie geht es ihm damit, dass ihm mitunter ein Nobody aus der U23 vor die Nase gesetzt wird. „Es ist okay. Janek ist doch ein guter Spieler. Ich bin nicht ärgerlich und auch nicht traurig“, antwortet der Argentinier und ergänzt: „Der Konkurrenzkampf ist gut für die Mannschaft und auch gut für mich. Er spornt mich an.“

So soll’s sein, so wollte es Viktor Skripnik haben. „Seit Janek da ist, ist Santi ein bisschen unruhiger und versucht im Training noch mehr zu geben als sonst. Er spürt den Konkurrenzdruck, und wir genießen das.“

Janek Sternberg geht das Ganze zwar voll engagiert, aber auch ziemlich entspannt an. Jeder Einsatz ist für ihn ein Geschenk, sagt er. Was jedoch nicht heißt, dass er ohne Ansprüche durchs Leben schwebt. Sein Nahziel bei Werder: Er will seinen Spitznamen „Heimspiel-Sterni“ loswerden. Bislang hat er nur im Weserstadion gespielt – mit Ausnahme eines Zehn-Minuten-Einsatzes in Hoffenheim. Begründung des Coaches: Als junger Spieler könnte der ehemalige HSV-Akteur mit der Auswärtsatmosphäre überfordert sein. Vielleicht stimmte das anfangs sogar, aber mittlerweile fühlt sich Janek Sternberg bereit für alles – auch für das Spiel am Samstag bei Schalke 04. „In Hoffenheim“, sagt er, „habe ich gemerkt, dass es geil ist, die vielen heimischen Fans zu ärgern.“

csa

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