„,Santi‘ soll sich ruhig austoben“

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Beste Laune beim Doppel-Interview: Werders Argentinier Franco Di Santo (links) ...

Bremen - Man hört es immer wieder. Viele Bundesligisten haben Scherereien mit ihren Südamerikanern, weil die es mit der Pünktlichkeit gerne mal nicht ganz so genau nehmen. Diese Sorgen muss sich Werder Bremen nicht machen.

und Santiago Garcia. 

Zum verabredeten Gesprächstermin erscheinen die beiden Argentinier Franco Di Santo (24) und Santiago Garcia (25) nicht rechtzeitig, sondern sogar sieben Minuten zu früh! Und am Ende des großen Doppel-Interviews rutscht Di Santo unruhig auf seinem schweren braunen Ledersessel herum, tippt auf seine Uhr und meint damit: „Wir müssen jetzt schnell in die Kabine.“ Dazwischen lag ein sehr launiges Gespräch.

Herr Di Santo, Sie sind ein extrem fröhlicher Mensch. Ist Ihnen das Lachen durch die lange Auszeit wegen der Sperre (drei Spiele) und der anschließenden Verletzung (Muskelfaserriss) ein bisschen vergangen?

Franco Di Santo:Es ist wahr, dass ich ein glücklicher Mensch bin und immer positiv denke. Es ist aber kein Geheimnis, dass es jeden Spieler innerlich ein bisschen zerfrisst, wenn man so lange zuschauen muss, weil man gesperrt ist. Und dann will man alles beweisen – und verletzt sich. Der Start bei Werder war deshalb nicht einfach für mich.

Wie gehen Sie damit um?

Di Santo:Ich habe zwei Optionen: Entweder ich bin positiv, was mir auch hilft, schneller wieder fit zu werden. Oder ich bin negativ, aber das bringt auch der Mannschaft nichts. Deswegen entscheide ich mich für die erste Option.

Woran konnten Sie sich in den vergangenen Wochen erfreuen?

Di Santo:Es gibt da nichts Besonderes, was mich glücklich machen muss. Ich bin eher derjenige, der versucht, ein bisschen Spaß zu machen und eine lustige Art rüberzubringen (lacht und haut Garcia aufs Knie). Natürlich freue ich mich aber auch, wenn ich mit meiner Familie spreche – oder andere mal Späße mit mir machen.

Herr Garcia, kommen Sie da ins Spiel?

Santiago Garcia:Ja. Meine Freunde und ich haben versucht, Franco zum Lachen zu bringen. Wir sind zwar nicht ganz so lustig wie er, aber uns war wichtig, dass er nicht ständig an die Verletzung denkt und auch mal abschalten kann. Ich hoffe, dass wir das geschafft haben. Wir haben unser Bestes gegeben – und oft ein Lächeln von ihm bekommen.

Ihr Start in Bremen ist dagegen durchaus gelungen. Wie zufrieden sind Sie selbst?

Garcia:Natürlich sehr. Man wünscht sich immer, dass es bei einem neuen Verein gleich gut läuft – und das ist bei mir so. Deswegen bin ich ganz entspannt und ganz ruhig. So möchte ich weitermachen.

Mit den Gelben Karten aber wohl nicht. In sieben Spielen haben Sie schon fünf bekommen, sind gegen Mainz gesperrt. Müssen Sie Ihr Spiel umstellen?

Garcia:Nein. Ich werde meine Art zu spielen nicht ändern. Wenn man sich die Gelben Karten anguckt, war fast keine dabei, weil ich zu hart gespielt habe. Ich habe mit den Fans gefeiert und vielleicht hier und da zu viel protestiert – da muss ich mich künftig wohl ein bisschen zurückhalten.

Wer von Ihnen beiden hat mehr Temperament?

Di Santo und Garcia diskutieren, dann sagt Garcia:Ich denke, ich bin etwas impulsiver. Und Franco ist, zumindest auf dem Platz, ein bisschen ruhiger.

Was denken Sie, wenn Sie Garcia nach Toren jubeln sehen?

Di Santo:Na, ich freue mich mit ihm. Ist doch klar. Ich bin sehr glücklich, dass es bei ihm so gut läuft. Bei uns Beiden ist das ein bisschen so wie bei einer Waage, die nicht im Gleichgewicht ist. Bei mir lief es nicht so gut, bei ihm perfekt. Wir unterstützen uns immer gegenseitig. ,Santi‘ soll ruhig weiter so feiern, sich austoben. Ich sehe das nur positiv. Ich genieße es sehr, wenn ich sehe, wie er Spaß hat. Hoffentlich habe ich das auch bald.

Garcia ist schon nach kurzer Zeit Publikumsliebling in Bremen. Sind Sie ein bisschen neidisch?

Di Santo (mit gespielt empörtem Gesichtsausdruck):Überhaupt nicht! Da kann man nicht von Neid sprechen, denn: Wenn es bei ,Santi‘ gut läuft, läuft es auch bei der Mannschaft. Ich hoffe einfach, wenn ich spiele, dass es bei mir genauso gut klappt, dass ich die Leute genauso mitreißen kann wie er.

Wie haben Sie sich in Bremen inzwischen eingelebt?

Garcia:Ich fühle mich sehr wohl. Meine Freundin Carla und ich haben unser Haus schon so hergerichtet, wie wir es gerne haben. In Kürze kommt mein Bruder mich besuchen und in zwei, drei Monaten auch mein Vater. Alles ist gut.

Bei Zwillingsbrüdern ist die Beziehung häufig sehr eng – bei Manuel und Ihnen auch?

Garcia:Das kann man sagen. Er spielt ja in Argentinien und hat es, seit ich in Europa bin, noch nicht geschafft, mich zu besuchen. Er kommt noch mit einem Freund, wir werden hier in Bremen zusammen Weihnachten feiern. Darauf freue ich mich sehr.

Wie oft kommunizieren Sie mit Ihrem Bruder in Südamerika?

Garcia:Wir telefonieren täglich, meistens über Skype.

Sie sind alleine nach Bremen gekommen, Herr Di Santo. Wie wohl fühlen Sie sich im neuen Land und der neuen Stadt?

Di Santo:Total. Ich bin noch immer dabei, viele neue Dinge kennenzulernen. Ich bin sehr glücklich und zufrieden, dass ich hier bin.

Wie oft sehen Sie Beide sich abseits des Trainingsgeländes?

Di Santo:Wir wohnen nah beieinander, treffen uns öfter mal zum Essen. Das tut gut, weil wir die einzigen Argentinier und unsere Familien sehr weit weg sind. Als ,Santis‘ Familie mal da war, habe ich gleich dazugehört. Da war das einfach ein Garcia mehr. So etwas ist sehr wichtig für mich.

Sie sind in den paar Monaten schon beste Freunde geworden?

Di Santo:Ja, klar! Mit wem soll ich denn sonst sprechen (lacht)? Wir verstehen uns einfach sehr gut und sind froh, den anderen zu haben. · mr

Im zweiten Teil des Interviews lesen Sie am Montag, wovon die beiden Werder-Argentinier träumen, ob sie sich WM-Chancen ausrechnen, ob sie Steak mögen – und wer fleißiger ist beim Deutschlernen.

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