Am Sandsack holt sich der neue Werder-Keeper die Kraft für Glanzparaden

„Arschloch oder Held“: Wiedwald boxt sich durch

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Felix Wiedwald bläst die Wangen auf: Mit einer 10-Kilo-Scheibe zwischen den Fäusten wehrt der Hobby-Boxer die Bälle ab.

Zell Am Ziller - Wer Felix Wiedwald von früher kennt, dem ist es sofort aufgefallen: Der Keeper hat muskulär enorm zugelegt, vor allem am Oberkörper. Das macht Eindruck – genauso wie die Ursache für den Muskelaufbau. Der Rückkehrer zum SV Werder geht nicht in die Muckibude, sondern zum Boxen. „Das hat mich ziemlich weit nach vorne gebracht“, sagt der 25-Jährigen im Trainingslager im Zillertal und lächelt zufrieden.

Es war im November vergangenen Jahres. Als Ersatzkeeper von Eintracht Frankfurt fühlte sich Wiedwald unterfordert. Er kam aufs Boxen, weil dort „sehr intensiv und anspruchsvoll gearbeitet wird“. Bei einem „ganz bescheidenen Boxstall“ in Frankfurt wurde der Keeper Dauergast, drosch auch auf Sandsäcke ein. Nur in den Ring wagte er sich nicht: „Das war mir zu gefährlich.“

Dabei ist er alles andere als ein Angsthase. Darf er als Torwart auch nicht sein. Denn in seinem Job droht in jeder Sekunde Gefahr. „Man kann nicht fehlerfrei spielen. Auch ich werde Fehler machen“, sagt Wiedwald und gibt eine ziemlich drastische Stellenbeschreibung ab: „Torwart ist eine unangenehme Position – entweder bist du das Arschloch oder der Held.“

Deshalb sei es umso wichtiger, Fehler schnell auszublenden und nach der Arbeit wieder runterzufahren. „Privat bin ich mehr so ein ruhiger Typ, aber wenn ich in die Kabine komme, dann switche ich um und bin ein anderer Mensch. Wenn ich dann wieder zu Hause bin, kann ich komplett abschalten“, erzählt Wiedwald.

Allerdings: Mit dem Abschalten wird das in Bremen etwas schwieriger als in Frankfurt. Denn hier und im benachbarten Achim ist er groß geworden, hier leben seine Familie und seine Freunde. „Alles Werder-Fans“, betont Wiedwald: „Der Druck ist natürlich jetzt höher. Wenn ich schlecht spiele, bekomme ich wohl auch den Unmut der Freunde zu spüren.“ Wiedwald grinst. Natürlich ist das nicht ganz ernst gemeint. Würde ihn das wirklich beunruhigen, wäre er nach vier Jahren nicht zurückgekommen. „Zu Hause fühlt man sich am wohlsten. Ich kenne alles in Bremen – jeden Stein. Ich muss mich hier nicht neu entdecken“, meint der 25-Jährige.

Er trägt auch wieder seine alte Nummer 42. „Ich wollte eigentlich die Zehn haben, die habe ich aber leider nicht bekommen“, scherzt der Keeper, der sich von der 42 auch nicht trennen will, wenn er dauerhaft Werders Nummer eins wird. Und das ist das große Ziel. Doch Wiedwald will bei dem Thema noch nicht zu forsch auftreten, denn Trainer Viktor Skripnik spricht offiziell von einem Zweikampf zwischen Wiedwald und Raphael Wolf, der in der Rückrunde als Stammkeeper von Koen Casteels (jetzt Wolfsburg) abgelöst worden war. Doch noch ist es ein Duell nur auf dem Papier, denn nach seiner Hüftoperation trainiert Wolf überwiegend individuell.

Doch davon will sich Wiedwald nicht beeinflussen lassen. Natürlich zieht er sein Programm voll durch – und das mit einem alten Bekannten: Christian Vander war einst sein Teamkollege, jetzt ist er sein Torwarttrainer. „Natürlich flachst man mehr, wenn man sich gut kennt“, gesteht Wiedwald, hebt aber auch hervor: „Wir machen andere Sachen als in Frankfurt. Christian wird noch einiges aus mir herausholen.“

Und natürlich wird auch weiter geboxt, kündigt Wiedwald an: „Ich habe schon mit meinem Boxtrainer aus Frankfurt gesprochen. Er wird ab und zu nach Bremen kommen.“

kni

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