Werder und der HSV halten sich mit Kampfansagen zurück / „Oben festspielen“

Die Ruhe vor dem Derby

Coach Thomas Schaaf will sich mit Werder oben festsetzen und heute Abend gegen den HSV „das Besondere herauskitzeln“.

Bremen - Die Vorfreude ist riesig. „Wir reden schon seit zwei Wochen darüber – und jetzt ist es endlich soweit“, sagt Werders Mittelfeldmann Marko Marin und meint das Nordderby gegen den Hamburger SV heute Abend (18.30 Uhr) im mit 41 600 Zuschauern pickepackevollen Weserstadion.

Es ist das 175. insgesamt, das 95. in der Bundesliga. Kein Sieg ist schöner als der gegen den Erzrivalen – das gilt für beide Mannschaften. Und dennoch: Vollmundige Kampfansagen, wie es sie schon häufig vor diesem brisanten Duell gab, sind diesmal an der Weser und an der Elbe fast gar nicht zu hören.

Werder-Keeper Tim Wiese heizte die Stimmung via „Bild“ zumindest ein wenig an: „Ich habe Bock auf den HSV – für den gibt es hier nichts zu holen.“ Der Konter aus der Hansestadt folgte prompt: „Ich kenne Tim schon länger und weiß, dass er eine lockere Zunge hat. Ich hoffe, wir können ihm den Mund stopfen. Nach solchen Aussagen hat man noch mehr das Bedürfnis, ihm ein paar einzuschenken“, sagte HSV-Kapitän Heiko Westermann.

Mehr verbales Feuer gab’s jedoch nicht – wohl auch wegen des extrem frühen Derby-Termins. Was aber nicht heißt, dass die beiden Rivalen nicht klare Ziele verfolgen. Nur eben jeder für sich. Der HSV will lieber heute als morgen weg vom Tabellenende und nach elf erfolglosen Versuchen endlich mal wieder gewinnen. „Wir müssen uns nicht verstecken, wir können mehr gewinnen als verlieren“, meint Hamburgs Stürmer Mladen Petric.

Und Werders Plan ist es, nach bislang drei Siegen aus vier Spielen nachzulegen und oben dran zu bleiben. „Wir können weiter nach vorne rücken und uns festigen. Es geht darum, einen Lauf zu kriegen, noch stärker zu werden, noch mehr Selbstvertrauen zu bekommen. Wir wollen das Besondere herauskitzeln“, sagt Trainer Thomas Schaaf. „Wenn man oben steht, spielt es sich natürlich leichter. Jeder sieht die Möglichkeiten, die wir jetzt haben“, sagt Kapitän Clemens Fritz. Und Marin fügt an: „Werder steht normalerweise immer oben, hoffentlich können wir uns da festspielen.“

Zu viel Euphorie gönnen sich die Bremer trotz des starken Starts allerdings nicht. „Wir haben doch erst den fünften Spieltag. Da sollten wir uns nicht auf irgendwelche Tabellenkonstellationen einlassen. Wir sollten selbstbewusst in dieses besondere Spiel gehen, ja. Aber wir sollten nicht schon anfangen zu träumen“, rät Sebastian Prödl, der heute mit Andreas Wolf die Innenverteidigung bilden wird.

Die Zurückhaltung bei Werder ist auch noch ein wenig dem letzten Aufein-andertreffen geschuldet. Am 19. Februar gab’s in Hamburg ein sattes 0:4. „Das“, erinnert sich Schaaf, „hat sehr, sehr wehgetan“. Die Hausherren haben deshalb heute „noch ‘was gutzumachen“, betont Marin.

Dass der HSV als schwer angeschlagenes Schlusslicht leichte Beute ist, glaubt niemand bei Werder. „Ich mag solche Prestigeduelle, aber wir müssen aufpassen. Der HSV wird alles reinwerfen“, warnt Wolf. „Sie haben gute und gefährliche Spieler wie Petric“, weiß Marin. Und Schaaf ergänzt: „Für den HSV ist es die Chance, aus einer schlechten Position heraus viel Gutes zu erreichen.“

Wie alle anderen freut sich auch der Werder-Coach aufs Nordduell: „Es setzt Emotionen frei, löst Begeisterung aus. In den letzten Jahren haben wir tolle Derbys erlebt, fantastische Spiele – mit allem, was den Fußball so schön macht.“ So soll’s heute Abend wieder sein. · mr

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