Werder taumelt der Abstiegszone entgegen

Die Rückkehr der Krisenstimmung

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Zerknirschter Abgang nach dem sportlichen Offenbarungseid. Trainer Robin Dutt (li.) und Sportchef Thomas Eichin (re.) fühlten sich nach dem 0:3 gegen Eintracht Frankfurt ernüchtert und angezählt. ·

Bremen - Eine Aufbruchstimmung – das war es, was beide wollten. Robin Dutt und Thomas Eichin hatten keine Lust, in einer Atmosphäre des Trübsinns zu arbeiten. Und sie hatten sich wirklich alle Mühe gegeben, das in fußballerische Depressionen versunkene Umfeld von Werder Bremen wieder zu einer positiv denkenden Gesellschaft zu machen.

Anfängliche Erfolge, getragen von zwei Siegen zum Saisonauftakt, sind längst wieder verpufft. Nach der 0:3 (0:2)-Heimniederlage gegen Eintracht Frankfurt zeigten erstmals auch Trainer Dutt und Sportchef Eichin Anzeichen gedanklicher Tristesse. Aufbruchstimmung? Ach was! Nach drei Niederlagen in Folge herrscht wieder Krisenstimmung an der Weser.

„Angezählt“ fühlte sich Eichin nach der Partie, die leistungsmäßig eine weitere Verschlechterung dargestellt hatte. Und die deshalb so ernüchternd auf alle wirkte, weil sie das Ergebnis einer zweiwöchigen Trainingsarbeit nach der 1:4-Niederlage in Mönchengladbach war. Wer Verbesserungen erwartet hatte, wurde brutal enttäuscht. Und Eichin wirkte nach der dritten Pleite in Folge desillusioniert, als er festhielt: „Wir haben immer gesagt, wir wollen eine Entwicklung sehen. Die haben wir heute nicht erkannt, darüber müssen wir nicht diskutieren.“ Das Eingeständnis des Stillstands.

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Dass Werder unter Dutt noch keine Fortschritte gemacht hat, lässt sich auch an der Tabelle ablesen. Die Bremer sind 14. – wie am Ende der vergangenen Saison. Die Bremer kassieren wieder viele Gegentore – sieben waren es in den vergangenen zwei Partien. Alles zusammen gemixt, ergibt eine klare Erkenntnis: Das ist jetzt Abstiegskampf. Verteidiger Assani Lukimya: „Wir werden bis zum Schluss eine ganz schwere Zeit haben.“ Auch Aaron Hunt hat den Glauben an eine Saison ohne Angst und Zittern verloren: „Wir gehören zu den Mannschaften, die da unten drin stehen.“

Das ist freilich keine neue Erkenntnis für Robin Dutt oder Thomas Eichin. Sie haben von Beginn an gemahnt, dass es eine sehr schwere Spielzeit wird für Werder. Wie schwer „sehr schwer“ ist, wissen sie aber auch erst seit Samstag. Zwei Tore von Frankfurts neuem Sturm-Juwel Vaclav Kadlec (14./34.) sowie ein Eigentor von Sebastian Prödl (77.) besiegelten eine Niederlage, die im Ergebnis nur grob widerspiegelt, was sich auf dem Platz zugetragen hatte. Werder, ab Minute 26 nach dem Platzverweis für Franco Di Santo (siehe Bericht unten) in Unterzahl, hatte lediglich 32 Prozent Ballbesitz. Werder gewann nur 41 Prozent der Zweikämpfe. Werder brachte nur 163 Pässe zum Mann – bei Frankfurt waren es hingegen 491. Kurz: Es war ein Klassenunterschied erkennbar zwischen den Mannschaften, die in der Tabelle (noch) Nachbarn sind.

Die Bilder vom Spiel

Werder verliert gegen Frankfurt 0:3

Aber die Wege werden sich trennen. Frankfurt strebt nach oben, für Bremen zeigt der Trend klar nach unten. Erschreckend ist vor allem, dass das Team unter Dutt nicht zur Sicherheit und Kontinuität auf dem Platz findet. In allen Mannschaftsbereichen herrscht akuter Abstimmungsmangel, ein geordneter Spielaufbau ist nicht in Sicht. Alles eine Folge immer neuer Aufstellungen? Der Trainer überrascht an jedem Spieltag mit einer neuen Variante. Teils ist das gewollt, weil Dutt ein Freund taktischer Tricksereien ist. Teils sind Wechsel erzwungen. „Es gab bisher nicht ein Spiel, in dem wir nicht auf einen Verletzten verzichten mussten“, so Dutt. Zudem „kamen Neuzugänge später zu uns. Denen kann ich nicht sagen: Bis Weihnachten spielst du nicht, weil ich das Team nicht verändern will.“

Werder steckt eben im Entwicklungsprozess. Dass der zwei bis drei Jahre dauern kann, traute sich Thomas Eichin am Samstag kaum zu sagen. Denn auch er weiß: „Der Trainer muss jetzt eine Formation finden, der er vertraut. Da ist jedes Spiel eine Erkenntnis.“ Nachsatz: „Und wenn es – wie heute – noch so scheiße war.“ · csa/ck

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