Rot-grüne Koalition empört sich

„Klares Foulspiel des DFB“

Bremen - Länderspiel-Bann statt Weltmeister-Party: Der Deutsche Fußball-Bund entzieht Bremen den Auftritt der WM-Helden gegen Gibraltar und will die Hansestadt bei Länderspielen vorerst meiden.

Es ist die Reaktion auf den Bremer Gesetzesvorstoß zur Kostenbeteiligung der Liga an Polizeieinsätzen. Die rot-grüne Regierungskoalition empört sich über das Vorgehen des DFB, die Opposition wähnt die Regierenden im Abseits.

Jens Böhrnsen, Bürgermeister: „Das ist kein Umgang mit einem gewählten Parlament und einer Landesregierung. Wir weisen ein solches Verfahren aufs Schärfste zurück. Argumente auszutauschen, vielleicht auch mit heftigen Tönen, und sich am Ende einem möglichen Urteil zu stellen, das ist die richtige Art. Keine Art ist es dagegen, demokratisch legitimierte Regierungen unter Druck zu setzen.“

Björn Tschöpe, Vorsitzender der SPD-Bürgerschaftsfraktion: „Die Entscheidung des DFB wirft ein Schlaglicht auf das Verhältnis von mächtigen Unternehmen und Verbänden zum demokratischen Staat. Der Versuch, sich mit wirtschaftlicher Macht Gefolgschaft zu organisieren, wird in diesem Fall erfolglos bleiben. Erpressen lassen werden wir uns nicht.“

Thomas Röwekamp, CDU-Fraktionsvorsitzender: „Bürgermeister Jens Böhrnsen muss das Verfahren rund um die Kostenbeteiligung an Polizeieinsätzen durch die DFL sofort stoppen. Nur so lässt sich der bereits entstandene, enorme Imageschaden für unsere Stadt verringern.“

Wilhelm Hinners, innenpolitischer Sprecher der Bremer CDU: „Rot-Grün und Innensenator Mäurer haben mit ihrem nicht durchdachten Vorstoß ein Eigentor geschossen. Über seine ‚David gegen Goliath’-Inszenierung hinaus scheint der Innensenator vergessen zu haben, dass die Stadt 50 Prozent der Anteile an der Bremer Weser-Stadion GmbH hält. Nach dem Umbau des Stadions wäre die Gesellschaft dringend auf zusätzliche Einnahmen durch Länderspiele angewiesen. Diese fallen nun weg.“

Martin Günthner, SPD, Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen: „Beim DFB mag ja mancher der Auffassung sein, dass König Fußball die Welt regiert, für Bremen gilt dies nicht. Da regiert ein demokratisch legitimierter Senat. Hier hat der DFB ein klares Foulspiel begangen.“ Außerdem an die Adresse von Trainer Robin Dutt sowie die Geschäftsführer Klaus-Dieter Fischer und Klaus Filbry: „Trainer, die mit Wahlempfehlungen für prima Klickzahlen im Internet sorgen, Vereinspräsidenten, die Parteibücher hinwerfen. Vorstandsvorsitzende, die dem DFB nach dem Munde reden: All das wirkt alles andere als durchdacht und souverän.“

Matthias Güldner, Fraktionsvorsitzender der Grünen in der Bremischen Bürgerschaft: „Ich hätte nicht mit einer so schlichten Art der Verbandspolitik gerechnet. Womöglich ist das rechtliche Eis, auf dem sich DFL und DFB bewegen, viel dünner als bisher angedeutet.“

Rubriklistenbild: © nordphoto

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