Tim Wiese dementiert die eigenen Aussagen und bestätigt Kontakt zu 1899-Coach Markus Babbel

Rolle rückwärts Richtung Hoffenheim

Tim Wiese wird wohl in Hoffenheim landen – unterschrieben habe er dort allerdings noch nicht, betonte der Werder-Torwart.

Bremen - Klar ist nur, dass noch nichts klar ist. Der Wechsel-Wirwarr um Tim Wiese, der Anfang April seinen Abschied aus Bremen angekündigt hatte, nimmt bizarre Formen an. Der Noch-Werder-Keeper bestritt, bei Bundesliga-Konkurrent 1899 Hoffenheim oder woanders einen Vertrag unterschrieben zu haben und widersprach sich damit selbst.

Er hat aber Kontakt nach Hoffenheim („Das ist doch kein schlechter Verein“) – und wahrscheinlich gibt es bald auch Vollzug.

Denn Markus Babbel will den Nationalkeeper unbedingt. Im Trainingszentrum in Zuzenhausen sagte Hoffenheims Trainer gestern Nachmittag: „Es ist noch nichts perfekt, aber wenn so ein Spieler auf dem Markt ist, dann müssen alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, um ihn zu kriegen. Wenn man die deutsche Nummer zwei bekommen kann, ist es meine Verantwortung, alles dafür zu tun, um das zu realisieren.“

Noch habe Wiese von Hoffenheim aber „nicht mal ein Angebot“, versicherte Babbel: „Er weiß von unserem Interesse. Wir werden uns in Kürze mit ihm treffen und austauschen. Dann hoffen wir, dass er zu uns kommt, weil ich ihn für einen hervorragenden Torwart halte.“

Tim Wiese: Seine Jahre bei Werder Bremen

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Bereits einige Stunden zuvor, nach dem Vormittagstraining, hatte Wiese Hoffenheim als potenziellen neuen Arbeitgeber bestätigt: „Ich weiß, dass Markus Babbel Interesse hat. Ich werde mir alles anhören.“ Der 30-Jährige dementierte allerdings ebenfalls eine Meldung der „Rhein-Neckar-Zeitung“, wonach der Deal bereits abgewickelt sei: „Ich habe weiterhin Zeit. Es ist noch keine Entscheidung gefallen, alles ist offen. Ich habe Hoffenheim nichts zugesagt und dort nicht unterschrieben. Auch woanders nicht, ich bin mit keinem Verein fix.“

Aha! Noch vor knapp zwei Wochen hatte Wiese in der „Sport Bild“ allerdings verkündet, sich bereits verbindlich an einen neuen Club gebunden zu haben. Gestern nun versuchte er, sich auf plumpe Art herauszuwinden. „Das habe ich doch nur im Flachs gesagt, weil mir die ganze Fragerei auf die Nerven ging.“ Ein seltsames, höchst unglückliches Vorgehen.

Training wieder mit Hartherz aber ohne Pizarro

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Auch seine anderen Aussagen – etwa, dass er künftig wieder in der Champions League und um Titel spielen will – fliegen ihm bei einem Wechsel ins Kraichgau erst mal um die Ohren. Hoffenheim in der „Königsklasse“? Derzeit schwer vorstellbar. Und ein Kandidat für die deutsche Meisterschaft? Eher nicht. Kurz vor dem Ende der aktuellen Saison ist die TSG Neunter, einen Punkt und einen Platz schlechter als Werder – und nur noch mit minimalen Chancen auf die Qualifikation für die Europa League. Babbels Ziele sind dennoch sehr ehrgeizig: „Wir wollen mit Hoffenheim international spielen. Mein Ziel ist es, irgendwann in die Champions League zu kommen.“

Doch auch ohne zusätzliche Einnahmen aus einem europäischen Wettbewerb wäre eine Finanzierung von Wiese, der bei Werder rund drei Millionen Euro pro Jahr einstreicht, kein Problem. Denn Hoffenheim hat seinen noch vor wenigen Wochen eingeschlagenen Sparkurs schon wieder verlassen. Mäzen Dietmar Hopp, übrigens ein guter Freund von Wiese-Berater Roger Wittmann, verlängerte gerade die Verträge der Großverdiener Sejad Salihovic und Tobias Weis bis 2016. Zudem wurde der zwar ablösefreie, aber auf der Lohnliste weit oben angesiedelte Franzose Mathieu Delpierre aus Stuttgart verpflichtet.

Nicht ganz auszuschließen ist allerdings, dass es Wiese am Ende doch noch woanders hinzieht. Etwa zum AC Mailand oder gar zum VfL Wolfsburg, wo Diego Benaglio seinen 2013 auslaufenden Vertrag noch nicht verlängert hat – und Trainer Felix Magath für überraschende Transfers bekannt ist. Wiese-Berater Wittmann sagte gestern dem Sport-Informationsdienst: „Tim hat eine grobe Vorauswahl getroffen. In den kommenden Tagen wird eine Entscheidung fallen.“ Es scheint also noch andere Interessenten zu geben – oder die Wiese-Partei will sich damit nur in eine gute Verhandlungsposition für einen Poker mit Hoffenheim bringen.

Dessen Nummer eins, Tom Starke, reagierte schwer frustriert auf seine bevorstehende Ausbootung trotz Vertrags bis 2013: „Jeder Mensch hat gern Unterstützung und Vertrauen, es ist leider nicht immer möglich. Das Geschäft ist hart“, sagte der 31-Jährige. Gerüchten, wonach er im Gegenzug nach Bremen wechselt, erteilte Starke im „kicker“ bereits eine klare Absage: „Ich habe keinen Kontakt zu Werder.“ · mr/csa

Gesagt ist gesagt

„Also davon habe ich wirklich gar nichts gehört.“

Tim Wiese über ein angebliches Hoffenheimer Interesse, 3. April, Kreiszeitung.

„Davon kann man ausgehen.“

Wiese auf die Frage, ob er schon einen neuen Club hat,

5. April, Kreiszeitung.

„Ich gehe davon aus, dass ich dort wieder spielen werde.“

Wiese auf die Frage nach einer Rückkehr in die Champions League, 7. April, Kreiszeitung.

„Ich habe dort langfristig unterschrieben. Es ist ein Club, der dauerhaft um Titel mitspielen wird und finanziell nicht am Hungertuch nagt. In meiner Entscheidung ging es mir vor allem um die Perspektive des Vereins. Unten rumkrebsen, das wollte ich nicht mehr.“

Wiese über seinen neuen Club, 11. April, Interview in der „Sport Bild“.

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