Nach Bremens 1:6-Fiasko:

Rolff knöpft sich die Angsthasen vor

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Freie Bahn im Freistaat: Werder schaut nur zu, wie Arjen Robben – patrouilliert von Franck Ribéry und Javier Martinez – das 1:0 erzielt.

Bremen - Der Chefcoach hatte es nicht gemacht, der neue Sportchef auch nicht. Keiner der Werder-Offiziellen haute am Samstag nach dem blamablen 1:6-Fiasko beim FC Bayern in der Allianz Arena auf den Tisch.

Sowohl Thomas Schaaf als auch Thomas Eichin gingen trotz des desolaten Auftritts recht milde mit den Angsthasen von München um. Dafür redete gestern Morgen ein anderer Klartext: Wolfgang Rolff. Der Co-Trainer hatte für Schaaf das Training geleitet, der Chef war „geschäftlich unterwegs“.

Wolfgang Rolff ist enttäuscht davon, wie Werder in München aufgetreten ist.

„Man muss dem Gegner auch mal weh tun. Man muss ihn attackieren. Man muss ihn stören, damit er nicht frei spielen kann“, ereiferte sich Rolff – und der Ex-Profi hatte so gar kein Verständnis für das ängstliche Auftreten einiger Spieler: „Wovor habe ich Angst? Angst gibt es, wenn etwas mit der Familie ist oder Bomben fliegen. Das hier ist doch mein Job. Das macht doch Spaß, wenn ich auf dem Feld stehen kann und mich mit Spielern wie Robben oder Ribéry messen darf.“

Doch von Freude war in den Gesichtern der Gäste nichts zu sehen gewesen. Krampfhaft versuchten sie von Beginn an, ihr Tor zu verteidigen. Diese Defensivtaktik war zwar vom Trainerteam vorgegeben, „aber wir haben den Ball in der Vorwärtsbewegung überhaupt nicht behauptet“, monierte Rolff: „Da waren wir nicht aktiv genug.“

So durften sich die Bayern in aller Ruhe einspielen. Zur Freude von Trainer Jupp Heynckes, der seine Startelf im Vergleich zum Champions-League-Achtelfinale am Dienstag gegen den FC Arsenal auf gleich sechs Positionen verändert hatte. Als die Kugel dann immer besser lief und Werder hinten einmal nicht aufpasste, schlugen die Gastgeber sofort durch Arjen Robben (25.) zu. Javier Martinez erhöhte prompt auf 2:0 (29.). Beide Tore einte, dass nicht nur die Torschützen, sondern daneben noch ein, zwei weitere Münchner völlig frei vor Werder-Keeper Sebastian Mielitz aufgetaucht waren. Ein Fehler im System? „Nein“, entgegnete Rolff: „Wir können auch elf Spieler in den Strafraum stellen. Wenn ich nicht an den Mann und nicht in den Zweikampf gehe, dann wird das nichts. Das war ein naives Verhalten von uns.“

Das hatte am Samstag zwar schon Schaaf angemerkt, als Ursache aber neben dem frühen Platzverweis von Sebastian Prödl (44.) auch die fehlende Erfahrung angeführt: „Das ist das Problem mit jungen Mannschaften, das 90 Minuten lang konzentriert hinzubekommen.“ Also alles eine Folge des Umbruchs? Rolffs Antwort hatte schon etwas von einem Alibi-Entzug: „Die Spieler sind hier auf dem Platz, verdienen hier ihr Geld, das ist ihr Job, die haben hier rauf- und runterzumaschieren – und nichts anderes.“

Rolff griff sich dabei auch beispielhaft einzelne Spieler heraus: „Nehmen wir Lukimya. Ich habe keinen Zweikampf von ihm gesehen, wo ich sage, das war so ein Zeichen für die ganze Mannschaft. Für Prödl gilt das auch. Der kriegt dann auch noch Rot.“

In Überzahl machten die Bayern durch die Treffer von Theodor Gebre Selassie (49./Eigentor) und Mario Gomez (51.) schnell kurzen Prozess – und danach erst einmal Pause. Die nutzte Kevin De Bruyne zum Ehrentreffer (58.). Dann bekamen die Bayern aber wieder Lust und nahmen die Gäste endgültig auseinander. Ribéry (86.) und Gomez (89.) sorgten für einen fast schon historischen Bayern-Heimsieg gegen Werder. Nur 1980 (7:0) und 1969 (6:0) hatten die Münchner deutlicher triumphiert. „Die Spieler haben sich am Ende aufgegeben“, ärgerte sich Rolff: „Das darf nicht passieren.“

Wehmütig blickte der 53-Jährige zurück: „Das war nicht das, was Werder vor zwei, drei Jahren war.“ Einst hätten die Gegner Angst gehabt, wenn die Bremer kamen. Die Zeiten seien zwar vorbei, so Rolff, „aber dann muss man jetzt anders auftreten und sich diesen Respekt wieder erarbeiten. Das gelingt am besten in Zweikämpfen.“

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Nicht nur deshalb wird das Duell Mann gegen Mann in dieser Woche besonders viel geübt. Denn am Samstag kommt Augsburg ins Weserstadion. Die Schwaben befinden sich mitten in der Aufholjagd, haben schon den Relegationsplatz erreicht, und „sie lieben Zweikämpfe“, weiß Rolff. Darauf sollen die Bremer bestens vorbereitet sein. Trotzdem haben sie heute trainingsfrei. Eigentlich ein Widerspruch. „Nein“, meint der Co-Trainer: „Es ist auch mal ganz gut, wenn man auseinander geht und das sacken lässt.“ · kni

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