Robin Dutts Aus in Bremen

Mission gescheitert

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Robin Dutt von Werder Bremen freigestellt

Bremen – Von Michael Baltes. Robin Dutt war angetreten, um Werder Bremen weiterzuentwickeln. Gelungen ist ihm das nur in Ansätzen. Nun ist seine Mission an der Weser vorzeitig beendet. Werder hat angesichts der aktuellen sportlichen Lage die Reißleine gezogen. Ob damit die Talfahrt der Bremer in der Fußball-Bundesliga endet, ist fraglich. Dennoch war die Trennung zu diesem Zeitpunkt richtig. Jetzt soll es der bisherige U23-Coach Viktor Skripnik richten.

Dutt tobte, gestikulierte wild mit seinen Händen und gab Anweisungen. Fast über die gesamte Dauer der Partie gegen den 1. FC Köln versuchte er von der Seitenlinie aus auf seine Spieler einzuwirken. Vergeblich. Kurz vor Schluss zog sich der 49-Jährige auf seine Bank zurück. In sich gekehrt harrte er dem Schlusspfiff entgegen. Wohl wissend, was das neunte sieglose Liga-Spiel in Folge für Konsequenzen für ihn haben würde: Sein Aus als Trainer des SV Werder Bremen. Zwar sagte Dutt im Anschluss an die 0:1-Niederlage, dass er davon ausgehe, auch gegen Chemnitz auf der Bank zu sitzen – mehr als leere Worthülsen waren das aber nicht.

Lange hatten die Werder-Verantwortlichen an Dutt festgehalten. Fast gebetsmühlenartig hatte der Coach Woche für Woche Rückendeckung von Sportchef Thomas Eichin oder aus dem Aufsichtsrat der Bremer bekommen. Selbst nach dem blamablen 0:6 in München durfte der ehemalige DFB-Sportdirektor weitermachen. Nun ist Schluss. Am Samstag wurde die Trennung offiziell verkündet: „Nach den letzten Ergebnissen sind wir der Überzeugung, dass die Mannschaft einen neuen Impuls braucht, um aus der gegenwärtigen Lage herauszukommen",wird Werders Sportchef Thomas Eichin auf der Clubhomepage zitiert.

Ein Schritt, der angesichts des letzten Tabellenplatzes und nur vier Punkten aus neun Partien folgerichtig ist - mit dem sich die Bremer aber schwer getan haben. Der Glaube, dass mit Dutt die Wende geschafft werden kann, muss bis zum Köln-Spiel vorhanden gewesen sein. Anders lässt sich das Festhalten am Trainer selbst nach dem blutleeren Auftritt der Grün-Weißen bei den Bayern kaum erklären. Doch irgendwann ist ein Punkt erreicht, an dem Vertrauen und Glaube allein nicht mehr ausreichen und einzig das nackte Ergebnis zählt. Bleibt der Erfolg aus, so wie in diesem Fall gegen Köln, muss etwas passieren.

Im Schnitt nur ein Punkt pro Spiel unter Dutt

Die Krise braucht ein Gesicht, einen Schuldigen, mit dessen Abgang ein Neuanfang gestartet werden kann. Und Werder braucht einen Neuanfang. Nicht irgendwann: Jetzt. Das Pokal-Spiel am Dienstag in Chemnitz ist zu wichtig - sportlich, aber auch aus wirtschaftlicher Sicht - als dass Dutt eine weitere Chance hätte gewährt werden können. Zumal ein Weiterkommen im Pokal einen positiven Schub für den Abstiegskampf in der Liga verspricht. Dutts Mission, Werder weiterzuentwickeln, ist damit nach etwas mehr als einem Jahr gescheitert. Auch wenn die aktuelle Krise nicht allein an dem 49-Jährigen festgemacht werden kann.

Dutt trifft zweifelsohne eine Mitschuld – schließlich ist er für Vorbereitung, Aufstellung und taktische Ausrichtung des Teams zuständig gewesen. Zuletzt wirkte es gar, als überfordere Dutt seine Spieler mit seinen ständig wechselnden taktischen Konzepten. Die zündende Idee blieb aus. Auch hat er es nicht geschafft, die eklatanten Abwehrprobleme der Bremer in den Griff zu bekommen. Allerdings darf nicht außer Acht gelassen werden, unter welchen Bedingungen der Coach die Mannschaft weiterentwickeln sollte.

Dem Bremer Kader fehlt es an der Qualität, um sorgenfrei durch die Bundesliga zu spazieren. Aber darüber zu diskutieren, wie groß Dutts Anteil an der Misere letztlich wirklich ist, ist müßig und macht wenig Sinn. Es sind die Ergebnisse, an denen ein Trainer gemessen wird – und auch gemessen werden muss. Und die hat Werder unter Dutt nicht geliefert. Von seinen 43 Bundesligaspielen mit den Grün-Weißen hat er nur zehn gewonnen. Insgesamt wurden 43 Punkte geholt, was im Schnitt einem Punkt pro Spiel entspricht. Das ist zu wenig.

Skripnik muss für neuen Schwung sorgen

Nun liegt es an der Mannschaft, eine Reaktion zu zeigen. Hinter dem Trainer verstecken können sich die Spieler nicht mehr. Dutts Nachfolger, Bremens bisheriger U23-Coach Viktor Skripnik, steht indes die schwere Aufgabe bevor, innerhalb kürzester Zeit für neuen Schwung zu sorgen. In den wenigen Tagen bis zum Pokalspiel wird es dabei kaum möglich sein, große taktische Veränderungen vorzunehmen.

In erster Linie wird es bis zum Chemnitz-Spiel darum gehen, dem Team neues Selbstvertrauen zu vermitteln. In der Liga ist anschließend purer Abstiegskampf gefordert. Mit viel Kampf und Leidenschaft müssen bis zum Winter Punkte gesammelt werden, um aus dem Tabellenkeller zu kommen. Eichin ist sich sicher, dass das gelingt: „Wir sind überzeugt, dass er alles mitbringt, um der Mannschaft wieder das Selbstvertrauen und die Mittel zu geben, Spiele zu gewinnen und sich weiterzuentwickeln.“

In der Vorbereitung auf die Rückrunde hat Skripnik dann die Möglichkeit, seine Idee vom Bremer Spiel zu verfeinern – vielleicht sogar mit dem ein oder anderen Spieler mehr. Die Bereitschaft in Bremen, im Winter den Kader nachzurüsten, ist seit dem Umschwung im Aufsichtsrat der Grün-Weißen zumindest vorhanden. Eine Bereitschaft, die Dutt im Sommer vielleicht auch geholfen hätte.

Das sind Viktor Skripnik und Torsten Frings

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