„Offenes Gespräch“ mit Thomas Schaaf

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Robin Dutt

Bremen - Bei seiner ersten Pressekonferenz als neuer Werder-Trainer hat Robin Dutt (48) gestern gleich eine ziemlich breite Themenpalette abgedeckt und sich dabei auch durchaus selbstkritisch gezeigt. Dutt über . . .

seine Zeit beim DFB

Am 1. August 2012 trat Dutt sein Amt als Sportdirektor beim DFB an, zehn Monate später ist er in Bremen.

„Der DFB hat mich ein Stück weit überzeugen müssen, dass sie einen Trainer als Sportdirektor wollen. Ich habe dann die Überzeugung gehabt, dass ich das mache – wusste aber, dass es nicht so einfach wird. Der Job des Sportdirektors ist grundsätzlich hochattraktiv, man sollte bloß nicht 18 Jahre Trainer gewesen sein. Ich habe gemerkt, dass mir in meinem Alltag, meinem Leben eine elementare Facette fehlt – mit einer Mannschaft zu arbeiten, sie vorzubereiten, auf dem Platz zu stehen, Sieg und Niederlage zu erleben, im Team zu arbeiten. Als Sportdirektor sind eher strategische Tätigkeiten wichtig. Sportdirektor sollte jemand sein, der mit Leib und Seele Sportfunktionär sein möchte und keiner, in dem ein Trainer schlummert. Ich habe das total unterschätzt und gedacht, diese Sehnsucht lässt schnell nach – aber das Gegenteil war der Fall. Es wurde mit jedem Bundesliga-Spiel, das ich von der Tribüne gesehen habe, schlimmer. Vor ein paar Wochen habe ich das noch unterdrückt, jetzt bin ich sowas von klar, dass es genau der richtige Weg ist.“

die Herausforderung Werder

Nach 14 Jahren Thomas Schaaf ist mit Dutt jetzt ein neuer Mann da – und auf den kommt einiges zu.

„Thomas Schaaf zu beerben, ist an sich schon eine Herausforderung. Die Mannschaft hat, auch wenn sie noch die Kurve gekriegt hat, seit 13 Spielen kein Erfolgerlebnis gehabt – das ist eine Herausforderung. Die Abgänge sind auch nicht ganz ohne – das ist eine Herausforderung. Ich freue mich total auf die Aufgabe, ich habe aber auch großen Respekt davor. Ich hoffe, dass wir menschlich so schnell zueinander finden, dass wir uns um das Wesentliche kümmern können, dass wir auch alle zusammen anpacken. Allein schaffe ich es nicht.“

Thomas Schaaf

Beim Ex-Coach hat sich Dutt über seinen neuen Club erkundigt.

„Ich habe auch mit ihm telefoniert, es war ein außergewöhnlich offenes Gespräch. Er hat mich beglückwünscht und gesagt, dass die Aufgabe zu mir passt, dass ich einen guten Verein übernehme. Ich wollte generell über die Situation mit ihm sprechen. Es wäre fahrlässig gewesen, wenn ich nicht seine Einschätzung eingeholt hätte. Ich hoffe, das Tagesgeschäft lässt zu, dass wir mal essen gehen – und dass sich eine natürliche Situation ergibt und nichts Zwanghaftes. Er hat mir angeboten, jederzeit anzurufen. Natürlich muss ich aber meinen eigenen Weg gehen.

Der Thomas ist bei uns Kollegen sehr beliebt. Er ist ein unglaublich authentischer Typ, Werder durch und durch. Werder löst, auch dank Schaaf, sehr viel positive Stimmung in mir aus. Für mich ist es immer wichtig, dass Professionalität und Menschlichkeit eine gute Balance haben – immer dann kann ich Leistung bringen. Das hat Werder immer vorgelebt.“

die Erwartungen

Die Bremer Fans sind – sieht man von den letzten drei Jahren ab – erfolgsverwöhnt. Werder war Stammgast in der Champions League, das Anspruchsdenken entsprechend hoch.

„Ich muss da sensibel rangehen, das Umfeld und die Fans erst mal kennenlernen. Momentan habe ich den Eindruck, dass die Fans einfach mal den ersten Schritt sehen wollen, der bei ihnen eine gewisse Phantasie für die nächsten Jahre aufkommen lässt. Wir wollen einen Fußball spielen, der den Fans Spaß macht, aber auch den Spielern. Klar, dass dabei die entsprechenden Punkte herauskommen sollen. In den nächsten Monaten geht es zunächst darum, ein Wir-Gefühl zu leben, dieses ,Wir sind Werder‘ wieder zu erleben. Ich habe nicht den Eindruck, dass die Fans sofort das ganz, ganz Große erwarten. Es wäre auch kontraproduktiv, jetzt irgendwelche oberflächlichen Markierungen zu setzen. Wir werden keine hochtrabenden Ziele raushauen. Aber natürlich kenne ich den Anspruch, den Werder grundsätzlich hat.“

Bayer Leverkusen

Das erste Engagement bei einem großen Club dauert nicht mal ein Jahr. Im Sommer 2011 wurde Dutt als Nachfolger von Jupp Heynckes verpflichtet, am 1. April 2012 entlassen.

„Leverkusen war sicher nicht meine beste Performance. Es hat nicht gepasst, aber das passiert mal als Trainer. Ich habe da am Anfang ein paar Fehler gemacht, Dinge falsch eingeschätzt. Vielleicht war ich zu euphorisch und verbissen. Ich versuche, daraus zu lernen und sehe jetzt alles etwas gelassener. Es hat mich weitergebracht, auch diese Seite des Geschäfts kennenzulernen. Für mich ging es bis dahin immer nur berghoch. Nach der Erfahrung mit Leverkusen war es für mich wichtig, zu mir selbst und ein bisschen zur Ruhe zu kommen – nicht immer, wie in den 18 Jahren zuvor, so hochtourig zu laufen.“

Morgen im zweiten Teil: Dutt über Bremen, seinen Charakter, die Kaderplanung und die Aufgabenteilung mit Sportchef Thomas Eichin. 

mr/csa

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