Bayern-Stürmer im Interview

Robert Lewandowski: Pizarros Tore-Rekord knacken? Nein, danke!

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Robert Lewandowski lässt sich nicht nur beim Torabschluss immer wieder etwas Neues einfallen, sondern gerne auch mal beim anschließenden Jubel.

München - Von Andreas Werner. Bayern-Star Robert Lewandowski spricht über seinen neuen Vertrag, seine spezielle Ernährung und Werder-Stürmer Claudio Pizarro.

Gerade erst hat er die Fußball-Welt mit seinem Traumtor gegen den SC Freiburg verzückt, nun will Robert Lewandowski am Samstag auch das Weserstadion rocken. Der Superstar des FC Bayern München hat ein ganz simples Erfogsrezept: „Als Stürmer musst du immer denken: Jetzt kommt das nächste Spiel – und ich schieße ein Tor.“ Aber auch die Ernährung ist wichtig. Der 28-jährige Pole erklärt im Interview, warum er die Nachspeise vor dem Hauptgang isst. Und er verrät, dass es nicht sein Ziel ist, Werder-Stürmer Claudio Pizarro einzuholen.

Herr Lewandowski, wie ist es, gleich im ersten Spiel des Jahres das „Tor des Jahres“ geschossen zu haben?

Robert Lewandowski: (lacht) Ich freue mich eher, dass wir gewonnen haben. Das war ein sehr wichtiger Sieg. Nach vier Wochen Pause fragt man sich immer, wie es läuft.

Hätten Sie so ein Tor vor drei Jahren auch schon geschossen?

Lewandowski: Vielleicht eher nicht. Ich denke schon, dass ich bei Bayern ein besserer Stürmer wurde.

Mit Ihrem Treffer in Freiburg haben Sie Giovane Elber in der Liste der ausländischen Torschützen überholt. Nun ist nur noch Claudio Pizarro vor Ihnen. Er hat 190 Tore, Sie 135. Ein Ziel?

Lewandowski: Nein. Weil Claudio fast sein ganzes Leben in der Bundesliga spielt. Da muss ich ja wirklich noch sehr lange spielen.

Bis 2021 haben Sie aber doch nun noch Zeit.

Lewandowski: Die Frage ist, wie lange ich so viele Tore schießen kann.

Viele haben gedacht, der FC Bayern sei für Sie eine Zwischenstation. Ist München nun aber Ihre Heimat?

Lewandowski: München ist eine superschöne Stadt, schön zu leben. Die Mannschaft ist super, die Spieler auch, wir haben hier alles, was wir brauchen. Ich freue mich einfach jeden Tag, beim FC Bayern spielen zu dürfen.

Wie viele Sekunden haben Sie über das Angebot aus China nachgedacht?

Lewandowski: Keine Sekunde wäre gelogen. Aber das ist einfach eine andere Welt. Eine, über die ich nicht lange nachdenken musste.

Bei Bayern bekamen Sie ja auch einen sehr guten neuen Vertrag. Ist das der Beweis, dass Tore doch das Wertvollste am Fußball sind?

Lewandowski: Ja. Und Tore sind auch das Schwerste am Fußball. Die Erwartung, dass man in jedem Spiel ein Tor schießen muss, dass man nicht nur gut spielen, sondern immer etwas Neues machen muss, ist sehr hoch. Im Fußball läuft doch am Ende einfach alles über die Tore.

Was haben Sie gestern Abend gegessen?

Lewandowski: Genug (lacht).

Stimmt es eigentlich, dass Sie Ihr Essen in verkehrter Reihenfolge einnehmen? Also Nachspeise – Hauptgericht – Vorspeise.

Lewandowski: Nein, und es ist gut, dass Sie das fragen. Weil das öffentlich nämlich oft falsch dargestellt wird. Es geht nur um die Nachspeise, die ich vor der Vorspeise esse. Also: Nachspeise – Vorspeise – Hauptspeise. Ich esse doch nicht die Suppe am Ende. Das würde niemand machen, der sich mit gesunder Ernährung auskennt.

Sie essen aber das Tiramisu vor der Suppe?

Lewandowski: Tiramisu? Ich mag kein Tiramisu (lacht).

Warum aber die Nachspeise zuerst?

Lewandowski: Weil die Nachspeise, das Süße, schneller verdaut werden kann. Die Suppe auch. Aber Eiweiß braucht am längsten, das braucht Zeit. Wenn ich Süßigkeiten am Ende esse und das mit dem Eiweiß in meinem Magen gemischt wird, dann wird es nicht so gut verarbeitet.

Der Ex-Münchner Bixente Lizarazu hatte auch einen vorbildlichen Körper, allerdings ein Laster: Er hat jeden Tag ein Weißbier getrunken.

Lewandowski: Ein was?

Ein Weißbier.

Lewandowski: Oh, das ist nicht gesund.

Stimmt. Aber gibt es für Sie auch Versuchungen?

Lewandowski: Früher hatte ich wirklich ein Problem mit Süßigkeiten. Ich habe jeden Tag welche gegessen. Aber jetzt habe ich keinen Appetit mehr drauf. Früher war das so ein Automatismus: Wenn du viel Schokolade isst, gewöhnt sich dein Körper daran, er verlangt danach, er sagt: „Hey – wo ist meine Schokolade? Ich brauche sie, ich habe jeden Tag welche!“ Wenn du deinen Körper aber entwöhnst, verlangt er danach auch nicht mehr. Mit Getränken ist das genauso. Mit allem.

Sie haben Ihren Körper also voll unter Kontrolle.

Lewandowski: Theoretisch, ja. Ich versuche es zumindest (grinst).

Ihre Frau Anna ist schwanger. Wie schwierig ist es da, die Linie zu halten?

Lewandowski: Warum?

Es heißt, der Mann nimmt mit der Frau zu.

Lewandowski: (lacht) Nein, nein, da müssen sich die Leute bei uns keine Sorgen machen. Meine Frau hat auch nicht diese speziellen Appetitschübe wie andere Schwangere. Ich muss mich da kein bisschen umstellen.

Ihre Frau macht mit Ihnen auch für gewöhnlich Sport, Sie haben zu Hause einen eigenen Fitnessraum. Wie läuft das jetzt?

Lewandowski: Das ist zurzeit natürlich dosierter. Aber sie ist schon immer noch aktiv, arbeitet an einer DVD und einem Buch mit Übungen für Schwangere.

Zurück zum Fußball: Ihr Teamkollege Thomas Müller trifft kaum noch, wie sehr leiden Sie mit ihm?

Lewandowski: Das ist immer ein Problem, wenn du in einer Saison 20 Tore schießt. Wir haben ja schon über die Erwartung an Stürmer gesprochen – und die ist bei Thomas jetzt natürlich enorm, größer als vor zwei Jahren. Jeder erwartet nun, dass er mindestens 20 Tore schießt. Aber man muss trotzdem mit ihm zufrieden sein, gerade er sollte nicht nur an Toren gemessen werden. Thomas hilft der Mannschaft auch ohne Tore sehr. Er kämpft immer, und wenn einer kämpft, kommen die Tore wieder, ganz sicher.

Hat er seinen Instinkt verloren?

Lewandowski: Deinen Instinkt kannst du nicht verlieren. Geht nicht. Es ist nur eine Phase, in der er kein Glück hat. Die ist bald beendet. Der Instinkt kommt.

Wie lang ging denn Ihre längste Torflaute mal?

Lewandowski: Ich kann mich nicht mehr daran erinnern. Und ich hake solche Phasen auch immer sehr schnell ab. Es ist für einen Stürmer wichtig, nicht zu lange über so etwas nachzudenken. Das funktioniert nie gut. Als Stürmer musst du immer denken: Jetzt kommt das nächste Spiel – und ich schieße ein Tor.

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