3:0 – Werder Bremen hält Hannover 96 auf Distanz, muss aber eine Sperre für Pizarro befürchten

Riesenschritt Richtung Europa

Doppelter Oberkiefer- und Nasenbeinbruch – doch nur 50 Tage später jubelte Sebastian Prödl wieder. Bei seinem Sprung ins kalte Wasser erzielte er gestern das 2:0 für Werder. ·

Bremen - Werder Bremen hat Hannover 96 gestern gleich zwei Ohrfeigen verpasst. Eine sportliche, denn mit dem 3:0 (1:0)-Sieg haben die Bremer den hartnäckigsten Kontrahenten im Kampf um einen Europa-League-Platz auf Distanz gehalten. Und eine, bei der ausgerechnet der Täter mit einem blauen Auge davonkommen könnte.

Claudio Pizarro hatte Emanuel Pogatetz in der 48. Minute ins Gesicht geschlagen. Doch Rot sah der Werder-Torjäger dafür nicht, Schiedsrichter Christian Dingert beließ es bei einer Ermahnung.

Eine nachträgliche Sperre für Pizarro wäre für Werder eine mittelschwere Katastrophe. Denn ohne den Torjäger hätten die Bremer wohl auch gestern keinen Sieg gefeiert. Mit seinem Treffer zum 1:0 (32.) bremste der 33-Jährige die zunächst schwungvollen und überlegenen Gäste aus. „Das 0:1 hat uns geschockt“, sagte 96-Trainer Mirko Slomka später. Und das 0:2 „hat uns dann die Motivation geraubt.“

Werder gewinnt 3:0

Werder Bremen gewinnt mit 3:0 gegen Hannover 96

Pizarro hatte auch dabei seine Hand im Spiel – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Direkt nach der Backpfeife sei seine Belegschaft noch in Aufruhr und deshalb unkonzentriert gewesen, klagte Slomka: „Werder hat das ausgenutzt.“ Genauer: Es war Sebastian Prödl, der ein sagenhaftes Comeback mit seinem Kopfballtreffer krönte.

Nur 50 Tage zuvor hatte der Innenverteidiger beim 0:0 in Kaiserslautern schwere Gesichtsverletzungen erlitten. Gestern rutschte er kurzfristig für den in der Nacht erkrankten Francois Affolter (Darmvirus) in die Startelf. „Es war“, bekannte Prödl, „ein Wurf ins kalte Wasser. Aber vielleicht habe ich genau das gebraucht.“

Werder hat er jedenfalls das Glück zurückgebracht. Ein bisschen glich es nämlich einem Wunder, dass die Bremer nicht früh in Rückstand geraten waren. Didier Ya Konan (14.), Konstantin Rausch (28.) und Lars Stindl (30.) ließen beste Chancen aus. Und Werder-Keeper Tim Wiese, der zweimal überragend pariert hatte, schwante in dieser Phase der Partie Böses: „Ich weiß nicht, wo wir mit unseren Gedanken waren. Jedenfalls nicht auf dem Platz.“

Das änderte sich mit dem 1:0, das wie das 2:0 einer Standardsituation entsprang. Die Vorlage kam jeweils von Mehmet Ekici, jeweils per Freistoß. Es hatte sich also ausgezahlt, dass Werder in den Tagen zuvor fleißig den Umgang mit ruhenden Bällen geübt hatte. Und Werder-Geschäftsführer Klaus Allofs musste seine acht Tage zuvor nach dem 0:1 bei Hertha BSC geübte Kritik über „harmlose Standards“ nicht wiederholen. Diesmal durfte er loben: „Das Spiel stand auf der Kippe, unsere Standards waren entscheidend.“

Die Noten: Werder - Hannover

Die Noten: Werder Bremen - Hannover

Von 96, das nach dem Aufwärmen auf Jan Schlaudraff (Rückenblockade) verzichten musste, kam nach dem 0:2 nichts mehr. Werder beherrschte Ball und Gegner, hatte leichtes Spiel. Markus Rosenberg gelang nach langer persönlicher Durststrecke noch das 3:0 (56.) – und jubelte erleichtert: „Ich dachte erst, der Ball kullert an den Pfosten. Zum Glück war er drin.“ Auch Trainer Thomas Schaaf äußerte sich erleichtert über „mehr Entschlossenheit vor dem Tor“ und über „mehr klare und deutliche Aktionen. Das hat uns zuletzt gefehlt.“

Mit den 0:1-Pleiten gegen den 1. FC Nürnberg und die Hertha hatten die Bremer einen ehemals komfortablen Vorsprung auf Hannover und die Nicht-Euro-Zone fast komplett eingebüßt. Jetzt liegen wieder vier Punkte zwischen Bremen und Platz sieben. Die Welt sieht freundlicher aus. Aber nicht rosarot, wie Allofs betonte: „Heute können wir zuversichtlich sein, ins internationale Geschäft zu gelangen. Aber um es wirklich zu schaffen, müssen wir in den kommenden Wochen konstanter werden.“

Denn dass ein einzelner Sieg kein Gradmesser ist, haben die Wochen nach dem 3:1 im großen Nordderby gegen den Hamburger SV gezeigt. Es folgte der 0:1-Doppelpack. Nun nimmt Werder mit dem Erfolg im kleinen Nordderby einen erneuten Anlauf Richtung Stabilität. Doch die wird schon am Samstag schwer auf die Probe gestellt. Es geht zu Meister und Tabellenführer Borussia Dortmund. Ob Watsch’n-Mann Claudio Pizarro dann dabei sein wird, ist keineswegs sicher. · csa

Trump stößt G7 in eine tiefe Krise

Trump stößt G7 in eine tiefe Krise

Piazzetta 2017 - Kunst bei bestem Sommerwetter

Piazzetta 2017 - Kunst bei bestem Sommerwetter

„Stelle di Notte“ an der Bassumer Freudenburg

„Stelle di Notte“ an der Bassumer Freudenburg

Open-Air-Sommerfestival am Weichelsee

Open-Air-Sommerfestival am Weichelsee

Meistgelesene Artikel

Franke auf dem Weg zu Werder?

Franke auf dem Weg zu Werder?

Schierenbeck sucht nach neuem Bruns

Schierenbeck sucht nach neuem Bruns

Entspannter Entscheider

Entspannter Entscheider

"Richtig Lust auf das große Klassentreffen"

"Richtig Lust auf das große Klassentreffen"

Kommentare