Nur der Sieg zählte - und das Team lieferte

Remis-Verbot lässt Werder jubeln

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Bremer Jubel nach dem 2:1-Siegtreffer gegen Borussia Dortmund.

Dortmund - Als Pierre-Emerick Aubameyang nach einer knappen Stunde der Dortmunder Ausgleich gelang, da drohte Werder, auf die Verliererstraße zu geraten. Der BVB war plötzlich nicht mehr der Scheinriese der ersten Halbzeit.

Doch Bremen denkt unter dem neuen Coach Florian Kohfeldt anders. „Es gab die klare Ansage vor dem Spiel, dass wir nicht auf Unentschieden spielen, also haben wir wieder nach vorne gespielt“, berichtete Maximilian Eggestein – und das breite Grinsen des Werder-Profis verriet: Der Plan war aufgegangen. Werder gewann mit dem 2:1 (1:0) zum ersten Mal seit zehn Jahren in Dortmund und sammelte drei ganz wichtige Punkte im Abstiegskampf.

„Natürlich freuen wir uns“, meinte Kohfeldt, doch er sah dabei anders aus als bei seinen bisherigen beiden Siegen als Nachfolger von Alexander Nouri. „Der Sieg ist sehr teuer erkauft“, meinte der 35-Jährige mit Blick auf die schwere Verletzung von Fin Bartels (Verdacht auf Achillessehnenriss). „Das trübt unsere Freude schon brutal“, meinte auch Sportchef Frank Baumann. Bartels muss wahrscheinlich operiert werden und dürfte in dieser Saison nicht mehr zum Einsatz kommen. Ein unglücklicher Zweikampf mit dem Ex-Bremer Sokratis war ihm schon nach einer halben Stunde zum Verhängnis geworden.

Eggestein selbst überrascht

Bis dahin hatte Werder im mit 81 600 Zuschauer ausverkauften Signal-Iduna-Park perfekt funktioniert. Die Dortmunder fanden kein Mittel gegen dieses 3-5-2-System der Gäste. Dabei hatte Philipp Bargfrede überraschend den Platz im Abwehrzentrum eingenommen, weil Lamine Sane über Nacht krank geworden war.

Mit Bargfrede verteidigte Werder klug, um dann blitzschnell nach vorne zu spielen. Zlatko Junuzovic (9./22.) und Max Kruse (13.) hatten schon gute Chancen, ehe Eggestein zuschlug (26.). Nach feiner Kruse-Vorarbeit ließ er erst Raphael Guerreiro alt aussehen, um dann mit einem Linksschuss von der rechten Strafraumecke einzunetzen. „Ich war selbst überrascht, dass ich den Ball so gut getroffen habe“, staunte Eggestein.

Einzelkritik: Theo, der Dampfmacher - Philipp, der Libero

Jiri Pavlenka
Jiri Pavlenka: Wirkte ein bisschen beeindruckt von der Mega-Kulisse in Dortmund. Leistete sich vor der Pause wie schon gegen Stuttgart einen schlimmen Fehlpass. Seine Unsicherheiten blieben aber folgenlos. Wehrte ab, was er musste, am Gegentor schuldlos. Note 3 © nordphoto
Milos Veljkovic
Milos Veljkovic: Es ist bemerkenswert, wie cool der Schweizer inzwischen geworden ist. Traut sich im Spielaufbau immer mehr zu, sagenhafte 94 Prozent seiner Pässe kamen an. Auch in den Zweikämpfen ordentlich. Note 2,5 © nordphoto
Philipp Bargfrede
Philipp Bargfrede: Philipp, der Libero. Es sah ein bisschen so aus wie zu Beckenbauers Zeiten, so souverän löste er seine Aufgabe als Abwehrchef. Nur beim Ausgleich sah er etwas unglücklich aus, ansonsten bärenstark. Note 2 © Gumz
Niklas Moisander
Niklas Moisander: Der Finne lässt sich auch von einem Aubameyang nicht beeindrucken. Er gewann wahrlich nicht alle Zweikämpfe (nur 40 Prozent), aber die wichtigen. 2,5 © Gumz
Theodor Gebre Selassie
Theodor Gebre Selassie: Was für ein Dampfmacher auf der rechten Seite! Schonte sich und seine Gegner nicht, traute sich viel mehr als sonst nach vorne. Beim Gegentor mit einer etwas unglücklichen Kopfball-Abwehr, aber den Schaden behob er sofort selbst mit dem Siegtreffer. Note 1,5 © Gumz
Ludwig Augustinsson
Ludwig Augustinsson: Der Schwede und die Dreierkette, das passt noch nicht so gut. Dann muss er nämlich eine Position vorrücken, da tat er sich auch in Dortmund schwer. Kam auf seiner linken Seite nicht so richtig in Tritt, gewann auch nur jeden vierten Zweikampf. Note 3,5 © nordphoto
Thomas Delaney
Thomas Delaney: Er lief als Sechser alle Lücken zu, machte es den Dortmundern damit extrem schwer, durch das Zentrum zu kommen. Dazu mit klugen Pässen im Aufbauspiel, allerdings nicht mit den ganz großen Szenen. Note 2,5 © Gumz
Maximilian Eggestein
Maximilian Eggestein: Bald knackt er die 14-Kilometer-Marke, diesmal waren es 13,7. Dazu auch noch Torschütze zum 1:0. Manchmal fehlte ihm noch ein bisschen die Robustheit. Note 1,5 © nordphoto
Zlatko Junuzovic
Zlatko Junuzovic (bis 53.): Ackerte vorbildlich, bis die Wade zumachte. Brachte mit seinem Direktspiel immer wieder Tempo in das Bremer Spiel, wenngleich ihm nicht alle Pässe in die Tiefe glückten. Note 2,5 © nordphoto
Fin Bartels
Fin Bartels (bis 33.): Wie immer sehr wendig mit dem Ball am Fuß, aber nicht ganz so zielstrebig nach vorne. Dann stoppte ihn ein unglücklicher Zweikampf mit Sokratis. Musste mit Verdacht auf Achillessehnenriss schon sehr früh runter. Note 3 © nordphoto
Max Kruse
Max Kruse: Werder kann auch ohne seine Tore gewinnen, aber nicht ohne seine Vorlagen. Beide Treffer bereitete Kruse vor, wie so viele gute Angriffe. Note 2 © nordphoto
Florian Kainz
Florian Kainz (ab 33./bis 84.): Erst rein, dann wieder raus – der Österreicher durfte nur 50 Minuten spielen. Aus taktischen Gründen, betonte Coach Kohfeldt. Aber Kainz versemmelte bei allem Engagement einfach zu viele Konter und war nach hinten nicht zweikampfstark genug. Note 3,5 © dpa
Jerome Gondorf
Jerome Gondorf (ab 53.): Vergab die Riesenchance zum 2:1 (63.). Ein ordentlicher Arbeiter im Mittelfeld. Note 3,5 © Gumz
Robert Bauer
Robert Bauer (ab 84.): Erstmals unter Kohfeldt auf dem Platz, verteidigte den Vorsprung mit vier Ballkontakten und einem gewonnenen Zweikampf. Note - © nordphoto

Der stark in die Kritik geratene BVB-Coach Peter Bosz reagierte, stellte von Dreier- auf Viererkette um. Aber erst nach der Pause wurden die Gastgeber druckvoller. Irgendwie brachte Aubameyang die Kugel dann über die Linie (57.), vielleicht war es aber auch Bargfrede gewesen, der als Letzter am Ball war. Absoluten Aufschluss darüber lieferten auch die TV-Bilder nicht.

Entwarnung bei Zlatko Junuzovic

Werder hätte ob des Ausgleichs geschockt sein können, zumal kurz zuvor Junuzovic mit Wadenproblemen ausgewechselt werden musste. Der Österreicher hofft aber, schon am Mittwoch in Leverkusen wieder dabei zu sein. Werder steckte sein Fehlen genauso wie das 1:1 bei Minustemperaturen im Dortmunder Gefrierschrank ganz cool weg. Kruse und Co. griffen einfach wieder an. Junuzovic-Ersatz Jerome Gondorf (63.) und eben Kruse (64.) verpassten noch das 2:1. Das besorgte dann Theodor Gebre Selassie, der eine Kruse-Ecke per Kopf in die Maschen wuchtete (65.). Der Tscheche war in seinem Jubel direkt vor den 9000 mitgereisten Werder-Fans kaum zu bremsen. Kein Wunder: Beim 1:1 hatte er noch mit einer unglücklichen Kopfballabwehr mitgewirkt. Das Tor passte dann viel besser zu seiner wirklich starken Leistung an diesem besonderen Bremer Nachmittag.

Denn diese Mannschaft wollte einfach gewinnen, das war deutlich zu spüren. Und ein bisschen Glück kam dann auch noch dazu, als Shinji Kagawa nicht ins Tor, sondern den Rücken von Aubameyang traf (72.).

Danach brachte Werder den Vorsprung ziemlich clever über die Zeit. „Das war verdient“, urteilte Kohfeldt nach seinem dritten Erfolg im fünften Spiel. Am Fahrplan, erst kurz vor Weihnachten über die Zukunft des Trainers zu entscheiden, wird aber nicht gerüttelt, betonte einmal mehr Sportchef Frank Baumann. Er sagte aber auch: „Florian hat nicht die schlechtesten Argumente geliefert.“ Das breite Grinsen verriet, dass Kohfeldt bleiben wird. Warum auch nicht? Dazu passt ein Zitat von Junuzovic: „Es macht einfach Spaß auf dem Feld.“ Dafür ist Kohfeldt verantwortlich, der aber sofort im Stile eines guten Chefs mahnend an die Tabellensituation mit dem Relegationsplatz erinnerte: „Das war nur ein Sieg. Wir haben noch einige Arbeit vor uns.“

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Quelle: DeichStube

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