0:0 – Werder tritt auf der Stelle

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VERGEBLICH macht sich Werders Franco Di Santo (2. von links) hier ganz lang: Der Werder-Stürmer kommt in dieser Szene nicht an den Ball, der am Samstag mehrfach unsichere Mainzer Keeper Loris Karius allerdings auch nicht.

Bremen - Von Carsten Sander. Mit einem 0:0 im Heimspiel gegen Mainz 05 hat es Werder Bremen am Samstag verpasst, Fakten zu schaffen. Ein Sieg hätte alle Abstiegssorgen beseitigt, die Bremer hätten sogar zu den Europa-League-Rängen aufschließen können. Aber nach einem niveauarmen Spiel befindet sich der SV Werder weiter im Schwebezustand zwischen der Gefahr, noch nach unten zu purzeln, und der Chance, nach oben zu klettern. Weitergebracht hat Werder die Partie nicht.

„Hätten wir gewonnen, könnten wir jetzt die Jäger spielen“, sagte Geschäftsführer Thomas Eichin. Enttäuscht über die Punkteteilung war er aber nicht: „Es ist ein leistungsgerechtes Ergebnis. Damit müssen wir mal zufrieden sein.“ Denn das Team von Trainer Viktor Skripnik hatte einige Probleme mit in die Partie genommen. Die Personalie Davie Selke war nur eines davon. Wegen eines steifen Nackens – zugezogen im Abschlusstraining am Freitag – fiel Kapitän Clemens Fritz kurzfristig aus. Zudem saß Zlatko Junuzovic nur auf der Bank. Erklärung des Österreichers: Nach zwei Länderspielen sei er müde gewesen. „Aber ich hätte von Anfang an spielen können. Der Trainer hat aber so entschieden. Er meinte, er wolle mich nicht verheizen. Ich würde aber nie zum Trainer gehen und sagen: Ich will auf die Bank“, sagte er.

Skripnik sprach jedoch von klaren Signalen des Spielers: „Ich habe mich mit Zlatko unterhalten. Er wollte ehrlich sein, wollte Werder helfen und nicht nur seinen Einsatz einsammeln.“ Widersprüche? Ein Missverständnis? Jedenfalls zeigte sich, dass Werder ohne die Mittelfeld-Stützen Junuzovic und Fritz nicht so druckvoll und dominant Fußball spielen kann wie in vielen anderen Heimspielen. „Das war nicht das Werder, das wir sehen wollen“, gab Skripnik zu. Er hatte Levent Aycicek auf die Spielmacherposition beordert und ihm Felix Kroos (links) und Fin Bartels (rechts) zur Seite gestellt.

Doch das Spiel machte zunächst Mainz und kam durch Shinji Okazaki zur ersten Chance (8.). Wieder der Japaner (34.) und Yunus Malli (35.) hatten weitere gute Möglichkeiten für die Gäste. Werder wurde bis zur Pause nur durch einen Kopfball von Jannik Vestergaard (13.) gefährlich. Im Spielaufbau hakte es enorm bei den Grün-Weißen, 41 000 Zuschauer im nicht ganz ausverkauften Weserstadion hofften zur Pause auf eine klare Leistungssteigerung.

Sie wurden jedoch weiter enttäuscht. Das Spiel lieferte fortgesetzt nur fußballerische Magerkost, immerhin stieg die Quote der Torszenen auf beiden Seiten an. Und einen echten Aufreger gab es auch. Niko Bungert, Mainzer Kapitän, hatte dafür gesorgt, als ihm eine Kopfballrückgabe völlig misslang. Mit dem ausgestreckten Arm verlängerte er den Ball deshalb zu Keeper Loris Karius (77.). Das hätte Freistoß kurz vor dem 16er geben müssen und vielleicht sogar Rot für Bungert – er war der letzte Mann vor dem heranstürmenden Franco Di Santo gewesen.

Bartels vergibt die finale Top-Chance

Aber Schiedsrichter Michael Weiner hatte nichts gesehen. Bungert gab das Handspiel anschließend zu, und Mainz-Manager Christian Heidel fasste die Szene in zwei Worten zusammen: „Glück gehabt." Was natürlich nicht für Werder galt. „Es wäre eine gute Freistoßchance für uns gewesen“, meinte Junuzovic, der Spezialist für solche Fälle. Er war zu diesem Zeitpunkt bereits eingewechselt worden, mit ihm wurde auch das Bremer Spiel auch etwas lebendiger. Und reicher an Torabschlüssen.

Aycicek vergab die bis dahin beste Möglichkeit, als er freistehend an Karius scheiterte (63.). Bartels und der ebenfalls eingewechselte Levin Öztunali versuchten es erfolglos mit Distanzschüssen. Und Mainz? Kam hin und wieder zu im Ansatz vielversprechenden Kontern, war aber nur durch einen Kopfball von Ja-Ceol Koo (56.) und einen Freistoß von Johannes Geis (59.) tatsächlich gefährlich. Beide Male parierte Werder-Schlussmann Raphael Wolf. Alles lief auf das 0:0 hinaus – und der Letzte, der es noch hätte verhindern können, war Fin Bartels. In der Nachspielzeit kam er plötzlich im Strafraum frei zum Abschluss. Nur um Zentimeter zischte der Ball am Mainzer Tor vorbei. „Da bleibt einem schon mal das Herz stehen“, bekannte Heidel.

Es war die Aktion, die Werder zum sorgenfreien Nicht-Absteiger und zum ambitionierten Jäger hätte machen können. Nun müssen die Bremer am Wochenende bei Liga-Schlusslicht VfB Stuttgart die Punkte zum Glück einsammeln. Dann allerdings ohne Innenverteidiger Sebastian Prödl, der sich gestern die fünfte Gelbe Karte einhandelte und deshalb gesperrt fehlen wird. Der Rest der Truppe ist jedoch gefordert, umzusetzen, was Raphael Wolf für die Stuttgart-Partie schon mal als Ziel ausgab: „Wir müssen eine ordentliche Schippe drauflegen, sonst nimmst du auch von dort nichts mit. Heute haben wir zu wenig gezeigt, zu wenig gemacht. “

Torloses Remis gegen Mainz

Werder Bremen - FSV Mainz 05 0:0
Bremen: Wolf - Gebre Selassie, Prödl, Vestergaard, Sternberg - Bargfrede - Kroos, Aycicek (83. Öztunali) - Bartels - Di Santo, Selke (62. Junuzovic). - Trainer: Skripnik
Mainz: Karius - Brosinski, Bungert, Bell, Park - Geis, Baumgartlinger - Koo (86. Allagui), Malli, De Blasis (69. Bengtsson) - Okazaki. - Trainer: Schmidt
Schiedsrichter: Michael Weiner (Giesen)
Zuschauer: 41.000
Gelbe Karten: Di Santo (7), Vestergaard (2), Prödl (5), Bargfrede - Baumgartlinger (2), Bungert (3)
Erweiterte Statistik (Quelle: deltatre):
Torschüsse: 14:15
Ecken: 3:2
Ballbesitz: 49:51 Prozent

Lesen Sie hier die Partie im Ticker nach

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