4:1 – Werder rückt näher an die Spitze / Bochumer Blitztor zerstört Wieses Serie

Ein Rekordtraum platzt, aber Titelträume reifen

Erster Torjubel für Werder: Marko Marin.

Bochum -  Carsten Sander · Tim Wiese musste seine Hoffnung auf einen neuen Club-Rekord gestern früh begraben, dafür reifen bei Werder Bremen nach dem 4:1 (2:1)-Sieg beim VfL Bochum nun ganz andere Träume.

Nach dem 15. Pflichtspiel in Folge ohne Niederlage und dem Sprung auf Rang drei der Bundesliga-Tabelle geistert schon der Traum vom Titel durch die Köpfe einiger Spieler.

Aaron Hunt wagte sich nach einem Spiel, das katastrophal begonnen hatte, aber triumphal endete, am weitesten nach vorne. „Ich denke“, sagte der Mittelfeldspieler, „wir sind reif genug für die Meisterschaft. Wenn wir unseren Weg so weitergehen wie bisher, sind wir sicherlich bis zum Ende oben dabei.“

Die Noten der Werder-Profis

Bochum - Bremen: Die Noten

Starke Worte, die er sich nach einem persönlich starken Auftritt leisten durfte. Vor den Augen von Bundestrainer Joachim Löw zog der 23-Jährige groß auf und befreite Werder nach neun Minuten aus einer Art Schockstarre. Eine Kopfball-Vorlage von Claudio Pizarro drückte Hunt aus zwei Metern ins Bochumer Tor. Doch es war nicht etwa die Bremer Führung, sondern nur der Ausgleich. Stanislaw Sestak hatte den VfL schon nach 38 Sekunden mit dem schnellsten Tor der Saison in Front gebracht. Nach einem Ballverlust von Philipp Bargfrede im Mittelkreis und einem Steilpass von Mimoum Azaouagh vollstreckte Stanislaw Sestak cool aus 16 Metern.

Für den Slowaken war es der vierte Treffer im vierten Spiel gegen Werder. Und für Tim Wiese endete jäh‘ die stolze Serie von 619 Bundesliga-Minuten ohne Gegentor. 23 Minuten hätten ihm nur gefehlt, um den 21 Jahre alten clubeigenen 641-Minuten-Rekord von Oliver Reck zu brechen. Wiese war sauer (siehe Interview unten), und Sportdirektor Klaus Allofs zeigte Mitleid: „Das ist blöd gelaufen. Wenn man so nahe dran ist, dann will man auch den Rekord. Ich kann verstehen, dass er enttäuscht ist.“

Dass Allofs hinterher so locker über das frühe Gegentor plaudern konnte, lag daran, dass eine „verpennte Anfangsphase“ letztlich keine schlimmeren Folgen hatte als nur die verpasste Zu-Null-Bestmarke. Nach Sestaks 1:0 traf Azaouagh noch den Pfosten (3.) und Christian Fuchs mit einem raffinierten Eckball die Latte (7.). Es hätte – und das ist nicht übertrieben – ein Mega-Fehlstart für Werder geben können. „Wir haben die ersten Minuten total verbockt“, räumte Mittelfeldstar Mesut Özil ein, fand in seiner Analyse aber genauso schnell den Schwenk zum Positiven wie die Mannschaft auf dem Platz: „Wir sind dann stark zurückgekommen. Das zeichnet uns aus.“

Aaron Hunts Ausgleich nahm Bochum nicht nur den kraftvollen Schwung, er gab Werder auch ein Stück der Sicherheit zurück, die das Team schon beim 2:2 drei Tage zuvor in der Europa League bei Austria Wien verloren hatte. „Das waren wohl noch die Nachwirkungen“, kommentierte Allofs die vogelwilde Anfangsphase. Doch als die 23. Minute verstrichen war und knapp 5 000 Werder-Fans im mit 25 703 Zuschauern gefüllten Rewirpower-Stadion Wiese mit Sprechchören trösteten, hatten die Bremer das Spiel wieder weitgehend im Griff.

In der 32. Minute gab es dann eine Premiere zu feiern. Neuzugang Marko Marin erzielte in seinem 17. Pflichtspiel für Bremen sein erstes Tor. Eine blitzsaubere Kombination mit Hunt schloss er im zweiten Versuch ab – und war überglücklich: „Endlich das erste Tor. Das hat auch lange genug gedauert.“

Geduld war anschließend auch gefragt, bis die Gäste die Partie endgültig für sich entschieden hatten. Während Bochum sich mühte, aber neben Chancen für Azaouagh (66./72.) und Sestak (74.) nur zu einem Abseitstor durch Diego Klimowicz (61.) kam, ging Werder zu unkonzentriert mit den Konterchancen um. Erlösung gab es erst nach einem Geistesblitz von Torsten Frings. Einen Freistoß (den eigentlich Bochum hätte bekommen müssen, weil Frings mit gestrecktem Bein zu Werke gegangen war) führte der Werder-Kapitän weit in der eigenen Hälfte blitzschnell aus und schickte den gerade erst eingewechselten Tim Borowski auf die Reise. Ballmitnahme, Abschluss aus 16 Metern – drin. Bochum tobte, Werder feierte. Und Mesut Özil setzte in der Nachspielzeit noch einen drauf, überlistete VfL-Keeper Philipp Heerwagen mit einem Außenristschuss.

4:1 – es war am Ende standesgemäß. Weshalb selbst Klaus Allofs die Gedanken frei Richtung Tabellenspitze schweifen ließ: „Wir müssen uns hinter keinem in der Liga verstecken. Wir gehören zu den sechs, sieben Teams, die um die vorderen Plätze mitmischen. Das beinhaltet auch, dass wir ganz oben stehen können.“

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