Rein und wieder raus – bei Skripnik sind Beförderungen von kurzer Dauer

Der Werder-Weg ist für die Talente ein Schlingerkurs

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Zurück im Bundesliga-Kader? Melvyn Lorenzen (Bild) könnte von der Johannsson-Verletzung profitieren.

Bremen - Der Freitag war wieder so ein Tag. Schaulaufen der Werder-Talente im Test gegen RB Leipzig. „Wer da ein geiles Spiel macht, kann nach vorne rücken“, hatte Co-Trainer Torsten Frings im Vorfeld des Bundesliga-Pausenfüllers gesagt. Allerdings ist das mit dem „Nach-vorne-rücken“ beim SV Werder eine Sache für sich.

Den reinen Vorwärtsgang hat bislang keiner der Akteure aus der eigenen U23 gefunden. Der „Werder-Weg“, der von den Verantwortlichen immer wieder als Zukunftskonzept gepriesen wird, ist ein Schlingerkurs – es geht hin und her, vor und zurück (siehe Talente-Tableau unten). Insgesamt kommen die Talente aus dem eigenen Haus nach acht Bundeslia-Spieltagen in der Summe auf 337 Bundesliga-Minuten. Ulisses Garcias Einsatzzeit fehlt dabei. Der 19-Jährige gehört zwar vom Alter her zu den Perspektivspielern, wurde aber aus der Schweiz dazugeholt und nicht bei Werder ausgebildet. Er ist der einzige Dauerbrenner im Bremer Team, der jünger ist als 23 Jahre. Immer, wenn er gesund war, hat er auch gespielt.

Sonst sucht man unter den jungen Spielern vergeblich nach Konstanten. Es herrscht ein Hin und Her zwischen U23 und dem Bundesliga-Kader, Beförderungen sind zumeist von kurzer Dauer, eigentlich gibt es für einen jungen Spieler bei Trainer Viktor Skripnik nie zwei Chancen hintereinander. Beispiele gefällig?

Ganz zu Beginn der Saison war es Maximilian Eggestein, der scheinbar fest eingeplant war für die erste Elf. Er absolvierte die meisten Vorbereitungsspiele als zentral-offensiver Akteur in der Mittelfeldraute. Auch im DFB-Pokal gegen die Würzburger Kickers war er erste Wahl, spielte aber nicht gut. Konsequenz: Den Bundesliga-Auftakt gegen Schalke 04 erlebte er als Bankdrücker. Am zweiten Spieltag durfte sich Eggestein dann gegen Hertha BSC noch mal versuchen – mit dem Ergebnis, dass er in der Folge fünf Mal nicht spielte. „Gegen Hertha“, begründet Frings das Vorgehen des Trainerteams, „hat man bei Maxi gesehen, dass es ein Unterschied ist, Test- oder Bundesliga-Spiele zu bestreiten.“ Erst gegen Hannover 96 tauchte Eggestein als Einwechselspieler wieder auf dem Platz auf und zeigte eine ansprechende Leistung. Ob das reicht, um auch gegen den FC Bayern am Samstag eine Chance zu bekommen?

Torsten Frings lobt zwar Eggesteins Entwicklung („Er spielt eine Rolle für uns“) und auch dessen Auftritt in Hannover („Er hat uns belebt“) sagt aber weder ja noch nein. „Wenn einer ein Spiel gemacht hat, ist das kein Freifahrtschein, beim nächsten Mal wieder dabei zu sein. Wir schauen darauf, wie sich der Spieler im Training zeigt und was wir im nächsten Spiel brauchen.“ Soll heißen: Ist irgendwo Not am Mann, sind die Talente gefragt. Sonst eher nicht. Frings bestätigt: „Wenn wir unseren kompletten Kader zur Verfügung haben, sind sie nicht Einwechselspieler Nummer eins oder zwei. Aber wenn wir Verletzte haben, brauchen wir die Jungs.“

Also doch mehr Notstandsverwaltung als Werder-Weg? Das Beispiel von Luca Zander und Marcel Hilßner gibt dieser These Nahrung. Beide wurden gegen Bayer Leverkusen eingewechselt und feierten ihr Bundesliga-Debüt. Eine Woche später gehörten sie nicht mehr zum Kader. Wo da die Nachhaltigkeit bleibt und der Sinn liegt? Frings erklärt es so: „Wir hatten versucht, Unbekümmertheit reinzubringen, haben sie einfach mal reingeworfen. In solchen Spielen können sie am meisten lernen.“ Doch es galt auch: „Wir hatten nicht viel mehr Alternativen.“ Gegen Hannover 96 waren die Alternativen wieder da und Zander und Hilßner zurück in der U23.

Darüber mag man sich mokieren, Frings sagt nur, dass das nun mal so sei. Es gibt für junge Spieler null Garantien, aber unter Skripnik und ihm auch immer wieder Chancen. „Das ist eine Art der Schule, da mussten wir alle durch. Es bringt einem Spieler mehr, 90 Minuten in der U23 zu spielen, als bei uns ohne Aussicht auf einen Einsatz auf der Bank zu sitzen, weil die Position schon doppelt besetzt ist.“

Die dünne Personaldecke im Angriff spült als nächsten wohl Melvyn Lorenzen zurück in den Kader. Erstmals seit dem letzten Spieltag der vergangenen Saison. Aufgrund des Ausfalls von Aron Johannsson wird ein Stürmer gebraucht, und Lorenzen war aufgerufen, gegen RB Leipzig zu zeigen, dass er der Richtige ist für den Job. Ein „geiles Spiel“ im Frings-Sinn machte er beim 3:0 zwar nicht, immerhin traf er aber per Abstauber zum 2:0. Zuvor hatte er bei einer Großchance gezeigt, dass er noch viel lernen muss. Frei vor Leipzigs Keeper lupfte Lorenzen den Ball an die Latte, statt konsequent und mit Überzeugung abzuschließen. Sein Glück: Beim Schaulaufen wird so etwas noch verziehen. In der Bundesliga nicht.

csa

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