Bremer Ex-Keeper als Glücksbringer in Mainz: „Sebastian kann auf Jahre Werders Nummer eins sein“

Reck macht Mielitz stark

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Großchance vereitelt: Keeper Sebastian Mielitz verhinderte in der 51. Minute gegen Andreas Ivanschitz das 0:2 und hielt Werder damit im Spiel. ·

Bremen - Manchmal sind es kleine Momente, die große Auswirkungen haben. Wie zum Beispiel das zufällige Treffen von Oliver Reck und Sebastian Mielitz.

Der eine stand von 1986 bis 1998 im Tor der SV Werder, der andere ist der aktuelle Bremer Keeper und als solcher in die Kritik geraten. Doch am Samstag in Mainz bewies Mielitz eindrucksvoll wie selten zuvor seine Qualitäten. Der 23-Jährige rettete Werder beim 1:1 mit tollen Paraden einen ganz wichtigen Punkt im Abstiegskampf – und bezeichnete Reck anschließend als seinen Glücksbringer.

„Wir haben uns vor dem Spiel im Hotel getroffen“, berichtete ein glücklicher Sebastian Mielitz nach seinen Glanztaten: „Oliver hat mir viel Glück gewünscht und gesagt: immer den Kopf hoch.“ Wahrscheinlich hätte Mielitz diese Geschichte gar nicht erzählt, wäre er nicht auf die Kritik von Frank Rost angesprochen. Ebenfalls ein ehemaliger Werder-Keeper, der sich vor Wochen weniger freundlich über seinen Nachfolger geäußert und dessen nötige Klasse für die Bundesliga in Frage gestellt hatte. „Jeder muss selbst wissen, was er über Kollegen sagt“, giftete Werder-Coach Thomas Schaaf und merkte mit Blick auf die starke Leistung von Mielitz noch genüsslich an: „Das zeigt mal wieder, dass man aufpassen sollte, was man so sagt.“ Schaaf war jedenfalls hoch erfreut, „dass ,Miele’ in dieser Deutlichkeit gezeigt hat, was er kann. Wir wissen ja, welche große Qualitäten er hat.“

Die Einzelkritik: Mielitz überragend

Die Einzelkritik: Mielitz überragend

Drei Hundertprozentige hatte Mielitz in Mainz entschärft – von Andreas Ivanschitz (51.), Nicolai Müller (67.) und Yunus Malli (74.). Deshalb war Werder nach dem frühen 0:1 durch Adama Szalai (1.) nicht höher in Rückstand geraten und hatte nach dem Ausgleich von Aaron Hunt (69.) nicht noch einen Tiefschlag erlebt. „Ich habe gezeigt, was ich kann“, stellte Mielitz anschließend klar. Er vergaß einfach mal für ein paar Minuten seine sonst so große Bescheidenheit und Phrasen wie „Es ist mein Job, der Mannschaft zu helfen.“ Nein, diesen Moment wollte der 23-Jährige ausnahmsweise mal für sich genießen. Endlich war er aus dem großen Schatten seines Vorgängers Tim Wiese getreten, der im Sommer vor allem aus finanziellen Gründen in Bremen ausgedient hatte und sich seitdem in Hoffenheim herumärgert.

Weil Mielitz nicht verhindern konnte, dass Werder zur Schießbude der Liga wurde, geriet er mehr und mehr in die Kritik. „Ich habe die Zeitung ein bisschen zur Seite gelegt und höchstens die Bilder angeschaut“, witzelte der Keeper und räumte ein: „Jetzt kann man so spaßig darüber sprechen, wenn man die Leistung gebracht hat. Aber natürlich ist es nicht so einfach, wenn es nicht so gut läuft. Das prallt nicht an einem ab“, gestand Mielitz. Die Familie und Freundin Janina hätten ihm in dieser Zeit besonders geholfen. Mannschaft und Trainer auch. Und natürlich Oliver Reck.

„Man kann schon sagen, dass er so etwas wie mein Glücksbringer war“, meinte Mielitz. Und Reck war es nur recht so: „Es ist doch schön, wenn ich ein gutes Omen für ihn war.“ Der 48-Jährige hatte Frank Baumann, Werders Direktor für Fußball und Scouting, zum Informationsgespräch im Mannschaftshotel in Mainz besucht. „Man tauscht sich ja immer aus“, berichtete Reck, der im August vergangenen Jahres als Cheftrainer des MSV Duisburg entlassen worden war. Ende Januar erlitt er einen Herzinfarkt. „Doch jetzt geht es mir wieder richtig gut. Ich will wieder als Trainer arbeiten, und deshalb schaue ich mir natürlich viele Spiele an.“ So auch die Bundesliga-Partie in Mainz.

Bei Mielitz schaute Reck am Samstag natürlich ganz genau hin und stellte fest: „So eine erste Saison als Stammtorwart ist nicht so einfach. Es hieß ja immer, er sei nicht zu außergewöhnlichen Leistungen fähig und könne keine unhaltbaren Bälle halten. Jetzt hat Sebastian bewiesen, dass er das drauf hat.“ Nicht nur das gefiel dem ehemaligen Nationaltorwart (ein Einsatz): „Sebastian hat seine Mitspieler motiviert, er hat Einfluss genommen, er war in diesem Spiel nicht so ruhig, wie das immer mal wieder behauptet wird. Für mich hat Sebastian gegen Mainz bewiesen, dass er auf Jahre Werders Nummer eins sein kann.“ Das letzte Wort hat Reck ganz bewusst gewählt. Denn leichte Zweifel sind durchaus geblieben. Der Ex-Bremer weiß, worauf es für Mielitz jetzt ankommt: „Er ist in einer ähnlich kritischen Situation wie sein Verein. Wenn er in den letzten sieben Spielen in dieser Saison mithilft, dass es Werder wieder besser geht, dann wird man mit ihm auch in die neue Saison als klare Nummer eins gehen.“

Training am Sonntag

Werder-Training am Sonntag

Die nächste Bewährungsprobe wird keine leichte – am Samstag kommt der Tabellenvierte FC Schalke 04. Auch ein Ex-Club von Reck, da müsste er doch wieder als Mielitz-Glücksbringer dabei sein. Lächelnd merkte der 48-Jährige dazu an: „Noch habe ich das nicht geplant. Aber wenn ich gebraucht werde . . .“ · kni

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