Werder fühlt sich nicht angesprochen

Raubbau im Sport, verkaufte Körper

Provokante Thesen: Prof. Dr. Ingo Froböse. ·

BREMEN/HAMBURG · Naldo ist nicht zwingend das Paradebeispiel. Lang- und behutsam wurde der Werder-Verteidiger nach seiner hartnäckigen Knieverletzung wieder an die Belastung Bundesliga-Fußball herangeführt.

Trotzdem passierte es. Bei seinem 40-Minuten-Comeback nach 105 Tagen Pause riss im Spiel gegen Mainz 05 eine Muskelfaser. Er ist nun wieder raus, muss in zwei Wochen einen neuen Anlauf nehmen. Ebenso Philipp Bargfrede, den das gleiche Schicksal ereilte.

Haben beide nur Pech gehabt? Oder doch zu früh wieder angefangen? Gefährden Spitzensportler permanent ihre Gesundheit? Die letzte Frage beantwortet Professor Dr. Ingo Froböse von der Sporthochschule in Köln mit einem Ja. Der Leiter des „Zentrum für Gesundheit“ geht im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dapd sogar noch einen Schritt weiter: „Sie verkaufen ihren Körper. Sie treiben Raubbau an ihrer Gesundheit.“

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Auch Naldo? Wer seinen Weg zurück verfolgt hat, kann die Frage nur verneinen. Eher hat der Club den Spieler in den 105 Tagen gebremst als angetrieben. Bei ihm „haben wir nichts falsch gemacht“, sagt Werder-Trainer Thomas Schaaf entsprechend und erklärt generell: „Wir machen nichts Verrücktes. Aber wir können auch nicht alles verhindern.“

Pauschal behauptet Professor Froböse: „Mindestens jede vierte Verletzung hat eine Wiederschädigung an derselben Stelle. Die Sportler sind nicht austherapiert.“ Freunde macht sich Froböse mit solchen Sätzen selbstverständlich nicht. In der Branche gilt Kritik von außen ohnehin als unangebracht. Werder-Geschäftsführer Klaus Allofs wehrt sich gegen die Anwürfe Froböses, „dass Manager und Vereine verantwortungslos mit der Gesundheit der Spieler umgehen“.

„Das kann ich für Werder Bremen ausschließen“, sagt Allofs. Auf die latenten Vorwürfe, bei Werder häuften sich muskuläre Probleme (neben Naldo und Bargfrede hat es auch Sebastian Prödl im zweiten Spiel nach mehrwöchiger Auszeit erwischt), reagiert der frühere Nationalspieler genervt: „Es gibt Kommentare, die sind wenig fundiert.“

Werder-Arzt Dr. Götz Dimanski sieht im Fall Naldo keinerlei Hinweise auf irgendwelche Versäumnisse. Von der Therapie über die Reha, das Fitnesstraining bis hin zu den fußballspezifischen Übungen sei alles optimal gewesen. „Besser kann man es nicht machen“, sagt Dimanski. Es hätte jeden anderen Spieler treffen können, meint er.

Naldo ist der Einzelfall, Professor Dr. Ingo Froböse betrachtet dagegen den Profi-Sport allgemein – und formuliert eine provokante These. „Ihr wisst ja gar nicht, wann ihr die Sportler wieder in den Wettkampf schicken könnt“, sagt er. Oft würden das sogar die Trainer entscheiden, „die davon überhaupt keine Ahnung haben“, sagt Froböse. „Und dann sagt der Arzt, der ja seinen Job behalten will, ja okay, ich spritze eine Betäubung – aber die Struktur ist nicht belastbar.“

Bei Werder Bremen wäre so ein Vorgehen undenkbar, sagt Dimanski, und Allofs erklärt: „Für uns ist die Gesundheit des Spielers das höchste Gut.“ · dapd/csa/mr

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