Pyrotechnik

Hess-Grunewald: Werder lehnt Kollektivstrafe ab

Im Werder-Block in Leverkusen brannte, qualmte und knallte es.
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Im Werder-Block in Leverkusen brannte, qualmte und knallte es.

Bremen - Werder Bremen nimmt den Einsatz von Pyrotechnik nicht hin, lehnt aber Kollektivstrafen ab. Die könnte es aber demnächst vom Verband geben. Bald könnte die Sperrung der Ostkurve drohen.

Der FSV Mainz 05 hat hart durchgegriffen – und seine Ultras für die nächsten Auswärtsspiele ausgesperrt. Sie bekommen nach dem Abbrennen von Pyrotechnik beim Gastspiel in Darmstadt keine Tickets mehr. Auch im Werder-Fan-Block brannte, qualmte und knallte es beim letzten Auswärtsspiel in Leverkusen. Doch ein Vorgehen wie in Mainz ist beim Bremer Bundesligisten nicht vorgesehen. Dabei musste Werder in den vergangenen zwei Jahren für seine zündelnden Fans tief in die Tasche greifen und mehr als 100.000 Euro an Strafen bezahlen.

„Grundsätzlich halten wir Vergleiche zur Arbeit anderer Vereine für nicht zielführend. Es obliegt jedem Verein, wie er mit solchen Situationen umgeht“, erklärt Werders zuständiger Geschäftsführer Hubertus Hess-Grunewald auf Nachfrage dieser Zeitung: „Wir fassen die Vorkommnisse jeder Halbserie zusammen und beschließen Sanktionen, die wir über unseren Fanbeirat kommunizieren. Erst danach informieren wir die breite Öffentlichkeit.“ Demnach wird es kurzfristige Sanktionen nicht geben.

Da stellt sich schon die Frage, ob Werder die Pyrotechnik bewusst in Kauf nimmt, um es sich – gerade im Abstiegskampf – nicht mit der Ultraszene zu verscherzen. „Das ist eine Unterstellung, die ich entschieden zurückweise“, wehrt sich Hess-Grunewald: „Wir nehmen den Einsatz von Pyrotechnik nicht hin.“

Hess-Grunewald: "Streben täterorientierte Aufklärung an"

Es hätte zu Jahresbeginn Sanktionen wie das Verbot von Blockfahnen im Mittelblock der Ostkurve gegeben, nachdem dort in der Hinrunde Pyrotechnik abgebrannt worden war. Dabei betonte der Werder-Geschäftsführer: „Wir stehen zu unserem Grundsatz, dass wir Kollektivstrafen ablehnen und eine täterorientierte Aufklärung anstreben. Wenn Täter identifiziert werden, dann werden wir auch gegen sie vorgehen.“

Doch das ist ziemlich schwierig, weil sich die Täter vermummen – und sich vor und nach ihren Vergehen verdeckt von großen Fahnen umziehen. Das macht es für die Polizei fast unmöglich, die Feuerwerker ausfindig zu machen. Genauso schwierig ist es, die Pyrotechnik beim Einlass aufzuspüren. Die Mengen sind nur sehr gering, und dafür gibt es am Körper genügend Verstecke, die bei einer normalen Personenkontrolle nicht zu entdecken sind. Ein Dilemma. „Eine grundsätzliche Lösung beim Problem Pyrotechnik scheint bis jetzt noch nicht gefunden zu sein“, sagt auch Hess-Grunewald.

Sperrung der Ostkurve? "Wahrscheinlichkeit wird höher"

Dabei wird der Unmut darüber immer größer – sogar bei den eigenen Fans. In Leverkusen gab es Pfiffe und Buhrufe im Werder-Block, als es wenige Meter weiter krachte und rauchte. Schließlich ist dieses Zündeln ziemlich gefährlich, nicht nur für die Personen in unmittelbarer Nähe. „Es gibt viele Fans, die den Einsatz von Pyrotechnik ablehnen. Wir bekommen sehr viele Mails und Anrufe zu diesem Thema“, berichtet Hess-Grunewald.

Eine weitere Reaktion wird bald folgen: die nächste Strafe durch das DFB-Sportgericht. Direkt nach den Vorkommnissen in Leverkusen hatte Hess-Grunewald schon befürchtet, dass es irgendwann neben einer Geldstrafe auch eine Sperrung der Ostkurve im Weserstadion geben könnte. „Mit jedem pyrotechnischen Vorfall wird die Wahrscheinlichkeit höher“, sagt der Werder-Geschäftsführer, merkt aber zugleich an: „Ich bin mir nicht sicher, ob eine solche Sanktion wirklich so nachhaltig greift wie gewünscht.“ Mainz hat auf so eine Sanktion gar nicht erst gewartet, sondern bereits mit dem Ticket-Verbot für Ultras gehandelt.
dco/kni

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