Werder weiß nach dem 1:1 gegen Stuttgart: Klassenerhalt kann nicht erspielt werden

Punkte gehen vor Schönheit

+
Philipp Bargfrede sorgt auf dem Platz wie hier gegen Ibrahima Traore für klare Verhältnisse, für seine sportliche Zukunft gilt das noch nicht. ·

Bremen - Philipp Bargfrede macht keinen Hehl daraus, dass ihm der aktuelle Werder-Fußball wie am Samstag beim 1:1 gegen den VfB Stuttgart nicht gefällt: „Wir freuen uns auch, wenn der Ball besser läuft. Natürlich müssen wir dahin kommen, spielerische Lösungen zu finden.“

Eine klare Forderung, die aber im Abstiegskampf warten muss, wie Bargfrede betont: „Im Moment zählen nur Punkte, denn die Situation ist immer noch gefährlich. Es bringt nichts, schön zu spielen und dann keine Punkte einzufahren.“

Es ist die Erkenntnis des Stuttgarts-Spiels: Werder kann sich nur zum Klassenerhalt kämpfen und nicht kombinieren. Denn zu viel Ballbesitz tut dieser Mannschaft nicht gut. Sie weiß damit nichts anzufangen. „Wir haben viel zu langsam in die Spitze gespielt“, nannte Trainer Robin Dutt eines der Hauptprobleme. Werder ist im Aufbauspiel so sehr auf Sicherheit bedacht, dass jegliches Tempo auf der Strecke bleibt. Das macht es jedem Gegner leicht.

In den vergangenen Wochen fiel das nicht auf, da schenkte Werder den Gegnern den Ball. Wie zum Beispiel Nürnberg. Der Club durfte sich mit der Kugel austoben, um dann eiskalt ausgekontert zu werden. Das ist das Bremer Spiel. Ein wenig auf Glück aufgebaut, aber durchaus von Erfolg gekrönt. Weil die Einstellung stimmt. Kampfbereitschaft und Leidenschaft sind immer da. So auch gegen Stuttgart. Nach dem 0:1 durch Georg Niedermeier (55.) stemmte sich die Mannschaft gegen die drohende Niederlage – und bewies plötzlich, dass sie nach vorne spielen kann. Die Angst vor der Niederlage machte die Bremer mutiger, das Risiko wurde erhöht, Stuttgart nach hinten gedrängt. Die Belohnung dafür gab es in der 79. Minute: Ein Freistoß von Aaron Hunt landete unhaltbar im Tor von Sven Ulreich, weil Assani Lukimya in der Mauer die nötige Lücke für den eigentlich schlecht geschossenen Ball geschaffen hatte.

„Wir haben heute auch Glück gehabt“, stellte Hunt fest und meinte damit nicht nur sein Tor: „Wir müssen ehrlich zu uns sein. Das war kein gutes Spiel. Wir hätten uns nicht beschweren dürfen, wenn wir verloren hätten.“

Doch Werder blieb wieder einmal unbesiegt – bereits zum fünften Mal in Folge. „Das ist ein Trend“, stellte Thomas Eichin zufrieden fest. Der Sportchef hätte zwar gerne drei Zähler bekommen, um die kommende Spielzeit schon besser planen zu können, „aber wir können auch mit dem einen Punkt gut leben, weil wir Stuttgart auf Distanz halten“.

Apropos Planungen: Am Saisonende laufen einige Verträge aus – auch der von Bargfrede. Und offenbar wird da gerade hart verhandelt, wie der 25-Jährige gestern andeutete: „Wir sind uns noch nicht einig.“ Das Problem: Als Bargfrede Anfang Mai 2010 seinen Vertrag um vier Spielzeiten verlängerte, stand Werder auf Platz drei der Bundesliga und war mal wieder auf dem Weg in die Champions League. Dementsprechend gut dürfte fortan Bargfredes Gehaltszettel ausgesehen haben. Inzwischen kann Werder seine Kicker nicht mehr königlich entlohnen. Das macht Verhandlungen mit Spielern, die aus der guten, alten Bremer Champions-League-Zeit übrig geblieben sind, nicht leichter.

Die Bilder vom Spiel

Werder Bremen - VfB Stuttgart 1:1

Die Noten der Spieler

Die Noten: Werder Bremen - Stuttgart

Für Aaron Hunt ist Eichin bereits an die Schmerzgrenze gegangen, hat ihm zumindest die noch gültigen Zahlen (2,6 Millionen Euro Jahresgehalt) erneut aufgetischt. Der Spielmacher soll unbedingt bleiben, ist aber trotzdem nicht zu halten (wir berichteten). Nun ist Bargfrede dran. Und der beweist gerade, wie wertvoll er als Sechser ist und wie sehr er Werder in der Hinrunde nach einer Knieverletzung gefehlt hat. Neben Geld spielt auch die Perspektive für ihn eine Rolle. Mit Abstiegskampf und unschönem Fußball will er sich abfinden: „Ich hoffe schon, dass es hier wieder bergauf geht.“ · kni

Mega-Zoff nach Ekel-Prüfung - So war Tag Zehn im Dschungelcamp

Mega-Zoff nach Ekel-Prüfung - So war Tag Zehn im Dschungelcamp

Entsetzen bei Bad Boys nach WM-Aus

Entsetzen bei Bad Boys nach WM-Aus

Retter geben Hoffnung auf Lawinen-Überlebende nicht auf

Retter geben Hoffnung auf Lawinen-Überlebende nicht auf

Verabschiedung der „Churchville"-Diakonin Sarina Salewski

Verabschiedung der „Churchville"-Diakonin Sarina Salewski

Meistgelesene Artikel

Unbequem in Unterzahl

Unbequem in Unterzahl

Werder verliert gegen Dortmund: Viel Moral, null Ertrag

Werder verliert gegen Dortmund: Viel Moral, null Ertrag

Rot für Drobny und andere Dummheiten

Rot für Drobny und andere Dummheiten

Fritz: "Müssen uns über die Niederlage ärgern"

Fritz: "Müssen uns über die Niederlage ärgern"

Kommentare