Santiago Garcia erklärt, wie links verteidigt und der BVB geärgert werden muss

„68 Prozent – das ist gut in Deutschland“

Sein Herz hängt an Werder: Santiago Garcia würde auch bei einem Abstieg in Bremen bleiben. Doch mit dem Gang in Liga zwei will sich der Argentinier erst gar nicht befassen: „Das wird nicht passieren.“ - Foto: Witters

Bremen - Von Björn Knips. Santiago Garcia kommt lächelnd zum Interview und antwortet auf die erste Frage, ohne groß zu überlegen – und zwar auf Deutsch. Der Argentinier braucht schon lange keinen Dolmetscher mehr. Er hat sich in Bremen so gut eingelebt wie selten zuvor ein ausländischer Werder-Profi. Deswegen kann sich der 27-Jährige auch noch viele Jahre in Bremen vorstellen.

Er würde mit Werder auch in die Zweite Liga gehen. Aber dazu wird es nicht kommen, ´verspricht er im Interview. Dazu erklärt Garcia, wie ein guter Linksverteidiger funktioniert und wie heute Abend (18.30 Uhr) Borussia Dortmund geknackt werden kann.

Santiago Garcia, Sie sind seit 2013 bei Werder, haben aber noch nie in Dortmund gespielt. Sind Sie schon nervös, im größten deutschen Stadion vor 80 000 Zuschauern zu spielen?

Santiago Garcia: Nervös nicht. Ich weiß schon, dass es ein besonderes Stadion ist. Ich freue mich auf die Stimmung dort.

Und sicher auch auf Dortmund, denn Ihre Bilanz ist perfekt: ein Spiel, ein Assist, ein Sieg. Sind Sie heute Werders Glücksbringer?

Garcia: Ich hoffe, aber es wird ein schwieriges Spiel.

Bei den Bayern gab es eine 0:5-Blamage, deswegen hat Trainer Viktor Skripnik gefordert, dass es die Mannschaft „ein bisschen besser“ machen muss und sich „teuer verkaufen“ soll. Reicht das im Abstiegskampf?

Garcia: Wir wissen, dass Punkte für uns wichtig sind. Und in Dortmund ist es nicht ganz so schwierig wie in München, aber das ist trotzdem die zweitbeste Mannschaft in Deutschland. Da müssen wir aufpassen.

Aufpassen, nicht überrollt zu werden?

Garcia: Daran daran darf man nicht denken – und das macht man im Spiel auch nicht. Dortmund hat viel Ballbesitz, aber wir sind sehr konterstark, das müssen wir ausnutzen.

Dortmund hat sehr schnelle Spieler wie zum Beispiel Pierre-Emerick Aubameyang. Wie kann man solche Raketen stoppen?

Garcia: In der Bundesliga sind doch alle Außenspieler schnell. Gegen Dortmund besteht vielleicht die Chance, dass diese Spieler sehr offensiv denken, sich nach hinten nicht so viele Sorgen machen. Da müssen wir schnell umschalten und unsere Chance nutzen.

Ist es eine besondere Herausforderung, gegen Stars wie Aubameyang und Co. zu spielen, weil man hinterher weiß, wie gut man wirklich ist?

Garcia: Wenn man ein gutes Spiel macht schon (lacht). Also wir müssen schon ein richtig gutes Spiel machen und mutig sein, um dort etwas zu holen.

Werder steht noch über dem Strich, also über der Abstiegszone – wie wichtig ist das auch vom Gefühl her?

Garcia: Sehr wichtig, weil du in der Woche etwas mehr Ruhe hast. Außerdem haben wir es dann immer noch selbst in der Hand. Und in unserem Stadion können wir sie alle schlagen.

Wie geht es eigentlich Ihrem Knie?

Garcia: Super, am Anfang der Saison hätte ich nicht geglaubt, dass ich alle Spiele machen kann – und jetzt habe ich fast alle Spiele absolviert. Ich bin richtig zufrieden.

Sie fehlen oft zu Beginn einer Trainingswoche, und in der Länderspielpause stehen Sie fast gar nicht auf dem Rasen. Ist das Ihr Erfolgsrezept für das Knie?

Garcia: Ja, das wurde mit unserem Arzt und unseren Physiotherapeuten abgestimmt. Mein Knie braucht eine individuelle Behandlung mit vielen Kräftigungsübungen. Nach meinen Problemen mit dem Knie brauche ich jetzt viel Muskulatur, damit es stabil ist.

Wie wichtig ist das Vertrauen in das Knie?

Garcia: Sehr wichtig. Ich habe früher schon mal zwischendurch daran gedacht, dass ich vielleicht nicht mehr spielen kann. Aber zum Glück hat alles geklappt. Ich bin zufrieden.

Sind Sie auch mit Ihrer Leistung zufrieden?

Garcia: Ich kann doch jetzt nicht sagen, ich habe gut gespielt, wenn es der Mannschaft nicht so gut geht.

Außerdem werden Außenverteidiger sehr kritisch gesehen.

Garcia: In Deutschland ist es wirklich ein schwieriger Job, Außenverteidiger zu sein. Alle Offensivspieler sind schnell und fast alle irgendwo Nationalspieler. Da musst du immer bei 100 Prozent sein.

Wie spielt für Sie ein guter linker Verteidiger?

Garcia: Du musst mehr als 68 Prozent deiner Zweikämpfe gewinnen. Das ist gut in Deutschland. Dann musst du deiner Mannschaft noch ein bisschen in der Offensive helfen. So wie ich es auf dem Platz mache (lacht).

Seit Sie hier sind, geht es jedes Jahr um den Klassenerhalt. Wie anstrengend ist Abstiegskampf?

Garcia: In diesem Jahr ist es wirklich anstrengend. Wir wissen, dass wir eigentlich eine super Mannschaft sind. Doch in der Bundesliga kann alles passieren, es müssen noch viele Mannschaften zittern. Aber wir schaffen das.

Warum?

Garcia: Habe ich doch schon gesagt: Wir sind eine super Mannschaft.

Mit super Fans, zu denen Sie eine besondere Beziehung haben.

Garcia: Das stimmt. In Bremen passt es perfekt für mich. Ich denke, die Leute mögen mich, weil ich auf dem Platz immer alles gebe.

Sie haben ein neues Hobby und tauschen Trikots mit den Fans. Wie kam es dazu?

Garcia: In Leverkusen habe ich ein Werder-Trikot gesehen, dass so ähnlich aussah wie von meinem Verein in Argentinien. Da habe ich den Fan gefragt, ob er tauschen will. Beim nächsten Spiel hat er dann mich gefragt, ob wir wieder ein Trikot tauschen können – und schon hatte ich das nächste Werder-Trikot von früher.

Und so wird es jetzt weitergehen?

Garcia: Wenn wir gewinnen, dann tausche ich immer gerne.

Sportchef Thomas Eichin hat schon vor Wochen erklärt, dass er gerne Ihren Vertrag vorzeitig über 2017 hinaus verlängern würde. Wann unterschreiben Sie?

Garcia: Wir haben schon ein bisschen darüber gesprochen, aber nicht direkt über den Vertrag. Das machen wir am Ende der Saison. Dann können wir über alles reden, denn ich bin richtig zufrieden hier in Bremen.

Würden Sie im Falle des Abstiegs auch mit in die Zweite Liga gehen?

Garcia: Ja klar, ich habe einen Vertrag. Aber das wird nicht passieren, weil wir nicht absteigen.

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