Prödl-Schock: acht Wochen Pause / Skripnik kritisiert sein Personal und fordert Neuzugänge

Verzweiflung am Osterdeich

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Die Gelbe Karte für sein Foulspiel an Haris Seferovic kann Sebastian Prödl ganz gut verschmerzen, den Innenbanteilriss, den er sich dabei im rechten Knie zugezogen hat, sicher nicht.

Bremen - Für Werder kommt es im Abstiegskampf knüppeldick. Als wäre die 2:5-Klatsche vom Sonntag in Frankfurt nicht schon schmerzhaft genug gewesen, gab es gestern den nächsten Tiefschlag: Die Verletzung von Sebastian Prödl im Spiel bei der Eintracht entpuppte sich als Innenbandteilriss im rechten Knie. Der Innenverteidiger wird acht Wochen ausfallen. Ein Schock! Damit aber nicht genug: Auch Keeper Rafael Wolf droht eine Pause – und Stürmer Franco Di Santo kehrt in diesem Jahr wohl nicht mehr zurück. Außerdem ist Viktor Skripnik sauer, dass sein Team zu fehlerhaft und ängstlich gespielt hat. Der Coach spart nicht mit Kritik. Es herrscht Verzweiflung am Osterdeich.

„Acht Wochen ohne Prödl ist echt bitter – gerade in unserer Situation, dann fragst du dich schon: ,Warum bei mir?’“, gesteht Skripnik. Der 45-Jährige hat nun überall Probleme. Im Sturm, weil es „vom Doktor keine Information gibt, dass wir Di Santo dieses Jahr noch wiederkriegen“.

Im Tor wird es heikel, weil sich Wolf gegen Frankfurt eine Beckenkammprellung zugezogen hat. Sein Einsatz am Samstag im Heimspiel gegen Hannover ist fraglich.

In der Abwehr wird Prödl dauerhaft fehlen. Immerhin kehrt der in Frankfurt gesperrte Alejandro Galvez zurück. Aber wer soll neben dem Spanier verteidigen? Sowohl Assani Lukimya als auch Luca Caldirola (eingewechselt für Prödl) enttäuschten gegen die Eintracht. „Sie haben früher gezeigt, dass sie Bundesliga spielen können. Warum können sie es jetzt nicht mehr so zeigen?“, wundert sich Skripnik und hat dafür nur eine Erklärung: „Fehlende Spielpraxis.“

Oder doch fehlende Klasse? Jedenfalls spricht Skripnik die Defizite deutlich an. Wie zum Beispiel bei Lukimya, der vor dem 0:1 Haris Seferovic nach einem Einwurf gewähren ließ. „Unser Ziel darf nicht nur der Gegner, sondern muss auch der Ball sein. Da musst du schlau sein“, findet Skripnik und ist damit längst noch nicht fertig: „Mich stört: Wir grätschen oder köpfen, egal wo der Ball dann hingeht. Dabei ist die Spieleröffnung, also die erste Entscheidung, so wichtig. Darüber reden wir seit Wochen. Klar, es gibt Situationen, da ist es heiß, da muss der Ball nur weg. Aber wir haben manchmal schon an der Mittellinie, wenn der Gegner zwei, drei Meter weg ist, Angst.“

Klar und deutlich übt Skripnik auch Kritik an Linksverteidiger Santiago Garcia: „Er braucht noch Zeit, um zu verstehen, was wir von ihm wollen. Er soll nicht nur rennen, sondern als erstes verteidigen. Er vergisst, das Auge nach hinten zu haben.“ Beim vierten Tor verpasste der Argentinier die Hereingabe – und Skripnik erinnert sich: „Da war ich echt sauer.“

Gut zu sprechen ist Skripnik auch nicht auf seinen Angriff. Der Auftritt in Frankfurt sei zwar schon mutiger und torgefährlicher als in Hamburg gewesen, aber letztlich nicht aggressiv genug. Davie Selke und Co. sollten sich, so Skripnik, Seferovic zum Vorbild nehmen, der ohne Rücksicht auf Verluste in Werder-Keeper Wolf gesprungen war und so das wichtige 2:1 erzwungen hatte. Foulspiel hin oder her.

Werder sei immer noch zu brav. Es würden echte Kerle fehlen – so wie es früher Dieter Eilts oder Torsten Frings waren, beklagt Skripnik: „Philipp Bargfrede kann so ein Typ sein. Clemens Fritz auch. Er muss im Mittelfeld noch aktiver und nicht nur in der Kabine ein Typ sein, sondern auch auf dem Platz.“

Den jungen Levent Aycicek nimmt Skripnik dagegen in Schutz: „Er muss jetzt nicht unser Leader sein.“ Von den Talenten könne man nicht erwarten, dass sie Woche für Woche konstant auf hohem Level agieren würden. Da sei Geduld gefragt. Deshalb bringt Skripnik als Ersatz auch einen erfahrenen Mann wie Ludovic Obraniak ins Gespräch: „Er ist wieder fit und eine echte Alternative.“ Möglich sei auch ein Systemwechsel: „Wir setzen nicht blind auf die Raute. Wir wollen variabel sein.“

Unabhängig davon sei aber immer voller Einsatz nötig – und den hat der Coach in Frankfurt vermisst: „Der eine oder andere meinte, er könnte etwas lockerer und nur ein Mitläufer sein. Das habe ich gesehen.“ Und das könnte durchaus Konsequenzen für die nächste Startelf haben.

Veränderungen soll es zudem in der Winterpause geben. Skripnik stellte unmissverständlich klar: „Es ist Bedarf da, es muss etwas passieren. Wir haben zwar auch gute junge Leute, aber wir sind nicht an dem Punkt, Risiko zu gehen, wir müssen nach Qualität gucken.“ Der Abstiegskampf erfordere neues, erfahrenes Personal. Wo genau, das lässt Skripnik offen.

Klingt schon etwas verzweifelt. Doch bei aller Kritik, Skripnik hat auch warme Worte für seine Spieler: „Die Mannschaft will sich ja entwickeln.“ Und sie hätte nach der 0:2-Pleite in Hamburg gegen Paderborn (4:0) die richtige Reaktion gezeigt. Das soll sich am Samstag gegen Hannover wiederholen. Das Vertrauen ist noch da – vor allem, weil es ein Heimspiel ist. „Das fällt uns im Moment leichter“, meint Skripnik und macht allen Werderanern Mut: „Es geht ganz vielen Mannschaften wie uns. Die Tabelle ist unten ganz eng. Das freut mich, denn wir sind noch dran.“

kni

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