Aufatmen im Abstiegskampf 

2:1 – Prödl köpft Werder ganz spät auf die „Pole Position“

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Sebastian Prödl (rechts) und Franco Di Santo machen sich auf den Weg, den Bremer Siegtreffer zu feiern – und Hannovers Leon Andreasen (links) ist bedient. ·

Hannover - So in Ekstase haben die Werder-Fans Sebastian Prödl selten gesehen: Nachdem Werders Innenverteidiger gestern Abend in der Schlussminute eines packenden Nordderbys bei Hannover 96 eine Ecke von Zlatko Junuzovic zum hochverdienten 2:1 (0:1)-Sieg in die Maschen geköpft hatte, gab's für den Österreicher kein Halten mehr.

Der Abwehr-Hüne sprang auf eine Werbebande vor den Gästeblock und ließ sich vom Bremer Anhang frenetisch feiern. Zurecht, denn dank Prödls Tor darf Werder im Abstiegskampf mit nun acht Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz ganz tief durchatmen.

„Ein hochemotionaler Moment“ sei das gewesen, räumte der 26-Jährige hinterher ein: „Wenn du so ein wichtiges Spiel bestreitest und so einen Nackenschlag vor der Halbzeit kriegst nach so viel Mist, den wir in der letzten Zeit zusammengekickt haben, dann tut das einfach gut.“

Mit dem Nackenschlag meinte Prödl den Rückstand durch Szalbosz Huszti per Freistoß zwei Minuten vor der Pause. Das war so bitter, denn bis dahin hatte Werder die Partie mit der besten spielerischen Leistung seit Monaten dominiert.

Die Taktik von Robin Dutt war voll aufgegangen. Der Coach hatte sein Team im Vergleich zum Wolfsburg-Spiel (1:3) gleich auf vier Positionen verändert und sich für ein 4-4-2-System mit Eljero Elia als zweiter Spitze neben Franco Di Santo entschieden. „Weil ich vorne schnelle Leute haben wollte“, erklärte der 49-Jährige. Das war nicht die einzige Überraschung. Auch die Hereinnahme des acht Wochen verletzten Santiago Garcia nach nur einer kompletten Einheit mit der Mannschaft hatte niemand erwartet. „Ich hätte zwar nicht gedacht, dass es für 90 Minuten reicht, aber er wollte einfach nicht aufhören“, merkte Dutt später sichtlich zufrieden an. Garcia hatte schließlich eine starke Partie abgeliefert.

Von Beginn war Werder im Vergleich zu den Vorwochen kaum wiederzuerkennen. Die Kugel lief so gut wie schon ewig nicht mehr. Nach schneller Kombination über Aaron Hunt und Zlatko Junuzovic bekam Kapitän Clemens Fritz den Ball, aber seinen Schlenzer entschärfte 96-Keeper Ron-Robert Zieler (13.). Auch bei einem Schuss von Hunt – schön zurückgepasst von Elia – musste Zieler sein ganzes Können aufbieten (15.). Und gegen Elia aus spitzem Winkel war er per Fußabwehr zur Stelle (17.). „Zieler hat Hannover am Leben gehalten“, fasste Junuzovic diese Rettungstaten zusammen.

Nach einer halben Stunde kam allerdings Hannover vor 49 000 Zuschauern in der ausverkauften HDI-Arena besser in die Partie – und öfter vors Tor. Jan Schlaudraff schlenzte knapp vorbei (32.). Huszti hatte mehr Glück. Nach einem unnötigen Foul von Philipp Bargfrede an 96-Kapitän Lars Stindl trat der Ungar aus halbrechter Position zum Freistoß an und durfte sich in der Mauer über eine Lücke freuen, die der herausgelaufene Garcia und vor allem der sich wegdrehende Elia geschaffen hatten. Der verdutzte Werder-Keeper Raphael Wolf machte das Bremer Unglück perfekt. „Der Ball setzt unglücklich auf, deshalb war das für mich ganz schwer zu halten“, meinte Wolf, war sich aber auch im Klaren darüber: In der Torwart-Ecke darf es eigentlich nicht rappeln.

Werder behielt die Ruhe – von der Pausen-Stimmung in der Kabine mal abgesehen, die aus „Wut und Trotz“ bestand, wie Dutt berichtete. Doch mit der Rückkehr auf den Rasen hatte sein Team die Wut in Kaltschnäuzigkeit umgemünzt: Nach einer Huszti-Ecke eroberte Junuzovic gemeinsam mit Bargfrede den Ball, passte zu Aaron Hunt im Mittelkreis, der wiederum schnell zu Elia durchsteckte – und dessen feinen Diagonal-Lupfer verwertete Franco Di Santo cool zum Ausgleich (57.).

Di Santo hätte nach einem weiteren Konter über Junuzovic auch zur Führung treffen können, köpfte aber knapp vorbei (69.). Auf der anderen Seite rettete Wolf das 1:1, als er sich in einen strammen Schuss von Leon Andreasen warf. Der Keeper musste danach sogar kurz behandelt werden. „Der Ball ging an den Kehlkopf, aber es bestand nicht die Gefahr, dass ich rausgemusst hätte“, berichtete der Torwart.

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Damit war der Weg geebnet fürs Bremer Happy End. Junuzovic zwang in der Schlussminute zunächst Zieler zur nächsten Parade. Die daraus resultierende Ecke zirkelte der Österreicher auf den kurzen Pfosten, Caldirola verlängerte – und köpfte Prödl zum zweiten Mal in dieser Woche ein. „Das Tor gegen Wolfsburg war aber nicht so viel wert, da ist dieses umso schöner“, freute sich der Abwehrchef. Gerettet im Kampf gegen den Abstieg sei Werder damit aber noch nicht. „Wir haben jetzt die Pole Position. Aber das Rennen muss erst noch zu Ende gefahren werden“, urteilte Prödl mit Blick auf Platz zwölf – und das schwere Restprogramm. Der nächste Gegner heißt schließlich Schalke. · ck

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