Torwartwechsel trotzdem ausgeschlossen

Aus Prinzip: Dutt kann Mielitz nichts garantieren

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Denkt Robin Dutt darüber nach, ob er Sebastian Mielitz noch vertrauen kann? Der Werder-Coach bietet zumindest Raum für Spekulationen. ·

Bremen - Robin Dutt hat klare Prinzipien. Dazu gehört, dass der Coach des SV Werder Bremen in Pressekonferenzen zwei Tage vor Bundesliga-Spielen auf keinen Fall preisgibt, wer in der Startelf stehen wird: „Die ist nur in meinem Kopf.“

Im Fall Sebastian Mielitz wurde ihm das gestern zum Verhängnis. Denn nach den beiden Patzern des Keepers gegen Mainz konnte er ihm öffentlich keine Einsatzgarantie geben – und das bot natürlich Raum für Spekulationen: Gibt es morgen gegen 1899 Hoffenheim womöglich einen Torwartwechsel?

„Was glauben Sie?“, fragte Dutt in die Journalisten-Runde. Eine stolze Viertelstunde lang hatte er sich zuvor dem Thema Mielitz widmen müssen – und sich selbst vor der Beantwortung dieser Frage gedrückt. Nun drehte der 48-Jährige den Spieß rum und bekam zur Antwort, dass einem angeschlagenen Torwart Rückendeckung dieser Art doch gut tun würde. Diese neuerliche Unterstützung hielt Dutt gestern jedoch für überflüssig: „Wenn ich eines gemacht habe in diesem Jahr, dann habe ich in allen Situationen zu Sebastian Mielitz gestanden.“ Das musste reichen, um den Torwart zu stützen.

Wesentlich mehr sagte der Coach zum aktuellen Gemütszustand von Mielitz. „Er ist ein junger Mensch, der immer positiv durchs Leben geht, aber wer schaut schon richtig hinter das Äußere?“ Der Coach blickte zurück: „Er muss sich seit 18 Monaten regelmäßig damit auseinandersetzen, dass er Thema ist. Das ist für einen so jungen Menschen nicht einfach.“

Gemeinsam mit seinem Trainerteam hat Dutt in dieser Woche versucht, durch Gespräche „ein Gefühl dafür zu bekommen, wie es in Sebastians Inneren aussieht“. Ein klares Ergebnis gibt es nicht. „Es ist schwer, stichhaltig zu sagen, wie es wirklich um den Menschen bestellt ist.“ Sorgen macht sich der Trainer deshalb nicht um seinen Keeper. Der 24-Jährige sei der Aufgabe gewachsen.

Auch wenn es nicht immer danach aussieht. Regelmäßig wird Mielitz’ Ausstrahlung von Fans und Experten kritisiert, „Natürlich hat die Körpersprache eine Außenwirkung – gerade beim Torwart“, gestand Dutt: „Aber ein Jens Lehmann hatte mit seinen 34 Jahren auch eine ganz andere Ausstrahlung als der Jens Lehmann, der zehn Jahre zuvor mit der Straßenbahn nach Hause gefahren ist, weil er ausgewechselt wurde.“

Der Werder-Coach setzt auf den Faktor Zeit, glaubt, dass sich Mielitz weiterentwickeln wird. Aber erzwingen will er das nicht: „Wenn ein Torhüter anfängt, daran zu denken, ob die Körpersprache gut ist, dann ist das Ding wahrscheinlich schon drin, bevor er seine Haltung eingenommen hat.“ Es werde immer extrovertierte und introvertierte Torhüter geben, betonte Dutt: „Sehen Sie Jens Lehmann und Oliver Kahn – viel unterschiedlicher konnte man eine Torhüterposition nicht interpretieren. Und beides waren Weltklassetorhüter.“

Davon ist Mielitz weit entfernt. Für ihn geht es jetzt darum, seine Bundesliga-Tauglichkeit dauerhaft zu beweisen. Nach einer ersten durchwachsenen Serie als Nachfolger von Tim Wiese war er in den vergangenen Wochen auf einem sehr guten Weg – und dabei gleich mehrfach bester seines Teams. Gegen Mainz kam der Einbruch. Nur ein schwarzer Tag, wie ihn jeder Torwart immer mal wieder erlebt? „Er muss das abkönnen, dass er sich im nächsten Spiel gleich wieder beweisen muss“, fordert Werder-Sportchef Thomas Eichin.

Alle Mann an Bord im Werder-Training

Das Hoffenheim-Spiel, aber auch die drei weiteren Partien bis zur Winterpause werden für Mielitz damit richtig wichtig. Noch scheint der Keeper bei Werder konkurrenzlos, weil Raphael Wolf gehandicapt von Verletzungen in anderthalb Jahren kaum Druck ausüben konnte. „Raphael trainiert gut, da gibt es nichts auszusetzen“, stellte Dutt gestern recht nüchtern fest – und fügte angesichts der null Bundesliga-Spiele von Wolf noch an: „Sollte der Fall der Fälle irgendwann eintreten, dass er spielt, dann müssen wir uns alle überraschen lassen.“

Eine kurzfristige Alternative ist der 25-Jährige also nicht. Eine langfristige nur vielleicht. Daher ist es nicht ausgeschlossen, dass Werder im Torwartbereich schon im Winter tätig wird – falls Mielitz sich nicht wieder stabilisiert.

„So lange einer im Tor steht, ist er die Nummer eins“, sagte Dutt gestern: „Und Mielitz hat immer bei uns im Tor gestanden. Ich kann Ihnen halt nicht versprechen, dass er die nächsten zehn Jahre spielt.“ Eine Aussage zum nächsten Spiel hätte gereicht. Doch die gab es vom Trainer nicht – aus Prinzip. · kni

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