Janek Sternberg hat eine ganz spezielle Rolle bei Werder

Plötzlich Startelf

Kommt ein Sternberg geflogen: Werder-Profi Janek Sternberg gewann gegen den BVB jeden Zweikampf – insgesamt zehn. - Foto: imago

Bremen - Janek Sternberg spielt nicht so oft bei den Werder-Profis, aber wenn, dann meistens von Beginn an. So wie am Samstag in Dortmund. Mit dem 23-Jährigen hatte wohl niemand in der Startelf gerechnet. Thomas Eichin schon. Für den Sportchef ist Sternberg ein „Paradebeispiel für unseren alternativlosen Weg“. Der sieht aus finanziellen Zwängen eben weniger Stars, dafür mehr „gute Kaderspieler“ vor, wie Eichin diese Sternbergs nennt.

„Janek kann man immer bedenkenlos spielen lassen. Er ist fit, mutig und hat keine Angst“, lobt Eichin. Wohl wissend, dass Sternberg in der Öffentlichkeit eher kritisch gesehen wird. „Das ist die typische Geschichte von Anspruch und Wirklichkeit in Bremen. Wir sind aber nicht mehr in der Champions League“, betont der Ex-Profi einmal mehr und sagt über den jungen Mann aus Bad Segeberg: „Janek ist ein norddeutscher Junge, er hat sich aus der U 23 hochgekämpft. Ich würde mir wünschen, dass so etwas hier viel mehr honoriert würde.“

Immerhin steht Sternberg bei Trainer Viktor Skripnik hoch im Kurs. Der hat ihn im Herbst 2015 aus seiner U 23 mit zu den Profis gebracht – und ihm immer wieder eine Chance als linker Außenverteidiger gegeben. Zeitweise sogar im Wechsel mit Santiago Garcia. Doch der vier Jahre ältere Argentinier ist inzwischen gesetzt. Eichin sieht Sternberg im Kampf um einen Stammplatz trotzdem nicht chancenlos: „So etwas sollte man nie ausschließen. Janek kann sich immer noch reinspielen, er ist noch jung.“

Vier Mal stand Sternberg in dieser Bundesliga-Saison in der Startelf, dazu zwei Mal im Pokal. Nur gegen Darmstadt wurde er kurz vor Schluss ausgewechselt, ansonsten spielte er immer durch. Dazu kommen noch drei Kurzeinsätze (insgesamt 55 Minuten).

Ob Sternberg damit zufrieden ist, bleibt offen. Nach dem Dortmund-Spiel ließ er nach einer Interview-Anfrage über die Medienabteilung ausrichten, dass er erst sprechen möchte, wenn er häufiger spielt. Dann dürfte es mit Aussagen von ihm allerdings schwierig werden. Denn in dieser Saison bestritt Sternberg maximal zwei Partien am Stück.

Schuld daran war auch eine Sprunggelenksverletzung zu Beginn des Jahres. Sechs Wochen fiel er aus. Dann ging es erst einmal zurück in die U 23, um in der Dritten Liga Spielpraxis zu sammeln. Beim Test am Gründonnerstag gegen den FC Groningen (3:0) gehörte Sternberg dann zu den besten Spielern – unter den Augen von Skripnik und dessen Co-Trainern Torsten Frings und Florian Kohfeldt.

Die Belohnung dafür gab es am Samstag in Dortmund. Vor immerhin 80 000 Zuschauern und zudem beim Tabellenzweiten. Eine knifflige Aufgabe. „Gegen Dortmund brauchst du außen schnelle Leute, weil dort immer viel passiert“, erklärte Skripnik anschließend seine Entscheidung für Sternberg: „Und Janek hat schnelle Füße.“ Also durfte er in der Fünferkette ganz links außen ran. Neben Santiago Garcia, den schätzt Skripnik mehr „als Strategen, der ein cleveres Stellungsspiel hat“. Beide hätten es sehr gut gemacht, lobte der Coach. Auch Eichin war zufrieden: „Janek hat einen guten Job gemacht.“

Sternberg gewann sogar alle seiner zehn Zweikämpfe. Trotzdem wird er wieder aus der Startelf fliegen. Denn im Abstiegsduell gegen Augsburg ist mehr Offensive gefragt, wird aus der Fünfer- wieder eine Viererkette. Ohne Sternberg. Damit muss er leben. Laut Eichin sei der 23-Jährige mit diesen Situationen bislang sehr professionell umgegangen. Auch das sei eine Stärke von ihm. Deshalb ist aus Vereinssicht ein Wechsel im Sommer auch kein Thema. „So einen Spieler würde ich ungerne abgeben“, sagt Eichin. Vertraglich ist er auf der sicheren Seite, der Kontrakt läuft noch bis 2017.

Es bleibt abzuwarten, was Sternberg will. Vor drei Jahren war er ablösefrei von der U 23 des Hamburger SV zu Werders Talentschuppen gewechselt. Den Sprung in die Bundesliga hat er an der Weser geschafft, immerhin schon 20 Partien im Fußball-Oberhaus absolviert, davon stolze 16 in der Startelf. - kni

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