Pizarro kann’s – und Werder jubelt

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104 Minuten Anlauf hat Pizarro, der Rückkehrer aus England, nur gebraucht, um aufzuzeigen, was Werder an ihm hat.

Bremen - Aus alt mach neu – mit diesem Rezept hat Werder Bremen gestern den ersten Sieg in der noch frischen Bundesliga-Saison eingefahren. Gegen Borussia Mönchengladbach gelang dem DFB -Pokalsieger vor 34 800 Zuschauern im ausverkauften Weserstadion ein 3:0 (2:0)-Erfolg.

Die Zutaten waren bekannte Elemente aus der Vorsaison: Claudio Pizarro und die Mittelfeld-Raute. 104 Minuten Anlauf hat Pizarro, der Rückkehrer aus England, nur gebraucht, um aufzuzeigen, was Werder an ihm hat. Bei seinem 82-Minuten-Einsatz am vergangenen Donnerstag gegen FK Aktobe war er noch torlos geblieben, gestern zeigte er dann die ganze Palette seines Könnens. Mit dem Instinkt eines Torjägers staubte der Peruaner nach 22 Minuten ab, als Gladbachs Keeper Christofer Heimeroth einen Özil-Freistoß abklatschen ließ. Das war ein Tor der Marke „Gutes-Näschen-aber-total-einfach“. Doch Treffer Nummer zwei gehörte definitiv in die Kategorie höchste Fußball-Kunst. Nach flacher Hereingabe von Clemens Fritz streichelte Pizarro den Ball mit der Hacke ins lange Eck (38.). „Ich glaube, das kann man nicht lernen“, feixte er hinterher und erklärte mit bester Laune, wie Weltklasse-Tore gemacht werden. „Wenn der Ball in den Rücken kommt, bleibt nur diese Möglichkeit. Klar, man könnte sich auch drehen, aber das dauert zu lange. Dann lieber die Hacke. Das kann nicht jeder, aber ich schon“, grinste er.

Die Noten der Bremer

Alle Spieler, alle Noten

Trainer Thomas Schaaf lachte mit. „Claudio hat eindrucksvoll nachgewiesen, wie wichtig er ist. Nicht nur wegen der Tore, auch wegen seiner Präsenz auf dem Platz. Er kann die anderen führen und mitreißen. Das sind Dinge, die er ganz selbstverständlich übernimmt“, schwärmte der Werder-Coach über den Peruaner, der gestern natürlich der Mann des Tages war.

Doch die Nachricht, dass Pizarro Tore schießen kann, löst gewiss kein Erstaunen mehr aus. Dann doch eher die News, dass Werder a) doch zu null spielen kann (was zuletzt alles andere als selbstverständlich war) und b) das System mit zwei defensiven Mittelfeldspielern erstmal wieder zur Seite gelegt hat. Gestern griff Schaaf wieder zur Variante mit der Raute – oder jedenfalls zu einem System, das dem Erfolgsmodell der vergangenen Jahre sehr nahe kam. Die „Doppel-6“ löste er auf, Torsten Frings spielte den alleinigen Abfangjäger im defensiven Mittelfeld. Vor ihm agierten Tim Borowski rechts, Marko Marin links und Mesut Özil zentral. Für Per Mertesacker war das die alte Raute, von der Schaaf glaubte, er könne sie ohne den abgewanderten Spielmacher Diego nicht mehr spielen lassen. Es geht aber doch. Das 3:0 hat es bewiesen. Und die Mannschaft war sehr zufrieden mit der Änderung. „Dass das System sofort greift, ist ja nicht verwunderlich“, meinte Mertesacker, „es ist ja seit fünf Jahren bekannt.“ Mesut Özil urteilte: „Ich glaube, dass das besser zu uns passt.“

Der Neu-Nationalspieler überzeugte dabei auch auf der Diego-Position – jedoch mit dem Makel, dass er einen vom wie aufgedreht spielenden Ex-Gladbacher Marko Marin herausgeholten Elfmeter verschoss (56.). Das war aber auch schon alles Negative, was über Özil und das ganze Team berichtet werden kann. Ansonsten lief alles glatt und viel besser als bei der 2:3-Heimpleite gegen Eintracht Frankfurt oder beim 6:3-Sieg über Fußball-Zwerg FK Aktobe.

„Das war heute ein großer Schritt nach vorne“, jubelte Kapitän Torsten Frings und stellte die Disziplin des ganzen Teams heraus: „Wir sind kein zu hohes Risiko eingegangen, hatten kaum unnötige Ballverluste und haben gut füreinander gearbeitet.“

Folge des Ganzen: Die Borussia, die ausschließlich auf Konter aus war, kam kaum zu Chancen. Ein Treffer von Karim Matmour wurde wegen angeblicher Abseitsposition nicht anerkannt (37.), in einer anderen Szene wurde der Algerier von Werder-Keeper Tim Wiese gestoppt – mit einem Panthersprung der besonderen Art (66.).

Mehr Offensivaktionen der Gäste ließ Werder nicht zu. Selbst vergaben die Bremer einen höheren Sieg. Außer Pizarro traf zwei Minuten vor dem Abpfiff nur noch Naldo – gewissermaßen zum krönenden Abschluss eines gelungenen Spiels.

Von Carsten Sander

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