Torjäger verlässt Werder / „Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht“

Pizarro beendet das lange Versteckspiel – und geht

Auf dem Weg zu einer neuen Herausforderung: Topstürmer Claudio Pizarro verlässt Werder. ·

Bremen - Jetzt ist es raus: Claudio Pizarro hat gestern den wochenlangen Eiertanz um seine sportliche Zukunft beendet – und Werder Bremen einen Korb gegeben. Der 33-Jährige lehnte das Angebot über einen neuen Zweijahresvertrag ab, wird die Bremer verlassen und heute beim Test in Cuxhaven letztmals in Grün-Weiß auflaufen.

Damit geht der personelle Aderlass bei Werder nicht nur unvermindert weiter – der Club verliert in „Piza“ auch absolute Integrationsfigur, Toptorjäger, Führungsspieler und Publikumsliebling in einer Person.

Lesen Sie hier, was Allofs über den Pizarro-Abgang sagt:

"Das muss Werder aushalten"

„Wir bedauern das sehr, sind aber auch froh, dass wir nun Klarheit haben“, erklärte Klaus Allofs. Der Werder-Sportchef und auch Trainer Thomas Schaaf hatten sich zuletzt von der Hinhaltetaktik Pizarros ziemlich genervt gezeigt. Gestern Mittag traf sich Allofs nun wie angekündigt zu einem letzten Gespräch mit dem peruanischen Nationalstürmer, um endlich eine Entscheidung zu bekommen. Die lieferte Pizarro nun – allerdings nicht zu Werders Zufriedenheit.

Schaaf hatte fast zeitgleich in einem Journalisten-Gespräch die verkorkste Saison Revue passieren lassen und immer noch leichte Hoffnung gehabt, Pizarro halten zu können. Allerdings machte der 51-Jährige auch Druck: „Wenn Claudio kein Statement abgibt, müssen wir eine Entscheidung treffen.“ Auch die hat Pizarro Werder nun abgenommen.

Pizarro-Momente bei Werder Bremen

Pizarro-Momente bei Werder Bremen

Als der Stürmer gestern Mittag das Trainingsgelände verließ, das Handy am Ohr und ein Werder-Trikot in der linken Hand, gab er sich schmallippig. „Ich spreche heute nicht – morgen“, erklärte der Peruaner und verwies auf eine für heute eigens anberaumte Pressekonferenz. Via Mitteilung des Vereins ließ Pizarro später verlauten, dass er sich die Entscheidung nicht leicht gemacht habe, „denn ich empfinde eine große Liebe für die Mannschaft und diesen Club“. Allerdings schien diese Zuneigung nicht so weit zu gehen, um das finanziell immerhin noch lukrative Bremer Angebot von rund vier Millionen Euro jährlich anzunehmen. „Wir haben unser Bemühen, Claudio zu halten, auch deutlich in Zahlen ausgedrückt. Doch er hat nun diese Entscheidung getroffen, und das müssen wir akzeptieren“, sagte Allofs. Von daher habe es auch „wenig Sinn gemacht“, noch einmal intensive Überzeugungsarbeit zu leisten.

Sie wäre auch vergeblich gewesen. Pizarro hat sich für einen Tapetenwechsel im Herbst seiner Laufbahn entschieden: „Ich möchte gegen Ende meiner Karriere noch einmal etwas anderes machen.“ Was Allofs nachvollziehen kann, „auch wenn ich das nicht gerne höre“. Vermutlich waren auch sportliche Gründe ausschlaggebend. Werder hat wieder einen internationalen Platz verfehlt. „Dass das im Gesamtpaket bei Claudio eine Rolle gespielt hat, will ich nicht ausschließen“, räumte Allofs ein.

Wohin es Pizarro verschlägt, weiß er angeblich selbst noch nicht: „Ich kann es noch nicht sagen. Ich habe einige Angebote, die ich noch mal prüfe.“

Zuletzt waren Borussia Dortmund und Schalke 04 ins Rennen geworfen worden. Vom Doublesieger hört man allerdings, dass kein Interesse bestehe. Schalke setzt generell auf eine Spitze. Und die heißt Klaas-Jan Huntelaar. Also könnte es den Stürmer auch ins Ausland ziehen. Dort sind am Wochenende die Entscheidungen über die internationalen Plätze gefallen. Gut möglich, dass Pizarro deswegen so lange gewartet hat, um sich jetzt einem Club anzuschließen, der bis zuletzt um den Einzug in die Champions League zittern musste. Wie beispielsweise Udinese Calcio in Italien, Tottenham Hotspur in England oder der FC Malaga in Spanien – bei dem ja gerade Stürmerstar Ruud van Nistelrooy (35) seine Karriere beendet hat . . .

Wo auch immer Pizarro anheuern wird – in Bremen wird der 33-Jährige eine Lücke hinterlassen, die nicht oder nur dürftig zu schließen ist. „Wir können einen Weltklasse-Stürmer wie Claudio Pizarro nicht eins zu eins ersetzen“, weiß Allofs. Die Absage seines Topmannes hat für ihn zumindest einen positiven Aspekt. Werder spart die rund vier Millionen Euro Gehalt. Geld, das in einen neuen Spieler investiert werden kann. „Es ergeben sich aus seinem Abgang für uns neue Möglichkeiten“, räumt der Sportchef ein. Nils Petersen vom FC Bayern München bleibt dabei ein heißer Kandidat.

Und Trainer Schaaf kündigte bereits an, die Planungen voranzutreiben. „Wir werden jetzt nach attraktiven Lösungen suchen“, sagte der Coach, der freilich gern weiter mit Pizarro gearbeitet hätte: „Aber wir müssen diese Entscheidung akzeptieren. · flü/mr

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