Pizarro ballert Werder zum Derbysieg

Doppelpack zum Derbysieg: Claudio Pizarro

Bremen - Dieser Mann feierte gestern Abend eine Riesenparty – und 41 600 größtenteils begeisterte Gäste waren dabei. Claudio Pizarro war der große Held im prestigeträchtigen 95. Nordderby gegen den Hamburger SV.

Der Torjäger sorgte mit einem Doppelpack (52./78.) für den Sieg und schoss Werder Bremen – zumindest vorübergehend – auf Platz zwei der Fußball-Bundesliga. Nach seinem Traumtor zum 2:0 herrschte eine fast schon meisterliche Stimmung.

Richtig heiß war’s schon vor dem Anpfiff gewesen. Beim Einlaufen der beiden Teams (und später auch in der Halbzeit) brannten Fans im HSV-Block ein gutes Dutzend roter „Bengalos“ ab.

Bei den Bremern gab’s in der Anfangself keine Überraschungen. Wie erwartet verteidigte Sebastian Prödl innen neben Andreas Wolf. Und wie erwartet gab Aleksandar Ignjovski seine Pflichtspiel-Premiere für Werder auf der linken Abwehrseite. „Er hat sich im Training hervorragend eingebracht und seine Qualitäten bewiesen. Jetzt hat er die Chance verdient, sich auch im Wettkampf zu beweisen“, erklärte Trainer Thomas Schaaf die Nominierung des immens engagierten Serben, der sich durchaus für weitere Einsätze empfahl.

Die Bilder vom Spiel

2:0-Sieg im Nordderby

Über Ignjovskis linke Seite wurde es nach acht Minuten auch erstmals gefährlich. Nach einer scharfen Flanke von Aaron Hunt klärte HSV-Kapitän Heiko Westermann per Kopf vor Marko Arnautovic. Auch bei der zweiten dicken Chance waren diese beiden Bremer beteiligt. Nach einem Hunt-Freistoß landete der Ball in der Mauer, Arnautovic nahm ihn herrlich volley – und Hamburgs Keeper Jaroslav Drobny musste nachfassen (23.). Jetzt war auch die Kulisse voll da. Die 22 Profis ließen sich zumindest eine zeitlang mitreißen, gaben mehr Gas und trugen das eine oder andere Scharmützel aus. Nach nicht mal einer halben Stunde hatte der recht kleinliche Schiedsrichter Manuel Gräfe (Berlin) bereits vier Mal Gelb gezogen – gegen die Hamburger Slobodan Rajkovic, Paolo Guerrero und Michael Mancienne sowie Werders Claudio Pizarro wegen einer vermeintlichen Schwalbe. Kurz vor der Pause erwischte es auch noch Marko Marin.

Es wurde aber nicht nur Foul, sondern auch noch Fußball gespielt. Nach einer Marin-Ecke und einem Kopfstoß von Rechtsverteidiger Sokratis hatten die Werder-Fans schon den Torschrei auf den Lippen, doch Drobny lenkte den Ball gerade noch an die Latte (38.). Der HSV hatte solche Hochkaräter nicht zu bieten, spielte seine wenigen Konter zu unsauber aus. Immerhin: Die bisherige Schießbude der Liga (14 Gegentreffer in vier Spielen) hatte in Hälfte eins geschlossen, die Gäste kamen unbeschadet in die Kabine.

Werder feiert, Hamburg zündelt

Hamburg zündelt, Werder antwortet kreativ

Kurz nach der Pause rappelte es dann zwar, doch Pizarros Kopfballtor (48.) zählte nicht. Der Peruaner soll sich bei Westermann aufgestützt haben – eine fragwürdige Entscheidung. Pizarro haderte kurz, machte dann aber weiter und belohnte sich wenig später selbst. Marin-Freistoß, Pfosten, Abpraller, Kopfball Pizarro aus zwei Metern – 1:0 (52.). Und das direkt vor der Ostkurve, die nun zu explodieren drohte.

Mit der knappen Führung im Rücken nahm Werder ein bisschen Tempo raus – und das hätte sich gegen eine lange harmlosen HSV beinahe gerächt. Keeper Tim Wiese musste gegen Petric gleich zwei Mal Kopf und Kragen riskieren, um den Ausgleich zu verhindern (73.) – und tat dies bravourös.

Auf der anderen Seite zeigte Pizarro, warum er einer der besten Stürmer der Bundesliga ist. Nach einer Hunt-Ecke nahm er den Ball mit der Brust an und nagelte ihn in den Winkel – 2:0 (78.).

Letztes Highlight der Partie: Schaaf brachte für Pizarro den 16 Monate verletzten Naldo (85.) – und das auch noch an dessen 29. Geburtstag. Ein Comeback mit Gänsehaut pur und der Schlusspunkt eines – aus Werder-Sicht – perfekten Nordderbys.

Schema: Werder Bremen - Hamburger SV 2:0 (0:0) 

Bremen: Wiese - Sokratis, Prödl, Wolf, Ignjovski - Bargfrede - Fritz, Hunt - Marin (79. Ekici) - Pizarro (86. Naldo), Arnautovic (80. Rosenberg).

Hamburg: Drobny - Mancienne, Westermann, Rajkovic, Aogo - Jarolim, Tesche - Skjelbred (76. Töre), Jansen (88. Kacar) - Petric, Guerrero.

Schiedsrichter: Manuel Gräfe (Berlin)

Tore: 1:0 Pizarro (52.), 2:0 Pizarro (78.) Zuschauer: 41.600 (ausverkauft)

Gelbe Karten: Pizarro, Marin, Bargfrede - Rajkovic, Guerrero, Mancienne (3), Jansen (2), Jarolim

Torschüsse: 21:8

Ecken: 11:6

Ballbesitz: 48:52

Prozent Fouls: 12:14

Das könnte Sie auch interessieren

Bayern-Fest bei Heynckes' Europa-Comeback - 3:0 gegen Celtic

Bayern-Fest bei Heynckes' Europa-Comeback - 3:0 gegen Celtic

Werder auf dem Freimarkt

Werder auf dem Freimarkt

NRW: 700 Polizisten stürmen Hells-Angels-Wohnungen

NRW: 700 Polizisten stürmen Hells-Angels-Wohnungen

Bild von gewildertem Nashorn ist Wildlife-Foto des Jahres

Bild von gewildertem Nashorn ist Wildlife-Foto des Jahres

Meistgelesene Artikel

Sargent verliert mit USA bei U17-WM

Sargent verliert mit USA bei U17-WM

Das passiert am Samstag

Das passiert am Samstag

Zehn Fakten zum Werder-Spiel gegen Gladbach

Zehn Fakten zum Werder-Spiel gegen Gladbach

Wohin mit Kainz? Nouri hat die Wahl

Wohin mit Kainz? Nouri hat die Wahl

Kommentare