Philipp Bargfrede im Interview

Fehlstart? „Wir sind gewarnt“

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Philipp Bargfrede hätte nichts dagegen, in einem Jahr Kapitän des SV Werder zu werden: „Ich will natürlich Verantwortung und eine Führungsrolle übernehmen.“

Bremen - Philipp Bargfrede kennt das schon: Vorbereitungszeit ist Verletzungszeit für den Werder-Profi. Schon oft haben ihn Verletzungen zurückgeworfen, teils für Monate. Da ist der aktuelle Bänder-anriss im Sprunggelenk des rechten Fußes kaum der Rede wert.

Im Interview spricht der 26 Jahre alte defensive Mittelfeldspieler dennoch drüber – außerdem über Werders Weg zur defensiven Stabilität, den Wert eines guten Saisonstarts, das Sonderlob von Trainer Viktor Skripnik und die kleine Hoffnung, dass es irgendwann doch noch heißt: Philipp Bargfrede, Nationalspieler.

Fußballer reden viel vom Rhythmus, in den sie finden müssen, um Bestleistung bringen zu können. Kostet Sie Ihre aktuelle Verletzung diesen Rhythmus?

Philipp Bargfrede: Die Verletzung stört mich natürlich, aber sie wirft mich nicht weit zurück. Den Großteil der Vorbereitung habe ich mitgemacht, konditionell bin ich voll auf Stand. Von daher bin ich da schon gut aufgestellt. Zudem hoffe ich, dass ich in der Vorbereitung noch ein paar Trainingseinheiten mitmachen kann.

Zwei Wochen Pause sind prognostiziert. Sie wären somit rechtzeitig zum Pokalspiel in Würzburg am 8. August zurück.

Bargfrede: Ich hoffe sogar, dass es gar nicht zwei Wochen dauert. Vielleicht schaffe ich es, das Testspiel bei West Ham United (2. August, d. Red.) zu bestreiten.

Coach Viktor Skripnik wird jeder Tag, den er Sie früher wieder auf dem Platz sieht, freuen. Er hat Sie neulich als „Stabilisator und Abräumer im Mittelfeld“ hervorgehoben und gesagt, Sie seien in vielen Bereichen besser als Ihre Konkurrenten. Das geht doch runter wie Öl, oder?

Bargfrede: Ich habe gelesen, was er gesagt hat. Das freut mich natürlich. Ich war mir aber auch vorher schon bewusst, dass ich ein wichtiger Teil der Mannschaft bin.

Skripnik sagte auch, Sie wären schon längst Nationalspieler, wenn Ihr Körper „perfekt“ wäre – sprich: Sie nicht so häufig und lange verletzt gewesen wären.

Bargfrede: Ach, ich weiß nicht. Von diesem Hätte, Wenn und Aber kann ich mir wenig kaufen. Klar, vielleicht wäre alles ein bisschen anders verlaufen, wenn ich konstant gesund gewesen wäre.

Trauern Sie dieser verpassten Chance auf die Nationalelf nach?

Bargfrede: Weniger. Und wenn ich mal diesen Gedanken habe, verfliegt der auch schnell wieder. Weil ich das, was gewesen ist, ja eh nicht mehr ändern kann.

Sehen Sie in der Zukunft noch eine Chance auf eine Berufung ins Team des Weltmeisters?

Bargfrede: Warum nicht? Ich bin erst 26 Jahre alt. Aber in erster Linie zählt es für mich, dass ich über einen längeren Zeitraum von großen Verletzungen verschont bleibe. Ich muss gesund sein, ich muss meine Leistung bringen. Alles andere kommt dann.

Leistungsträger sind Sie schon, Führungsspieler auch. Wann werden Sie der Werder-Kapitän? Clemens Fritz gibt die Binde nach der anstehenden Saison ab.

Bargfrede: Noch ist er der Kapitän, und das ist auch gut so. Was danach kommt, ist noch weit weg. Aber natürlich ist es so, dass einer wie ich, der lange dabei ist, auch Verantwortung und eine Führungsrolle übernehmen will.

Skripnik nennt Sie den Stabilisator, und eine große Aufgabe der aktuellen Saisonvorbereitung ist es, endlich zur defensiven Stabilität zu finden. Wie weit ist die Mannschaft schon auf diesem Weg?

Bargfrede: Wir haben schon gut an diesem Punkt gearbeitet. Die ersten Anzeichen waren gegen ordentliche Gegner wie Valencia, und Salzburg (0:0 und 4:0 in Spielen über 45 Minuten, d. Red.) schon zu sehen. Aber in drei Wochen Vorbereitung kannst du auch nicht alles verändern. Wir brauchen bestimmt noch ein bisschen Zeit, um alles weiter zu verbessern.

Die Zahlen sagen: Nur zwei Gegentore in sieben Testspielen – decken sich diese Fakten mit Ihren Eindrücken auf dem Platz?

Bargfrede: Natürlich merkt man es auch anhand der Torchancen des Gegners. Wie oft kommt er nach vorne, wie gefährlich wird es? Ich denke, das haben wir in den bisherigen Testspielen ganz ordentlich gemacht. Wir haben insgesamt wenig Torchancen zugelassen.

Ein großer Fortschritt?

Bargfrede: Ein kleiner. Wir sind noch nicht an dem Punkt, dass wir sagen können, wir hätten schon gute Schritte nach vorne gemacht. Da müssen wir die ersten Spiele in der Bundesliga abwarten, bevor wir das beurteilen können. Aber die defensive Stabilität ist auch nur ein Aspekt unserer Trainingsarbeit.

Anschwitzen fürs Testspiel gegen Blumenthal

Sie wollen auch schönen Fußball spielen, sagt Viktor Skripnik.

Bargfrede: Stimmt. In der Rückrunde der vergangenen Saison haben wir mit viel Leidenschaft und Willen überzeugt. Das müssen wir auch beibehalten – aber eben auch ausbauen und verfeinern.

Das heißt?

Bargfrede: Dass wir spielerisch mehr überzeugen, dass wir ballsicherer sind, dass wir im Kombinationsspiel stärker sind. Und eben dass wir weniger Gegentore kassieren. Alles zusammen hilft einem enorm, erfolgreicher zu sein.

Viele Fans erhoffen sich in dieser Saison eine Rückkehr ins internationale Geschäft. Sind das realistische oder überzogene Erwartungen?

Bargfrede: Nach unserer guten Rückrunde ist es aus meiner Sicht normal, dass die Erwartungen steigen. Auch bei uns Spielern. Aber bei uns denkt niemand groß darüber nach, was nach dem 34. Spieltag sein wird. Wir wollen erstmal nur einen vernünftigen Start hinlegen. Das ist extrem wichtig für uns, das hat man im vergangenen Jahr gesehen. Da hatten wir auch eine gute Vorbereitung gespielt, dann aber in den ersten neun Spielen nur vier Punkte geholt. Deshalb denkt bei uns niemand großartig über ein Saisonziel nach. Unser erstes Ziel ist es, gut zu starten. Danach können wir weitersehen.

Jagt der Fehlstart der Vorsaison immer noch Angst ein?

Bargfrede: Ich sage es so: Wir sind gewarnt. Wir müssen einfach von Anfang an voll da sein und erfolgreich sein. Gelingt der Start, fällt dir vieles leichter. Verlierst du die ersten Spiele, gerätst du in einen Sog, der dich immer weiter nach unten zieht.

Umgekehrt funktioniert das aber auch.

Bargfrede: Genau.

csa

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