Mittelfeldspieler erklärt, warum es bei ihm so gut läuft

Bargfrede im Interview: „Das gibt Kraft und pusht mich“

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Philipp Bargfrede gehört bei Werder Bremen zu den Garanten des starken Saisonstarts.

Bremen - Keiner spielt schon so lange am Stück für Werder in der Bundesliga wie er: Philipp Bargfrede. Und mit seinen 29 Jahren wird der Sechser immer wertvoller für die Bremer.

Beim 2:0-Sieg zuletzt gegen den VfL Wolfsburg war er der beste Mann auf dem Platz. Wie macht er das nur? Eine Antwort darauf gibt Bargfrede im Interview mit der DeichStube. Dabei spricht er auch über die neue Qualität der Mannschaft, sein einziges Tor im Nationaltrikot, und er gibt im Namen der Mannschaft ein Versprechen ab.

Herr Bargfrede, wissen Sie noch, was Sie am 17. November 2009 gemacht haben?

Philipp Bargfrede: Hmm, standen wir da auch sehr weit oben in der Tabelle?

Wahrscheinlich, aber an dem Tag haben Sie vor allem für Deutschland getroffen...

Bargfrede: ...im glorreichen San Marino (lacht). Per Freistoß übrigens, genau in den Winkel.

Warum schießen Sie bei Werder keine Freistöße?

Bargfrede: Da hatten und haben wir bessere Schützen, damals Naldo oder Mesut Özil, dann Zlatko Junuzovic und nun Milot Rashica oder Florian Kainz. Ich bin bei den Standards eher für hinten eingeteilt, das ist auch richtig so.

Sie haben vier Mal für die deutsche U21 gespielt, dann ging es beim DFB nicht weiter. Wenn Sie heute Länderspiele schauen, ärgern Sie sich dann, dass Sie wahrscheinlich nur wegen Ihrer häufig lädierten Knie nicht dabei sind?

Bargfrede: Nein, höchstens ein kleines bisschen. Vielleicht wäre ich ohne diese Knieverletzungen einen anderen Weg gegangen, aber ich bin einfach nur dankbar, dass ich auf diesem Niveau spielen kann.

Der damalige Sportchef Klaus Allofs hat Sie einst als nächsten Nationalspieler angepriesen, Maximilian Eggestein ergeht es jetzt ähnlich. Was macht das mit einem jungen Spieler?

Bargfrede: Jeder geht da sicherlich anders mit um. Maxi ist geerdet genug und weiß, worauf es ankommt. Er hat einen wirklich tollen Weg eingeschlagen und kann über kurz oder lang auch in der Nationalmannschaft spielen.

Wie wichtig wäre es für Maxi dabei, international zu spielen?

Bargfrede: Die Champions League ist schon ein anderes Niveau. Das gibt dir schon einen anderen Erfahrungswert.

Sie haben diese Erfahrung am Anfang Ihrer Karriere machen dürfen, profitieren Sie noch davon?

Bargfrede: Damals auf jeden Fall. Ich habe sofort gesehen, dass international noch einen Tick schneller gespielt wird, Fehler noch schneller bestraft werden. Damit lernst du umzugehen, das bringt dich weiter.

Sie sind in Topform, haben gegen Wolfsburg ein überragendes Spiel gemacht. Sehen wir gerade den besten Bargfrede aller Zeiten?

Bargfrede: Der beste Bargfrede? Ich weiß nicht. Ich fühle mich im Moment wirklich sehr gut, und das sieht man auch auf dem Platz. Ich arbeite daran, dass es so bleibt.

Was ist das Geheimnis, mit 29 Jahren so durchzustarten?

Bargfrede: Moment mal, ich bin doch im besten Fußballeralter. Du kannst viele Dinge einfach viel besser einschätzen – auch das ganze Drumherum. Und im Spiel kannst du einiges mit Auge machen.

Wenn die Drei dann vor dem Alter steht, geht es im Fußball aber schon so langsam auf die Rente zu...

Bargfrede: Und was soll Claudio Pizarro mit seinen 40 Jahren sagen? Es stimmt schon, ab 30 wird das gerne gesagt. Aber ich fühle mich einfach gut, und jeder spielt so lange, wie er kann.

Sie haben eine Spezialität, die Sie uns bitte mal erklären: Wie funktioniert eigentlich eine Balleroberung?

Bargfrede: Ich versuche, zu lesen, was der Gegner vorhat, welche Bewegungen er macht. Dann gehe ich drauf.

Bereiten Sie sich darauf mit Videos vor?

Bargfrede: Wenig. Natürlich hat jeder Spieler seine Lieblingsbewegungen, aber im Spiel sind die Situationen einfach zu unterschiedlich.

Gegen Wolfsburg wurden Sie von den Fans für Balleroberungen wie ein Torschütze gefeiert, wie kommt das in dem Moment bei Ihnen an?

Bargfrede: Natürlich kriege ich das mit. Das gibt Kraft und pusht mich.

Einmal sind Sie dann vom Schiedsrichter zurückgepfiffen worden...

Bargfrede: ...und das war niemals Foul! Ich gehe extra mit der Seite und nicht mit der Sohle zum Ball. Ja gut, Schiedsrichter sind auch nicht fehlerfrei. Ärgerlich ist es nur, dass es im Spiel mal so und mal so bewertet wird.

Netzreaktionen: Bargfrede - „Mögen seine Knie noch lange halten“

In den sozialen Netzwerken wurde Philipp Bargfredes Leistung gegen den VfL Wolfsburg besonders gewürdigt.
In den sozialen Netzwerken wurde Philipp Bargfredes Leistung gegen den VfL Wolfsburg besonders gewürdigt. © imago/osnapix
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Nervt es Sie, dass vor jedem Spiel diskutiert und geschrieben wird, ob Sie oder Nuri Sahin spielen sollen?

Bargfrede: Nein. Es zeigt doch die Qualität unseres Kaders, was wir für Möglichkeiten in dieser Saison haben. Wir können auch super von der Bank aus reagieren. Gegen Wolfsburg kommt zum Beispiel Johannes Eggestein rein und macht sein Tor.

Was zeichnet Sahin aus?

Bargfrede: Er hat eine sehr große Erfahrung und ist einfach ein sehr guter Fußballer. Wir haben beide unsere Qualitäten (lacht).

Davy Klaassen ist auch neu und fällt immer mehr auf.

Bargfrede: Weil er jetzt auch noch Tore macht. Er war aber schon vorher extrem wichtig für unser Spiel. Genauso ist es mit Yuya Osako. Das ist ein Top-Neuzugang, der vorne richtig stark spielt. Ich könnte auch noch einige andere Spieler hervorheben.

Deshalb die Frage: Ist das der beste Kader, seit Sie 2009 dazugekommen sind?

Bargfrede: Wenn man die letzten Jahre betrachtet, dann ganz sicher. Wir haben eine hohe Qualität mit vielen mannschaftsdienlichen Spielern, das ist wichtig.

Sieben Spiele, 14 Punkte, Platz vier - worauf muss die Mannschaft jetzt achten?

Bargfrede: Wir wissen doch, dass erst sieben Spieltage rum sind und es noch ein ganz langer Weg ist. Von uns lebt keiner in einer Traumwelt. Wir müssen weitermachen und siegen.

Unter Trainer Florian Kohfeldt wird sehr offensiv gedacht und auf Ballbesitz wert gelegt. Erinnert Sie das an die Zeit unter Thomas Schaaf, ist das der alte SVW?

Bargfrede: Es ist noch zu früh, das zu vergleichen. Wir stehen noch am Anfang der Saison. Natürlich besitzen wir entsprechende Merkmale, spielen phasenweise schon sehr guten Fußball, aber das müssen wir noch über einen längeren Zeitraum zeigen.

Wie nehmen Sie die Stimmung in Bremen wahr?

Bargfrede: Es ist doch klar, dass sich alle mit uns freuen. Egal, ob es die Nachbarn sind oder du beim Bäcker bist: Alle sind endlich wieder Feuer und Flamme für Werder.

Machen Sie sich keine Sorgen, dass die Stimmung wieder kippen könnte?

Bargfrede: Nein, da bin ich typisch norddeutsch. Ich nehme es, wie es kommt. Eines kann ich im Namen der Mannschaft versprechen: Wir werden uns nicht zurücklehnen!

Philipp Bargfrede: Seine Karriere in Bildern

Philipp Bargfrede ist ein echter Ur-Bremer. Seit 2004 spielt der Defensivmann schon für Werder. Mit dem Fußballspielen angefangen hatte er beim TuS 1906 Heeslingen. Seine Karriere in Bildern.
Philipp Bargfrede ist ein echter Ur-Bremer. Seit 2004 spielt der Defensivmann schon für Werder. Mit dem Fußballspielen angefangen hatte er beim TuS 1906 Heeslingen. Seine Karriere in Bildern. © Gumz
Im Alter von von 15 Jahren wechselte der defensive Mittelfeldspieler in die Jugendabteilung des SV Werder Bremen. Dort unterlief er die Teams von der U17 bis zur U19.
Im Alter von von 15 Jahren wechselte der defensive Mittelfeldspieler in die Jugendabteilung des SV Werder Bremen. Dort unterlief er die Teams von der U17 bis zur U19. © imago
2008 unterschrieb er bei den Grün-Weißen einen Profivertrag, kickte zunächst noch für die U23, absolvierte die Vorbereitung aber bereits unter Trainer Thomas Schaaf mit der ersten Mannschaft.
2008 unterschrieb er bei den Grün-Weißen einen Profivertrag, kickte zunächst noch für die U23, absolvierte die Vorbereitung aber bereits unter Trainer Thomas Schaaf mit der ersten Mannschaft. © imago
Sein Bundesliga-Debüt feierte er bei der 2:3-Auftaktniederlage gegen Eintracht Frankfurt am 8. August 2009. Bargfrede kam in der 74. Minute für Tim Borowksi ins Spiel.
Sein Bundesliga-Debüt feierte er bei der 2:3-Auftaktniederlage gegen Eintracht Frankfurt am 8. August 2009. Bargfrede kam in der 74. Minute für Tim Borowksi ins Spiel. © imago
Bis zum ersten Treffer im deutschen Fußball-Oberhaus musste sich Bargfrede aber lange gedulden. Erst am 14. Spieltag der Saison 2013/14 traf er - gegen die TSG Hoffenheim in der Nachspielzeit zum 4:4.
Bis zum ersten Treffer im deutschen Fußball-Oberhaus musste sich Bargfrede aber lange gedulden. Erst am 14. Spieltag der Saison 2013/14 traf er - gegen die TSG Hoffenheim in der Nachspielzeit zum 4:4. © imago
Apropros Hoffenheim: Die TSG ist Bargfredes absoluter Lieblingsgegner - zumindest was das Toreschießen betrifft. Viermal traf er bisher gegen Hoffenheim - so oft wie gegen keinen anderen Club.
Apropros Hoffenheim: Die TSG ist Bargfredes absoluter Lieblingsgegner - zumindest was das Toreschießen betrifft. Viermal traf er bisher gegen Hoffenheim - so oft wie gegen keinen anderen Club. © gumzmedia
In seiner Laufbahn musste der Fußballprofi allerdings auch viele Rückschläge hinnehmen. Bargfrede war schon öfter schwer verletzt. Immer wieder bereitete ihm sein Meniskus im Knie Probleme und zwang ihn zu langen Pausen.
In seiner Laufbahn musste der Fußballprofi allerdings auch viele Rückschläge hinnehmen. Bargfrede war schon öfter schwer verletzt. Immer wieder bereitete ihm sein Meniskus im Knie Probleme und zwang ihn zu langen Pausen. © imago
Doch der Mittelfeldspieler ist immer wieder stark zurückgekommen, war nach seinen Verletzungen prompt wieder bei 100 Prozent.
Doch der Mittelfeldspieler ist immer wieder stark zurückgekommen, war nach seinen Verletzungen prompt wieder bei 100 Prozent. © gumzmedia
Im März 2018 bestätigte Bargfrede gegenüber der DeichStube: „Ich bleibe bei Werder“.
Im März 2018 bestätigte Bargfrede gegenüber der DeichStube: „Ich bleibe bei Werder“. © gumzmedia

Quelle: DeichStube

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