Warum Schaaf Werder-Trainer bleibt – und das Topduo Özil/Hunt vielleicht auch verlängert

„Phantasien und Visionen“

Gestern Morgen vor dem Abflug ein gefragter Mann: Werder-Trainer Thomas Schaaf beantwortete die Fragen zu seiner Vertragsverlängerung.

Brinkum, Bremen, Bilbao – für Thomas Schaaf ging’s gestern Morgen mal wieder auf Dienstreise. Natürlich mit Werder Bremen. Mit wem auch sonst? Tags zuvor hatte er seinen im Sommer auslaufenden Vertrag um zwei Jahre verlängert. Klingt irgendwie langweilig. Denn Schaaf hat das schon so oft gemacht.

Doch vor dem Abflug zum Europa-League-Spiel in Bilbao (heute, 21.05 Uhr/SAT.1 live) demonstrierte der 48-Jährige eine Leidenschaft für seinen Job, eine Lust auf den Fußball und eine Identifikation mit dem Club, die nach über zehn Jahren im Amt äußerst bemerkenswert sind.

Und er definierte klare Ziele („Wir wollen Titel holen“) und Wünsche („Es wäre schön, wenn wir mit Mesut Özil und Aaron Hunt auch in den nächsten Jahren zusammenarbeiten könnten“). Keine Spur von Abnutzungserscheinungen, mal abgesehen von der einen oder anderen Falte mehr im Gesicht des Ex-Profis. Der legt auf Äußerlichkeiten ohnehin nicht so viel Wert. Ihm war vor seiner Unterschrift etwas anderes viel wichtiger: „Man muss das Gefühl haben, eine gute Wirkung auf die Spieler zu haben. Dass man Dinge umsetzen kann, dass sie auch angenommen werden.“ Lange musste er darüber nicht nachdenken, ein Blick auf die Ergebnisse der erfolgreichen Hinrunde reichte.

Schaaf hätte auch Marko Marin fragen können. „Der Trainer ist einfach sehr professionell und kann sehr gut mit jungen Spielern umgehen“, lobte der 20-Jährige seinen Coach. Und Naldo merkte noch an: „Thomas Schaaf ist sehr wichtig für uns Spieler und für den Verein.“

So viel Lob, so viel Bedeutung – das soll so manchem schon mal zu Kopf gestiegen sein. Bei Schaaf besteht diese Gefahr nicht. Es dauerte zwar lange, bis der neue Kontrakt eingetütet war, aber gepokert wurde nicht. „Wir hatten viel Arbeit durch die verschiedenen Wettbewerbe, deshalb war die Aktualität wichtiger als die langfristige Planung“, berichtete Schaaf. Schnell sei man sich dann einig geworden, weil alles – wie immer – passte. Und da dürfte die kolportierte Gehaltserhöhung von 1,5 auf zwei Millionen Euro im Jahr eine untergeordnete Rolle gespielt haben. Im Mittelpunkt stand die sportliche Perspektive. Schaaf sprach von „Phanta-sien und Visionen“, die weiterhin vorhanden wären und auch zu seiner Zufriedenheit angegangen würden: „Bei Werder wurde immer eine sinnvolle Politik betrieben, aber gleichzeitig auch Mut bewiesen, gewisse Dinge zu tun.“ Will heißen: Der Club greift hin und wieder auch mal etwas tiefer in die Tasche, um gutes Personal zu halten und zu verpflichten. Ein „Muss“, so Schaaf, wenn man weiter „eine führende Rolle in Deutschland und eine wichtige Rolle in Europa spielen will“.

Demnach müsste ein Verbleib von Hunt (Vertrag läuft im Sommer aus) und Özil (Kontrakt endet 2011) doch ganz oben auf der Schaafschen Agenda stehen. Das Duo gilt gerade nach der Diego-Ära als ganz wichtiger Baustein für eine erfolgreiche Werder-Zukunft. Ohne die beiden Nationalspieler würde im Sommer wieder ein Neuaufbau fällig werden. Aber Schaaf sieht das anders. Es gehe nicht um Personen, „sondern wir reden von Qualität und Klasse“. Trotzdem würde er es natürlich begrüßen, Özil und Hunt weiter im Team zu haben. Schaafs Vertragsverlängerung könnte da durchaus hilfreich sein. „Ich freue mich darüber, und natürlich hat das auch Einfluss auf meine Entscheidung“, verriet Hunt. Özil meinte immerhin: „Ich habe mich in Bremen gut entwickelt, und dabei spielt Thomas Schaaf natürlich eine große Rolle. Mit ihm macht es einfach viel Spaß.“

Der Spaßfaktor ist eine Sache, letztlich geht’s jedoch um Ergebnisse. Das weiß auch Schaaf: „Mein Hauptziel ist, so viele Spiele wie möglich zu gewinnen und, wenn es geht, auch Titel zu holen.“ Aber genauso wichtig ist ihm die Art und Weise: „Wir müssen einen Fußball zeigen, bei dem die Leute sagen: Da gehe ich gerne hin, da bin ich gerne Fan.“ Er hätte auch sagen können: Da fahre ich gerne hin, da bin ich gerne Trainer.

Bis mindestens 2012 wird Schaaf weiter zwischen seinem Wohnort Brinkum und der Arbeitsstätte Bremen pendeln. Und wenn er dann noch mal verlängert, löst er sogar Otto Rehhagel als Rekordtrainer bei Werder (14 Jahre) ab.

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