Petersen plaudert aus dem Nähkästchen

„Bei Bayern mussten wir nie vor neun Uhr aufstehen“

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Nils Petersen freut sich auf das Wiedersehen mit seinem Ex-Club Energie Cottbus.

Zell am Ziller - Nils Petersen ist ein gefragter Gesprächspartner, nicht nur bei Journalisten, sondern auch bei Teamkollegen. „Natürlich wollen viele wissen, wie es bei den Bayern ist“, berichtet die Leihgabe aus München. Und der 23-Jährige hat kein Problem damit, ein bisschen aus dem Nähkästchen zu plaudern. Er ist ein offener Typ – und er fühlt sich bei Werder sichtlich wohl. Da redet man gerne. Es bekommt ihm gut, dass er nicht mehr der Lehrling aus der Zweiten Liga ist, sondern ein fest eingeplanter Torjäger.

„Der Fuß ist lockerer im Training“, sagt er und verweist auf den geringeren Druck: „Eine junge Mannschaft verzeiht auch mal einen Fehler. In München ist das anders. Da ist das Niveau so hoch, höher geht‘s gar nicht, da darfst du dir keine Fehler erlauben. Am Ende sitzen da auch Stars auf der Bank.“ Die ist hart. Die Vorbereitung dagegen nicht. Zumindest nicht so wie bei den Bremern, sagt Petersen: „Bei den Bayern haben wir nicht so viel trainiert. Drei Mal am Tag wie jetzt hier, das habe ich da nie erlebt. Bei Bayern mussten wir auch nie vor neun Uhr aufstehen.“ Jetzt klingelt um sieben Uhr der Wecker. Kurz darauf geht‘s auf die Laufstrecke. Um 10.30 Uhr folgt die erste Einheit auf dem Platz, um 17.30 Uhr die zweite.

Bilder vom Training am Donnerstag

Werder Trainingslager - der Donnerstag

Der Dreierpack schlaucht. „Die Beine sind schon schwer“, gesteht der 23-Jährige. Andererseits ärgert er sich, dass bei den Testspielen nach 45 Minuten schon Schluss ist, der Trainer komplett wechselt. „Ich will immer 90 Minuten spielen“, sagt Petersen und seine Augen funkeln. Auf die Frage, wieviele Tore er in den drei Testspielen geschossen hat, kommt wie aus der Pistole geschossen ein „sieben“. Für Torjäger sei jeder Treffer wichtig, „egal, ob gegen die zwölfte Liga oder die Bundesliga – ich muss der Mannschaft zeigen, dass ich weiß, wo das Tor steht“.

In München konnte Petersen das nur selten. An Mario Gomez kam er nicht vorbei. Trotzdem blickt der Stürmer zufrieden zurück: „Ich habe viel gelernt.“ Dass die Bayern ihn vor der einjährigen Ausleihe nach Bremen noch mit einem neuen Vertrag bis 2015 ausgestattet haben, empfindet er als „besondere Wertschätzung für meine Arbeit“. Und als Signal, dass die Ampel für eine Rückkehr nicht auf Rot steht. Aber auch nicht auf Grün, wie er klarmacht: „Wenn ich hier nur fünf Tore mache, brauchen wir uns darüber nicht zu unterhalten.“ Das kann er beeinflussen, andere Dinge weniger. „Bayern hat einen neuen Manager. Und zu 99 Prozent gibt es in einem Jahr einen neuen Trainer. Da muss man abwarten, wie die denken“, sagt Petersen und fügt noch an: „Na ja, und wenn die Bayern eine dritte Saison ohne Titel hinlegen, was ich nicht glaube, dann wird es auch nicht einfacher. Dann setzt man selten auf junge Spieler.“

Klare, ehrliche, vernünftige Worte, die auch zu seiner Spielweise passen. Petersen mag es schnörkellos, braucht nicht die große Show, er braucht nur Tore. „Dass ich sofort getroffen habe, gibt mir Sicherheit. Bei allem Respekt vor den Gegnern, aber gegen solche Mannschaften sind für mich Tore Pflicht.“ Auch heute gegen Cottbus? „Das ist der erste Härtetest“, weicht Petersen aus. Das Spiel gegen den Zweitligisten um 17 Uhr im Parkstadion von Zell am Ziller „ist etwas ganz Besonderes für mich“. In Cottbus ging sein Stern auf. Dort wurde er Torschützenkönig. Dort holten ihn die Bayern vor einem Jahr weg. „Ich habe noch großen Kontakt, leider nur telefonisch.“ Am meisten freut sich Petersen auf das Wiedersehen mit Julian Börner, „einen meiner besten Freunde“.

Freundschaften hat er in Bremen zwar noch nicht geschlossen, „aber ich habe mich schon gut integriert. Wir haben eine junge Mannschaft, da ist das einfach.“ Ein Haus hat er in der Hansestadt auch schon gefunden. In München langte es nur zu einer Wohnung, von der er sich noch nicht trennen mag. Er ist eben vorerst nur auf Zeit weg. Aber in der täglichen Arbeit spiele das keine Rolle, und auf seinen Status habe das überhaupt keinen Einfluss. „Ich bekomme hier das Gefühl vermittelt, dass ich gebraucht werde. Das ist angenehm und das ist neu für mich. In Jena, Cottbus und Bayern musste ich mich immer erst hinten anstellen.“

Bei Werder ist er ganz vorne – als einzige Sturmspitze. „Die Rolle mag ich“, sagt Petersen. Dass möglicherweise noch ein Konkurrent verpflichtet wird, lässt ihn kalt: „Der Verein kann auf Einzelschicksale keine Rücksicht nehmen. Wenn noch ein Stürmer mit Riesenqualität kommt, dann muss ich mich eben gegen ihn behaupten und noch mehr steigern.“ kni

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