„Extreme Erleichterung“: Werder kann noch siegen

Der perfekte Befreiungsschlag

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Robin Dutt ballt die Siegerfaust. Aber der Sieg in Braunschweig ändert nichts an seiner Einschätzung: „Wir stehen vor einer schweren Saison, müssen um jeden Punkt fighten.“ ·

Werder-Bremen - Mit dem Jubeln ist es wie mit dem Radfahren und anderen schönen Sachen: Egal, wie lange das letzte Mal auch her ist, man verlernt es nicht. Zu beobachten war dies bei den Spielern von Werder Bremen. Ein halbes Jahr hatte es für sie keinen Grund gegeben, Erfolge zu bejubeln – bis Samstag, bis der 1:0 (0:0)-Sieg bei Aufsteiger Eintracht Braunschweig feststand. Danach ging’s ab.

Alle lagen sich in den Armen, feierten sich gegenseitig und mit den mitgereisten Fans. „Ich hätte zehn Stunden vor unserer Kurve schreien können“, sagte ein für Momente euphorisierter Zlatko Junuzovic, der mit seinem Tor die schwarze Bremer Serie beendet und für einen erfolgreichen Werder-Start in die neue Bundesliga-Saison gesorgt hatte.

Endlich gewonnen – seit dem 9. Februar (4:1 beim VfB Stuttgart) mussten die Bremer auf dieses Gefühl in einem Pflichtspiel warten. „Eine unfassbar lange Zeit“, meinte Trainer Robin Dutt, der selbst nur eine kurze Spanne durchleiden musste. Nach 13 Partien in der Vorsaison unter Thomas Schaaf und seinem Trainerteam kam noch eine Pokalpleite unter Dutt hinzu – doch jetzt ist der Spuk vorbei. „Eine extreme Erleichterung“ fühlte Junuzovic deshalb: „Das kann man gar nicht beschreiben.“

Die Bilder nach dem späten Treffer des Österreichers (82.) und nach dem Abpfiff sagten allerdings auch mehr als tausend Worte. Hüpfende Spieler, lachende Spieler, vor Glück zu Boden sinkende Spieler – alles war dabei. Und vor der Trainerbank fielen sich Dutt und Sportchef Thomas Eichin in die Arme. Große Emotionen, die verdeutlichten, wie gewaltig der Druck nach dem Pokal-Aus beim Drittligisten 1. FC Saarbrücken schon im ersten Punktspiel der Saison war. „Wir wissen doch, was losgewesen wäre, wenn wir verloren hätten. Es war ja schon wieder negative Stimmung aufgekommen“, sagte Eichin, der nach einem halben Jahr als Sportchef nun auch weiß, wie sich ein Werder-Sieg anfühlt: „Aber ehrlich: An meine Serie habe ich nicht gedacht. Wichtig ist nur, dass die Mannschaft endlich wieder ein Erfolgserlebnis hatte.“

Allerdings hätte es vor 23 000 Zuschauern im Eintracht-Stadion auch anders ausgehen können. Im ersten Bundesliga-Spiel auf Braunschweiger Boden seit 28 Jahren waren die Bremer in der ersten Halbzeit zwar optisch überlegen, zwingende Akionen hatten sie aber nicht zu bieten. „Wir haben zu wenig aus unserem Ballbesitz gemacht“, monierte Robin Dutt. Und als die zunächst passiv-defensive Eintracht nach der Pause stärker und offensiver wurde, traten bei Werder alte Probleme auf. „Wir sind in die Bredouille geraten“, räumte Verteidiger Sebastian Prödl ein, sagte aber auch: „Am Ende war der Sieg eine Willensleistung. Die ersten drei Punkte sind ganz wichtig für uns – und in ein paar Tagen fragt schon niemand mehr, wie der Sieg zustande gekommen ist.“

Gestern war das noch anders. Denn es galt zu klären, ob Prödls langer Ball auf Junuzovic als Vorbereitung des Siegtreffers eine gewollte Aktion war oder der pure Zufall. „Ein gezielter Ball“, beteuerte Prödl und erklärte: „Wir haben in der Halbzeit darüber gesprochen, dass Braunschweig bei Ballbesitz weit aufrückt. Und ich habe Zlatko im Augenwinkel gesehen, den Ball dann auf Verdacht nach vorne gehauen.“ Also: Halb gewollt, halb Glück – und in jedem Fall ein perfekter Bremer Befreiungsschlag.

Die Bilder vom Spiel

Bremen gewinnt 1:0 in Braunschweig

Das Glück hatte den Bremern auch zuvor beim fulminanten Lattenschuss des Braunschweigers Ken Reichel (64.) geholfen. Und als Luca Caldirola mit einer Rettungstat auf der Linie die letzte Braunschweiger Chance vereitelte (88.), war allen klar, dass dieser Tag der Tag war, auf den sie lange gewartet hatten. Nicht gut gespielt, trotzdem gewonnen. „Es war ein dreckiger Sieg, genau das, was wir gebraucht haben“, fasste Junuzovic die Partie zusammen. „Endlich haben wir mal eines dieser Spiele auf Augenhöhe gewonnen“, atmete auch Stürmer Nils Petersen auf: „Da lösen sich Blockaden im Kopf. Aber natürlich können wir jetzt nicht gleich von einer Riesenwende sprechen.“

Die Spieler in Noten

Werder Bremen in Braunschweig: Die Noten

So sieht es auch Robin Dutt und warnte davor, das Ergebnis „zu hoch zu hängen. Es war ein wichtiger Schritt für unsere Emotionen und das Stimmungsbarometer“, sagte der 48-Jährige: „Aber es ist keine Frage, dass wir vor einer schweren Saison stehen. Wir werden um jeden Punkt fighten müssen.“ Auch am Samstag. Dann kommt im FC Augsburg ein Team ins Weserstadion, gegen das Werder in der Liga noch nie gewonnen hat. Zeit, dass die nächste Serie endet. · csa

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