Werder atmet nach dem 4:0 über M’gladbach auf: „Wir haben die richtige Reaktion gezeigt“

Pendler zwischen den Extremen

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Abfeiern nach der Wiedergutmachung. Die Werder-Profis haben sich gegen Borussia Mönchengladbach von ihrer Schokoladenseite präsentiert. ·

Bremen - Es ist ein von Trainern und Managern gern ge-sungenes Klagelied im Profi-Fußball. Es richtet sich an Medien, an Fans, und der Refrain geht so: „Alles wird immer nur schwarz oder weiß gesehen.“ Am Samstag, nach dem 4:0 (2:0)-Sieg von Werder Bremen über Borussia Mönchengladbach, waren Coach Thomas Schaaf und Geschäftsführer Klaus Allofs kurz versucht, den Evergreen anzustimmen. Es blieb aber bei Ansätzen.

Denn der eigentliche Pendler zwischen den Extremen ist die Mannschaft. Gestern noch gnadenlos schlecht, heute überragend gut. Und morgen? Es will nicht so recht klar werden, wer oder was dieses Werder Bremen eigentlich wirklich ist.

Werder Bremen gegen Borussia Mönchengladbach

Werder Bremen gegen Borussia Mönchengladbach

Dem – von allen Seiten als katastrophal eingestuften – 1:3 beim FC Augsburg folgte am Samstag der Erfolg über die Fohlenelf, der den Beinamen Gala absolut verdiente. Er könne „auch nach intensiverer Suche“ nicht viel finden, was er auszusetzen hätte, sagte Allofs. Schaaf sprach von einem „Superspiel“, er sei „sehr zufrieden“. Irgendwie hat es der Trainer geschafft, die Mannschaft in der Zeitspanne zwischen zwei Spieltagen aus der Tiefe einer vermeintlichen Krise zu zwar geahnter, aber nicht so schnell für möglich gehalter Spitzenleistung zu führen. Das freute die Fans im Stadion, die das 4:0 über Lieblingsgegner Gladbach (nunmehr seit 25 Jahren ohne Sieg in Bremen) ausgiebig feierten. Und es freute alle Beteiligten. Denn das unbequeme, Furcht verbreitende Leben im Tabellenkeller bleibt Werder (vorerst?) erspart. Die Mannschaft machte nicht nur leistungsmäßig einen Sprung, sondern verbesserte sich dank der Tore von Nils Petersen (37.), Marko Arnautovic (45.), Niclas Füllkrug (76.) und Zlatko Junuzovic (86.) von Rang zwölf auf Platz neun. „Das war ein wichtiges Spiel für uns, weil zuletzt Kritik aufgekommen war – zurecht vielleicht. Wir haben aber eine großartige Reaktion gezeigt“, meinte Ersatz-Kapitän Aaron Hunt und verkündete: „Augsburg ist jetzt abgehakt.“

Doch genau das soll es laut Thomas Schaaf nicht sein. Die Erinnerungen an die dort gemachten Fehler können auch künftig helfen – als Langzeit-Lerneffekt. Die mannschaftlich geschlossene und kämpferisch starke Leistung gegen am Ende völlig konfuse Borussen soll der erste Schritt auf ein höheres Level gewesen sein. „Aus Dingen, die richtig weh getan haben, wird schneller gelernt“, sagte Schaaf und blickte auf die Partie am Samstag beim Bundesliga-Vorletzten Greuther Fürth voraus. Von der Ausgangslage her ist das Match gewissermaßen „Augsburg reloaded“, das Ergebnis soll jedoch anders ausfallen. Schaaf: „Ich glaube, dass wir so etwas in dieser Form nicht wieder zulassen werden. Aber gefeit sind wir davor nicht.“

Die Noten der Spieler

Werder - Gladbach: Die Einzelkritik

Der Nachsatz ist natürlich den Erfahrungen aus den ersten acht Spieltagen geschuldet. „Es geht“, fasst Schaaf das Erlebte zusammen, „immer hoch und runter. Die Ausschläge sind zu hart.“ Gegen Gladbach ging es allerdings in die gute, die vom Trainer gern gesehene Richtung: „Jetzt müssen wir uns auch auf einem besseren Niveau festigen, die Ausschläge nach unten minimieren.“

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Das ist die Aufgabe für Fürth. „Wir müssen nachlegen“, forderte Hunt. „Wir wollen eine Serie starten“, verkündete Nils Petersen: „Wer ins obere Tabellendrittel will, muss auch mal zwei Spiele hintereinander gewinnen – minimal.“ Das ist den zwischen schwarz und weiß hin und her springenden Bremern bisher nicht gelungen. Und niemand mag eine Garantie darauf geben, dass es fortan glatter und beständiger weitergeht. Skepsis sei weiterhin geboten, so Allofs, der Woche für Woche auf das Potenzial der Mannschaft verweist: „Die Frage ist nur, wie oft sie das Potenzial abrufen kann. Das entscheidet darüber, wo wir am Ende landen werden.“ Aber der 56-Jährige glaubt an die mental „positive Verstärkung“ durch das 4:0 und den nächsten Erfolg bei Aufsteiger Greuther Fürth: „Ich sehe es so: Die Wahrscheinlichkeit, dass wir es in Fürth besser lösen als in Augsburg, ist gestiegen. Angst vor einem Rückfall habe ich nicht.“ Pause für die Pendler? Werder wünscht sich nichts mehr als das. · csa

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