Heimspiel für die Österreicher Prödl und Arnautovic mit vielen Unterschieden und einem kleinen Eklat

Nur der Pass ist gleich . . .

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Prödl und Arnautovic sind Österreicher und bei den einheimischen Medien im Trainingslager in Bad Waltersdorf natürlich besonders gefragt. Und sie nutzten beide die Gelegenheit, ihr Image weiter zu pflegen. Anschließend machte ihnen dann Coach Thomas Schaaf ordentlich Dampf.

BAD WALTERSDORF · Nur mal angenommen, also rein hypothetisch: Sebastian Prödl und Marko Arnautovic würden um dieselbe Frau werben: Dann wäre Prödl der herzlich willkommene, weil perfekte Schwiegersohn und Arnautovic der skeptisch beäugte, weil etwas überhebliche Typ. Unterschiedlicher können Menschen kaum sein, aber gemeinsam mussten die beiden Profis von Werder Bremen gestern Rede und Antwort stehen.

Denn Prödl und Arnautovic sind Österreicher und bei den einheimischen Medien im Trainingslager in Bad Waltersdorf natürlich besonders gefragt. Und sie nutzten beide die Gelegenheit, ihr Image weiter zu pflegen. Anschließend machte ihnen dann Coach Thomas Schaaf ordentlich Dampf.

Während Prödl höflich in die Journalistenrunde lächelt, schaut Arnautovic ziemlich genervt. 20 Minuten soll das Frage-Antwort-Spiel dauern. „Puuuuh“, stöhnt der 6,5-Millionen-Euro-Einkauf. Aber dann legt er los – mit einer beeindruckenden Klarheit in seinen Aussagen. „Ich bin noch nie in meinem Leben so viel gelaufen wie hier bei Werder“, stöhnt der 21-Jährige. Sein Image, als schwieriger Typ zu gelten, kennt er, es interessiert ihn aber nicht: „Die meisten Leute wissen doch gar nicht, wie ich wirklich bin.“

Das ist Marko Arnautovic

Das ist Marko Arnautovic

Dass von ihm als Neuzugang, der vergangene Saison von Twente Enschede an Inter Mailand ausgeliehen war, besonders viel erwartet wird, steckt er locker weg: „Ich bin ein Mensch, der mit Druck umgehen kann.“ Und es macht ihm auch nichts aus, es sich möglicherweise mit einer ganzen Nation zu verscherzen. „Meine Mutter ist Österreicherin, mein Vater Serbe. Bei uns zu Hause sprechen wir serbisch, bei uns ist alles serbisch. Es wäre ein Traum für mich, für Serbien zu spielen. Aber das geht ja nicht mehr, weil ich schon für Österreich gespielt habe“, sagt er – und die einheimischen Journalisten schauen sich verdutzt an. Sie fragen sicherheitshalber noch einmal nach, ob Arnautovic überhaupt noch Lust verspürt, für die Alpenkicker aufzulaufen. „Natürlich“, versichert er: Wenn Österreich mich ruft, dann spiele ich.“

Bei diesem Arnautovic klingt alles so selbstverständlich. Wie auch der Umgang mit der Familie. „Meine Eltern und mein Bruder leben bei mir. Ich will das so, und in Wien haben sie ja auch nichts mehr verloren. Sie sollen alles mit mir erleben“, stellt der 21-Jährige klar und lehnt sich zufrieden zurück.

Prödl hat natürlich auch Familie, und die lebt – genauso natürlich – in Österreich, wie er extra anmerkt. Es käme ihm nicht in den Sinn, dass seine Eltern mit ihm ziehen müssten, „sie stehen auch so hinter mir und unterstützen mich“. Prödl ist der Normale, Prödl ist der beliebte Nationalspieler, Prödl ist der Realist, der sich nach drei Jahren weiterhin hinter Per Mertesacker und Naldo einsortiert, „einem der besten Innenverteidigers-Duos“ in Europa, wie er fast ehrfurchtsvoll sagt. Und der 23-Jährige ist einer, der auch sehr gut den Unterschied zwischen sich und Arnautovic beschreiben kann: „Ich kann hinten nicht so Harakiri spielen wie er vorne. Da muss Marko einfach etwas Ungewöhnliches probieren, in die Dribblings gehen, um sich durchzusetzen. Und so etwas spiegelt sich dann vielleicht auch im Privaten wider. Das ist nichts Schlimmes.“ Findet auch Arnautovic: „Du bist wie du bist und musst nach außen nicht anders sein. Und Sebastian ist eben eher der ruhige Typ.“

Offenbar etwas zu ruhig, wie kurz darauf Thomas Schaaf feststellt. Der Coach soll für noch mehr Klarheit beim Thema „Österreicher bei Werder“ sorgen. Und er tut das mit deutlichen Worten zu Prödl: „Er muss sich in seinem dritten Jahr bei uns platzieren und zeigen, dass er unbedingt spielen will, egal, wer da vor ihm ist. Er darf nicht glauben, nur dabei zu sein, wenn einer ausfällt. So ist das nicht gedacht.“

Bei Arnautovic muss sich Schaaf beim Thema Stammplatzsucht keine Gedanken machen, dafür aber bei körperlichen Dingen: „Er hat fast ein Jahr in Mailand kaum gespielt. Da fehlt ihm etwas. Damit er seine besonderen Fähigkeiten wirklich entfalten kann, müssen wir ihn richtig fit kriegen.“ Dabei würde Arnautovic „voll mitziehen“. Und auch in der Charakterfrage hat Schaaf bislang nur eine Antwort: „Ich kann nicht bestätigen, dass er vom Typ her nicht einfach sein soll. Er versucht, unsere Philosophie zu verstehen.“

Natürlich ist auch Schaaf nicht entgangen, dass Prödl und Arnautovic grundverschieden sind: „Basti ist eher introvertiert, Marko geht mehr aus sich heraus, braucht auch mehr die Öffentlichkeit – und spielt dan auch damit.“ Im Prinzip ist das Schaaf völlig egal, so lange die Leistung auf dem Platz stimmt. Denn einen Schwiegersohn sucht er in den Reihen seiner Mannschaft ganz sicher nicht . . .

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