Österreicher sieht sich nicht in der Krise, gesteht aber: „Standards sind schlecht“

Junuzovic: „Schaut euch einfach die Statistik an“

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Gereizt: Werders Mittelfeldmann Zlatko Junuzovic gestern im Mediengespräch.

Bremen - Normalerweise ist Zlatko Junuzovic ein ganz umgänglicher Typ. Stets freundlich gibt der Österreicher gerne und ausführlich Auskunft über Themen rund um Werder Bremen. Gestern jedoch war das völlig anders.

Ungewohnt gereizt und kurz angebunden präsentierte er sich nach dem Vormittagstraining den Journalisten. Die wachsende Kritik an ihm setzt Junuzovic offenbar ziemlich zu, wühlt ihn auf. Und sie ist nur in Teilen gerechtfertigt, findet er. Vor dem Dortmund-Spiel (1:3) hatte Sportchef Thomas Eichin via „Bild“ eine zielstrebigere Spielweise vom 28-Jährigen eingefordert. Junuzovic hat es vernommen – und es wird ihn gewurmt haben. Nach der Partie wollte er nichts sagen, gestern bezeichnete er die Angelegenheit dann als abgehakt: „Wir haben darüber geredet.“

Statt auf Eichins Worte einzugehen, schlüpfte der Mittelfeldmann in die Rolle des Verteidigers und hielt ein Plädoyer für sich selbst. „Ihr liebt doch Statistiken, schaut sie euch einfach an“, zischte Junuzovic. Und das nicht ein Mal, sondern knapp 20 Mal. Immer der gleiche Satz – damit wollte er eindringlich klarmachen, dass seine letzten Auftritte doch eigentlich gar nicht so schlecht waren: „Ich weiß ja, was ich im Spiel gemacht habe.“ Der Blick auf die nackten Zahlen bestätigt ihn sogar teilweise: In den vergangenen beiden Heimspielen gegen Dortmund und davor gegen die Bayern (0:1) war Junuzovic, dem im September ein schwerer Infekt zu schaffen gemacht und ihm viel Kraft geraubt hatte, der lauffreudigste Spieler auf dem Platz. Seine Zweikampf- und Passquoten waren ebenfalls okay. Die Fitness scheint kein Problem mehr zu sein.

Und doch ist der österreichische Nationalspieler längst nicht mehr so auffällig wie in der Vorsaison – vor allem, weil seine schärfste Waffe (die Standardsituationen) ziemlich stumpf geworden ist. 15 Tore bereitete er in der Vorsaison vor, in dieser erst eines. „Die Gegner haben sich darauf eingestellt und Methoden, defensiv kompakter zu stehen. Aber, klar: Eckbälle und Freistoßflanken, das muss besser werden. Da muss mehr kommen. Die sind schlecht, die gehen nicht, die muss ich besser schießen“, räumte Junuzovic ein. Doch wie? Mehr Schnitt, höher, flacher? „Sie müssen einfach besser in die Mitte kommen“, sagte er lapidar: „Das ist alles.“

Aus direkten Freistößen hat Junuzovic in der vergangenen Saison fünf Tore gemacht – in dieser Spielzeit noch keines. „Wir müssen aber auch erst mal welche kriegen. Ein, zwei hatten wir vielleicht erst“, meinte er. Doch die waren ungefährlich. Ähnlich wie Junuzovics gesamtes Spiel. Als linker Außenmann der Bremer Mittelfeldreihe ist er auffällig selten an entscheidenden Aktionen beteiligt, bereitet wenig Chancen vor und kommt kaum mal selbst zum Abschluss. Das liege auch an Werders extrem defensiver Ausrichtung in den vergangenen Wochen. „Wir spielen unser System. Da kommt man nicht so oft nach vorne. Wir haben nicht 20 Torchancen pro Spiel, sondern zuletzt zwei, drei. So defensiv zu spielen, ist für keinen Offensivspieler schön“, meinte Junuzovic, der aber auch in diesem Punkt leichte Selbstkritik anklingen lässt: „Ich brauche mehr Zug zum Tor, mehr Sprints nach vorne in die Räume.“

mr/phi

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