Obraniaks Abschied am wahrscheinlichsten / Di Santo ist eigentlich noch nicht teuer genug

Wer soll Werder das schnelle Geld bringen?

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Franco Di Santo wird wohl noch eine Saison bleiben.

Bremen - Der Gong zur letzten Runde ist ertönt – die Sommer-Transferperiode geht in ihre Schlusswoche. Und Werder ist mittendrin – trotz des Sparkurses oder wahrscheinlich genau deswegen. Denn Sportchef Thomas Eichin hat vom Aufsichtsrat den klaren Auftrag bekommen, dass in der Bilanz am Ende der Saison eine schwarze Null stehen soll (wir berichteten). Das geht nur durch Verkäufe.

Berichte, dass Werder in dieser Spielzeit auf ein weiteres Acht-Millionen-Euro-Minus zusteuert, bezeichnet der Vorsitzende der Geschäftsführung, Klaus Filbry, allerdings als „reine Spekulation“. Es muss also nicht die halbe Mannschaft zu Geld gemacht werden. Es besteht sogar die Möglichkeit, dass bei guten Verkäufen Neuzugänge kommen – als Ausleihe. Vielleicht hilft dabei auch die Kooperation mit Juventus Turin.

Eichin lässt sich dabei nicht in die Karten blicken und sagt nur: „Ich mache meinen Job und bin auf alles vorbereitet.“ Gemeinsam mit Rouven Schröder und Frank Baumann prüft er Angebote. In Absprache mit der Geschäftsführung und natürlich Trainer Robin Dutt wird dann kurzfristig entschieden, wer verkauft wird. Kandidaten dafür gibt es einige, aber nur bei einem ist ein Abschluss auch wahrscheinlich. Eine Übersicht:

Ludovic Obraniak

Ludovic Obraniak gilt als Verkaufskandidat.

Der Franzose, der für Polen spielt, hat selbst schon mit einem Wechsel kokettiert. Wenn Werder den vom Fanportal „transfermarkt.de“ bestimmten Marktwert von vier Millionen Euro für den 29-Jährigen bekommen würde, wäre Obraniak längst verkauft. Doch die Angebote aus Frankreich liegen weit darunter – sogar noch unter den zwei Millionen, die Eichin im Januar an Girondins Bordeaux bezahlt hat. Dieses Geld will Werder in etwa wiederhaben – und da es mehrere Interessenten gibt, sind die Aussichten gar nicht so schlecht.

Wechselfaktor: 80 Prozent

Eljero Elia

5,5 Millionen Euro Ablöse hat Werder vor zwei Jahren für den Niederländer an Juventus Turin überwiesen. Und in fast jeder Transferperiode wurde seitdem spekuliert, wieviel die Bremer davon durch einen Verkauf noch retten könnten. Denn Elia galt als Flop. Eine Leistungsexplosion hat zwar nicht stattgefunden, aber der 27-Jährige funktioniert im Angriff immerhin so gut, dass die Bremer einen Verkauf nicht unbedingt als sinnvoll ansehen. Denn eine Ablöse von über drei Millionen Euro ist unwahrscheinlich. Zusammen mit dem Gehalt (zwei Millionen im Jahr) läge die Ersparnis zwar bei fünf Millionen Euro, aber für dieses Geld oder sogar weniger einen adäquaten Ersatz (inklusive Ablöse, Gehalt und Handgeld) zu bekommen, ist nicht einfach. Darauf zu wetten, dass Elia bleibt, ist allerdings auch gewagt.

Wechselfaktor: 30 Prozent

Sebastian Prödl

Abwehrchef, Vizekapitän – lässt man so einen Spieler ziehen? Wenn der Profi es will und ein gutes Angebot reinkommt, kann das passieren. Zumal es im Abwehrzentrum viele Alternativen im Kader gibt. Und der 27-Jährige lässt die Tür selbst offen, indem er das vorliegende Angebot zur Verlängerung seines nach dieser Saison auslaufenden Vertrages einstauben lässt. Wenn der Österreicher irgendwo international spielen kann, dann wird er ins Grübeln kommen. Nur muss es so einen Interessenten auch erst einmal geben.

Wechselfaktor: 25 Prozent

Zlatko Junuzovic

Auch sein Vertrag läuft am 30. Juni 2015 aus, auch der 26-Jährige hat das Angebot des Clubs nur gelesen und nicht unterschrieben. Dabei hat Trainer Robin Dutt wirklich Überzeugungsarbeit geleistet, den Österreicher auf dessen Lieblingsposition als Spielmacher eingesetzt. Überzeugt hat Junuzovic dort nicht. Er dürfte wieder zur Allzweckwaffe werden. Ob ihm das reicht? Fraglich ist allerdings auch, ob es überhaupt Interessenten gibt. In der Gerüchteküche tauchte sein Name bislang nicht auf.

Wechselfaktor: 15 Prozent

Nils Petersen

Bremens bester Torjäger in den beiden vergangenen Spielzeiten ist er nur noch die Nummer fünf im Werder-Sturm – und das sogar hinter Nachwuchsmann Davie Selke. Das riecht eigentlich nach Abschied. Doch der 25-Jährige betont: „Ich will nicht weg.“ Und Werder wird wohl auch keinen Druck ausüben, da die erst vor einem Jahr gezahlte Ablöse von vier Millionen Euro im Moment bei weitem nicht refinanzierbar ist.

Wechselfaktor: 10 Prozent

Franco Di Santo

Der Prototyp des von Eichin beschworenen Mehrwertspielers. Der Argentinier kam ablösefrei und soll Werder irgendwann eine ordentliche Transfersumme einbringen. Schon nach seiner ersten Saison mit eigentlich enttäuschenden vier Toren in 23 Bundesliga-Spielen ist sein Marktwert gestiegen. Auch dank seiner Berufung in Argentiniens vorläufigen WM-Kader. Schon jetzt gibt es Interessenten für den 25-Jährigen. Doch Werder wird nur bei einem unmoralischen Angebot schwach, weil der Club Di Santos Tore und die Aussicht auf eine Megaeinnahme braucht.

Wechselfaktor: 5 Prozent

 

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