Freistoßtor bringt Werder das 1:1

Obraniak mit „feiner Klinge“

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Die Erleichterung nach dem Präzisions-Freistoß von Ludovic Obraniak (Mitte) war riesengroß. Trainer Robin Dutt (l.) freute sich genauso wie Zlatko Junuzovic (vorn) und Cedric Makiadi.

Bremen - Es war die 88. Minute im Weserstadion, die Momente großer Emotionen lieferte. Es flackerte das Braunschweiger Tor zum 3:2 gegen den Hamburger SV über die Anzeigetafel und löste einen kleinen Sturm des Jubels aus. Der Erzrivale immer tiefer in der Krise – das genügt schon, um Werder-Herzen höher schlagen zu lassen.

Doch das war quasi nur das Vorspiel. Denn in die Begeisterung hinein schritt ein Mann zur Tat, von dem sie in Bremen noch nicht so recht wissen, was er für den SV Werder wert sein wird. In seinem zweiten Spiel für die Bremer legte sich Ludovic Obraniak knappe 18 Meter vor dem Tor von Borussia Mönchengladbach den Ball zurecht. Er schaute, nahm Maß und zauberte die Kugel über die Mauer ins Tor. Was vorher nur ein Sturm war, wurde nun zum Orkan. Tor für Werder – es war das 1:1, und es bescherte den Bremern einen ganz wichtigen Punkt im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga.

Hamburg, das schlussendlich 2:4 beim Tabellenletzten Braunschweig verlor, Freiburg (0:4 in München) und auch der VfB Stuttgart (1:4 in Hoffenheim) hatten allesamt nicht gepunktet. Werder baute also das zuletzt geschrumfte Polster auf die Abstiegsplätze wieder etwas aus. Aber eben nur ein bisschen. So war es auch nicht der zweite Punktgewinn der Rückrunde, der bei Spielern und Verantwortlichen gestern für Zuversicht sorgte, sondern vielmehr der Weg dahin. „Der Punkt ist traumhaft, aber unsere Leistung heute war viel wichtiger“, sagte Verteidiger Sebastian Prödl, bezog sich dabei allerdings vor allem auf die zweite Halbzeit. In der spielte Werder so, wie eine Mannschaft im Abstiegskampf spielen muss. Laufstark, kampfstark, mit Mut und Leidenschaft. „Wir haben alles auf eine Karte gesetzt – und das ist aufgegangen“, meinte Prödl.

Das volle Risiko am Ende war alternativlos, weil Werder früh in Rückstand geraten war. Verantwortlich dafür: Prödls Innenverteidiger-Kollege Assani Lukimya. Sein haarsträubender Fehlpass auf Raffael bescherte den Gladbachern die Führung (6.). Der Brasilianer ließ Raphael Wolf im Bremer Tor keine Chance. Bei der Borussia keimte deshalb die Hoffnung auf den ersten Sieg in der Rückrunde. Daraus wäre sicherlich auch etwas geworden, wenn der Tabellenfünfte in der Folge seine Konter besser zu Ende gespielt hätte. „Aber wir haben in diesen Szenen zu viel falsch gemacht, zu oft Fehlentscheidungen getroffen“, kritisierte Coach Lucien Fravre. Kurzum: Gladbach ließ Werder zur Pause am Leben, „und wir waren froh, dass wir das 0:1 in die Halbzeit gerettet hatten“, sagte Werder-Stürmer Nils Petersen, der selbst drei gute Chancen vergeben hatte (22./26./43.).

Begonnen hatten die Bremer die Partie mit einigen Veränderungen in der Startaufstellung. Aleksandar Ignjovski verteidigte statt Theodor Gebre Selassie (auf der Bank) oder Clemens Fritz (nach Verletzung noch nicht wieder im Kader) auf der rechten Seite. Cedric Makiadi, beim 1:5 gegen Dortmund noch Reservist, kam für den kranken Aaron Hunt zurück ins Team. Und statt weiter auf den formschwachen Eljero Elia zu setzen, installierte Trainer Robin Dutt eine Doppelspitze mit Nils Petersen und Franco Di Santo. Das Team formierte sich in einem 4-1-3-2-System, beließ es zunächst aber bei den Neuerungen auf dem Spielberichtsbogen. Auf dem Platz lief vieles wie gehabt. Lange Bälle, keine Spielanlage, dafür Unsicherheiten in der Defensive. Bei Lukimya ging gleich alles schief, weshalb Dutt ihn schon nach 27 Minuten vom Platz holte und durch Felix Kroos ersetzte. Der machte seine Sache wie Ignjovski recht gut.

„Aber Luki“, sagte Dutt später, „sollte nicht unser Sündenbock sein.“ Weshalb er die Mannschaft in der Kabine anspornte, für den Kollegen zu spielen. Ob das nun der Grund war, weshalb Werder plötzlich wie ausgewechselt auftrat oder nicht, bleibt mal dahingestellt. Fakt ist: Werder zeigte, dass die Mannschaft nicht nur in der Tabelle, sondern auch im Kopf im Abstiegskampf angekommen ist. „Das hat sich irgendwie anders angefühlt als in den vergangenen Spielen. Wir haben den Gegner sogar ein Stück weit bespielt, haben auch mal kombiniert“, meinte Dutt. Und für fußballerische Ansätze ist das Bremer Publikum mittlerweile sehr dankbar. Angespornt durch die Bremer Leistungssteigerung – und ein bisschen auch durch die Braunschweiger Tore gegen den HSV – gingen die 42 100 im Weserstadion voll mit.

Sie sahen allerdings kein Bremer Chancenfeuerwerk – die gefährlichste Aktion blieb eine verunglückte Flanke von Zlatko Junuzovic an die Latte (49.) –, aber immerhin ein starkes Pressing und ein Team, das den Ausgleich erzwingen wollte. Das sich aber auch bei Gladbach für weiterhin schlampig ausgeführte Konter und bei Schlussmann Raphael Wolf für zwei Glanzparaden gegen Patrick Herrmann (57.) und Alvaro Dominguez (63.) bedanken konnte. „Es war eine Gratwanderung“, gab Robin Dutt zu. Aber mit dem guten Ende für Werder. Nach Foul von Christoph Kramer an Junuzovic zeigte Wintereinkauf Obraniak seine Freistoß-Künste. Butterweich hob der Franzose den Ball über die Mauer ins Netz – „eine feine Klinge“, lobte Prödl. Und Sportchef Thomas Eichin freute sich mächtig über den späten Ausgleich gegen seinen Ex-Club: „Das sind die Momente, die du brauchst im Abstiegskampf.“

Die Noten

Werder gegen Gladbach: Die Noten

Bilder vom Spiel

Werder Bremen gegen Borussia Mönchengladbach - 1:1

So sahen es auch die Spieler und Trainer Dutt, die sich zusammen zu einem Jubelhaufen vor der Bank auftürmten – Coach inklusive. „Ich konnte mich nicht zurückhalten“, sagte er. Dabei standen noch zwei Minuten plus Nachspielzeit auf der Uhr – und die Borussia nahm einen letzten Anlauf Richtung erster Sieg in Bremen seit 27 Jahren. Doch auch Max Kruses Schuss wurde von Wolf, der sein bislang bestes Spiel für Werder machte, entschärft (90.). Denn eines wollte sich der Keeper nicht nehmen lassen. Am Ende zu sagen: „Dieses 1:1 ist absolut verdient.“ Kein Widerspruch.

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