„Wenn ich hier nicht spiele, sterbe ich“

Obraniak denkt schon an Abschied

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„Meine Situation ist seltsam“, sagt Ludovic Obraniak und fordert Diskussionen, wie es mit ihm bei Werder weitergehen wird.

Bremen - Gestern hat er das erste Mal wieder normal trainiert. Die Wadenverhärtung ist abgeklungen, nach zwei verpassten Spielen steht Ludovic Obraniak Werder Bremen am letzten Spieltag wieder zur Verfügung – wenn er denn gebraucht wird.

Genau dieses Gefühl hat der Franzose, der international für Polen tätig ist, aber nicht mehr. Die Anfangseuphorie nach seinem Wechsel zu Werder ist verflogen, es herrscht Frust bei dem Mittelfeldspieler. „Die Situation ist nicht so, wie ich sie mir wünsche“, sagt er.

Winter-Einkauf Obraniak hat nicht gerade wie eine Bombe eingeschlagen. Seit seinem Freistoßtor zum 1:1 gegen Mönchengladbach in seinem zweiten Einsatz kam nicht mehr viel von dem 29-Jährigen, für den die Bremer im Januar 2,5 Millionen Euro Ablöse an Girondins Bordeaux überweisen mussten. Bevor er wegen der muskulären Probleme für zwei Partien ausfiel, saß er viermal nur auf der Bank. In zwei Partien musste er komplett zugucken. In den Augen des stolzen Franzosen, über dessen Unzufriedenheit in Bremen zuletzt schon polnische Medien berichtet hatten, ist das ein Affront. „Ich bin nicht erste, nicht zweite, nicht mal dritte Wahl. Ich bleibe auf der Bank – und verstehe nicht, warum.“ Vom Trainer links liegen gelassen zu werden „ist eine seltsame Situation für mich“.

Denn natürlich war Ludovic Obraniak mit dem Anspruch nach Bremen gekommen, ein Führungsspieler zu sein. „Ich habe viele Partien in Frankreichs erster Liga gemacht, habe Trophäen (einmal Meister, zweimal Pokalsieger, d. Red.) gewonnen. Wenn ich hier nicht spiele, dann sterbe ich.“

Alarmierende Worte von einem, der in den Bauplänen der neuen Mannschaft eine tragende Funktion übernehmen soll. Obraniak könnte die Rolle von Aaron Hunt übernehmen – so sieht es jedenfalls Trainer Robin Dutt. „Ludo kann im Mittelfeld zentral spielen. Aufgrund seiner sportlichen Kompetenz hat er das Zeug dazu, vornewegzugehen“, erklärt der 49-Jährige. Und auch die Öffentlichkeit hat die Obraniak-Verpflichtung stets als Vorgriff auf die Regelung des Hunt-Erbes verstanden. Doch der Betroffene selbst sieht das anders, empfindet sich nicht ausreichend gewertschätzt: „Ich bin nicht der Ersatzmann von Aaron Hunt. Ich bin von niemandem der Ersatzmann. Ich bin ich.“

Der Mann hat eben hohe Ansprüche. Denen er auf dem Platz bislang aber nicht gerecht geworden ist. Dutt hatte mehr erwartet („Wenn man einen 29 Jahre alten Spieler holt, hat man schon die Phantasie, dass er sofort hilft“), ist aber über die bisherige Entwicklung auch nicht überrascht. Erstens brauche es manchmal eben eine gewisse Anlaufzeit, argumentiert der Coach und rät: „Da darf man nicht gleich die Nerven verlieren.“ Zweitens sei das Mittelfeld aktuell mit Hunt, Zlatko Junuzovic sowie den „formstarken“ Cedric Makiadi und Philipp Bargfrede eben voll. „Da kann es auch mal sein, dass einer zuviel ist“, meint Dutt lapidar.

So fühlt sich Obraniak offenbar auch – wie einer, der eigentlich übrig ist, der nicht gebraucht wird. Er glaubt auch nicht an das Versprechen des Trainers, dass er „noch ein wichtiger Spieler für uns wird“. Obraniak sieht darin eine Floskel: „Das sagt er doch über jeden.“ Der Franzose mit den polnischen Vorfahren hat grundsätzliche Zweifel, ob er bei Werder richtig aufgehoben ist. Derzeit durchdenkt er alles – selbst einen zeitnahen Abgang aus Bremen, wo er bis 2016 unterschrieben hat. Einen Wechsel im Sommer schließt er jedenfalls nicht aus. Die aufmüpfige Stimme in ihm sagt: „Ich mag den Club, und ich mag die Stadt. Aber wir müssen meine Situation diskutieren. Dann werden wir sehen.“ Die angepasste Stimme hält sich dagegen an den Spieler-Club-Kodex: „Ich bin professionell. Ich gebe alles. Es ist die Story des Fußballs, dass der Trainer die Wahl hat. Ich akzeptiere das und erwarte nichts.“

Seine persönliche Story hat neben der fußballerischen aber auch eine private, nicht zu unterschätzende Komponente. Denn seit dem Wechsel nach Bremen lebt Ludovic Obraniak getrennt von seiner Frau und den zwei Kindern. Frühestens zur neuen Saison kommt die Familie nach. „Unser Haus“, sagt Obraniak, „wird erst im Juli frei“. Ob er es dann noch haben will? Er lacht über die Frage und zuckt mit den Schultern. „Ich kann nur sagen, dass ich mich jetzt sehr auf den Urlaub und meine Familie freue.“ · csa

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