„Nur“ 26 Millionen der 1,35 Milliarden Chinesen kicken / Die Bassumer Tom und Julius spielen in Pekinger Club

Fußball im Riesenreich – irgendwie anders

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Berühmter Chinese mit kleinem Werder-Fan: Jiayi Shao und Julius Kanowski.

Bremen/Peking - In Deutschland ist Jiayi Shao schon in Vergessenheit geraten. Vor zweieinhalb Jahren hat er die Bundesliga nach Engagements bei 1860 München, Energie Cottbus und beim MSV Duisburg wieder verlassen. Mit 67 Spielen und vier Toren in der ersten und 101 Einsätzen und 20 Toren in der zweiten Liga hat es Shao zwar geschafft, zum erfolgreichsten chinesischen Fußballer in Deutschland zu werden, aber ins Gedächtnis eingebrannt hat sich der Angreifer nur bei den Wenigsten. In seiner Heimat Peking ist Shao dagegen auch mit 34 Jahren noch ein Star. Neulich hatte er einen Termin in der deutschen Botschaftsschule in Peking und musste allerhand Fußball-Accessoires signieren – unter anderem auch eine grüne Werder-Jacke.

Wie die nach Peking kommt? Sie wurde importiert von kleinen Werder-Fans aus Bassum! Sie heißen: Tom (11) und Julius (7) Kanowski, leben mit ihren Eltern Andrea und Klaus sowie Bruder Nick in Peking, gehen dort zur Schule (übrigens gemeinsam mit Shaos Sohn), spielen Fußball beim Jugendclub Sports Beijing und sind somit schon dort, wo Werder Bremen mit seiner Tour durch China hin möchte: mitten im Fußball-Herz des Riesenreiches.

Natürlich erleben die beiden Jungs den Fußball in Peking ganz anders als in Bassum, bei ihrem TSV. Die Plätze sind aus Kunstrasen, die Mitspieler und Gegner kommen überwiegend aus China, der Rest aus aller Herren Länder. Auch die Trainer sind international, stammen aus Spanien, England, den Niederlanden, selbst aus Uganda. Da zeigt sich schon eine Parallele zum Profi-Fußball in der Volksrepublik: Knowhow und Können werden von außen dazu gekauft, mit einheimischen Spielern und Trainern alleine ließe sich wohl keine einigermaßen attraktive Liga gestalten. Wie gesagt: Jiayi Shao, WM-Teilnehmer 2002 mit China, gehört immer noch zu den Top-Promis der Branche.

China tut sich schwer, die eigenen Ressourcen zu nutzen – jedenfalls den Fußball betreffend. Ein Sichtungssystem für junge Spieler gibt es quasi nicht. Und manch Profi-Club mag zwar Geld für ausländische Spieler ausgeben, nicht aber für den eigenen Nachwuchs. Der Super-League- und Shao-Club Beijing Guoan zum Beispiel hat nicht eine einzige Jugendmannschaft. So lässt sich im Ansatz erklären, wieso in einem Land mit 1,35 Milliarden Einwohnern „nur“ 26 Millionen und damit gerade einmal knapp zwei Prozent aktive Fußballer gezählt werden. Zum Vergleich: Von 81 Millionen Deutschen spielt laut Fifa-Angaben jeder Fünfte (16,3 Millionen) Fußball.

Dennoch ist der chinesische Fußball-Markt riesig und bei weitem noch nicht erschlossen. Werder versucht gerade, sich mit den Testspielen bei Changchun Yatai und Tianjin TEDA FC ein Stück vom großen Kuchen zu sichern.

Für welches Land die Peking-Bassumer Julius und Tom Kanowski gelistet sind, bleibt unklar, ist für die Statistik aber auch von untergeordneter Bedeutung. Blöd ist auf jeden Fall, dass die beiden Werder-Fans ihren Lieblingsclub in Peking verpassen. Derzeit sind Ferien und die Jungs in der Heimat. Tom fährt mit den E-Junioren des TSV Bassum demnächst zum Gothia-Cup nach Göteborg – sein „Zweitclub“ Beijing Sports kommt auch. So klein ist die (Fußball-)Welt manchmal.

csa/kdk

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