Werder und der HSV im Mann-gegen-Mann-Vergleich

Bartels schlägt den Superstar a.D.

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Mediengruppe Kreiszeitung

Bremen/Hamburg - Nur noch zwei Tage – dann steigt in Hamburg das 101. Bundesliga-Nordderby zwischen Werder Bremen und dem HSV. Die sportliche und die wirtschaftliche Entwicklung der beiden Nordrivalen gibt durchaus Anlass zur Sorge. Statt eines Spitzenspiels wie noch vor ein paar Jahren ist das Duell am Sonntag (15.30 Uhr) ein echter Keller-Krimi. Der Vorletzte (neun Punkte) empfängt den Drittletzten (zehn Zähler – Abstiegskampf pur! So eng der Abstand in der Tabelle, so eng auch der Mann-gegen-Mann-Vergleich. Werder gegen den HSV:

Raphael Wolf (26) vs Jaroslav Drobny (35)
24 Gegentore, 52 Prozent gehaltene Schüsse, nur ein Mal zu null – schwache Bundesliga-Zahlen des Bremers Wolf. Bei Drobny (14/72,5/4) sieht es deutlich freundlicher aus. Der HSV-Keeper, der Rene Adler verdrängt hat, wirkt souveräner. Immerhin: Der Bremer kassierte in den letzten drei Partien nur noch einen Gegentreffer.Wertung 0:1

Theodor Gebre Selassie (27) vs Dennis Diekmeier (25)
Der Bremer, nach langer Verletzung seit einem Monat wieder dabei, würde lieber im Mittelfeld spielen. Er macht auf seiner vertrauten Position als Rechtsverteidiger aber einen ordentlichen Job. Diekmeiers große Stärke ist die Geschwindigkeit – wenn der in Achim aufgewachsene Ex-Werderaner den Turbo zündet, wird’s gefährlich. Das hat er bislang jedoch zu selten getan. In der Defensivarbeit verbessert.Wertung 0,5:0,5

Sebastian Prödl (27) vs Johan Djourou (27)
Österreich gegen die Schweiz, Vizekapitän gegen Vizekapitän. Prödl überzeugte vorne (schon zwei Saisontore), hatte hinten aber öfter mal Probleme. Djourous „Böcke“ in der Vorsaison waren haarsträubend, inzwischen hat er sich stabilisiert und ist nur noch selten „Bruder Leichtfuß“. Kleiner Vorsprung für Prödl wegen seiner Torgefährlichkeit.Wertung 1:0

Alejandro Galvez (25) vs Heiko Westermann (31)
Der neue Werder-Coach Viktor Skripnik hat Galvez aus dem Mittelfeld zurückgezogen und in die Innenverteidigung gestellt – auf seiner gelernten und geliebten Position blüht der Spanier geradezu auf. Zweikampfstark, dazu eine gute Spieleröffnung. Und genau da hapert es bei Westermann. Der Ex-Kapitän ist kämpferisch ein Vorbild, streut aber desöfteren grobe Fehler ein. Wertung 1:0

Santiago Garcia (26) vs Matthias Ostrzolek (24)
Das Duell der großen Enttäuschungen. Garcia hat Leidenschaft und Vorwärtsdrang in der Sommerpause irgendwo verloren. Nur gut für den Argentinier, dass er als Linksverteidiger keine ernsthafte Konkurrenz hat – sonst wäre er wohl längst auf der Bank gelandet. Von Ostrzolek hatte sich der HSV dynamische Flankenläufe (wie in Augsburg) versprochen. Bisher fehlt dieses Feuer völlig. Der Neuzugang spielt aber defensiv solide – ein Vorteil gegenüber Garcia. Wertung 0:1

Felix Kroos (23) vs Valon Behrami (29)
Von Skripnik fest eingebaut und zum alleinigen Sechser befördert, muss Kroos noch seinen Rhythmus finden. Seine Qualitäten im Pass-Spiel hat er schon angedeutet – etwa bei der Torvorlage auf Di Santo in Mainz. Behrami ist der einzige Volltreffer bei den HSV-Neuzugängen. Der Schweizer Nationalspieler mit den blondierten Haaren bewegt sich oft an der Kante zur Unfairness, diese „dreckige“ Komponente hat dem HSV in der Vorsaison völlig gefehlt. Behrami ist schon der unumstrittene Chef im Mittelfeld, war zuletzt in Wolfsburg allerdings sehr schwach. Wertung 0:1

Clemens Fritz (33) vs Nicolai Müller (27)
Rechtes Mittelfeld statt rechter Verteidiger – die Versetzung hat Werder-Kapitän Fritz extrem gut getan. In neuer Rolle kann er die Mannschaft viel besser führen, ist präsenter. Und: Der fast 34-Jährige wirdnicht ständig in Sprintduelle gezwungen. Müller (kam für 4,5 Millionen Euro aus Mainz) gilt als Hamburger Königstransfer, spielt aber alles andere als königlich. Von seinen Tempodribblings ist fast nichts zu sehen. Nur ein richtig starkes Spiel – beim 1:0 in Dortmund.Wertung 1:0

Zlatko Junuzovic (27) vs Tolgay Arslan (24)
Schon sechs Torvorlagen (fünf in der Liga, eine im Pokal): Vor allem Junuzovics Standards kommen richtig gut. Zudem ist der Österreicher Kilometerfresser und Kämpfer. Arslan profitiert enorm von Nebenmann Behrami, der sich hauptsächlich um die Defenisve kümmert. So hat der Deutsch-Türke Kapazitäten für die Offensive – dabei ist aber nur ein Assist herausgesprungen.Wertung 1:0

Fin Bartels (27) vs Rafael van der Vaart (31)
Bartels ist die positive Bremer Überraschung. Seit dem dritten Spieltag immer in der Startelf – mal links, mal rechts, mal zentral im Mittelfeld. Oder sogar im Sturm. Zwei Tore und zwei Vorlagen – vorzeigbare Werte des fleißigen und laufstarken Neuzugangs von Zweitligist St. Pauli, der sich am Sonntag wohl wieder als „Zehner“ versuchen darf. Hamburgs Spielmacher ist auch eine Überraschung, allerdings eine negative. Van der Vaart fehlt die (Handlungs)Schnelligkeit, der Niederländer (ein Elfmetertor, keine Vorlage) ist nur noch ein Superstar a.D. – ganz abschreiben darf man den zuletzt stets ausgewechselten „VdV“ aber nicht. Sein linker Fuß kann jederzeit etwas Spezielles kreieren. Wertung 1:0

Nils Petersen (25) vs Pierre-Michel Lasogga (22)
Vergangene Saison war Petersen der große Bremer Nordderby-Held, schoss beim 2:0 in Hamburg im September 2013 beide Tore. Denkbar, dass Trainer Skripnik auf den Wiederholungseffekt setzt und das HSV-Schreckgespenst mal wieder in die Anfangsformation hievt – zumal Stoßstürmer Franco Di Santo ausfällt (siehe Artikel rechts). Es wäre Petersens zweiter Startelf-Einsatz in dieser Saison. Selbstvertrauen hat er nicht. Für Lasogga, den Nicht-Abstiegs-Helden der Vorsaison, sind zwei Treffer eine mickrige Ausbeute. Sein größtes Problem: Der Torjäger braucht „Futter“ von den Teamkollegen, aber die lassen ihn im Sturmzentrum verhungern. Hat mehr Spielpraxis als Petersen. Wertung 0:1

Eljero Elia (27) vs Lewis Holtby (24)
Drei Mal hintereinander nicht im Kader – Elia war schon in der Versenkung verschwunden. Dann zog Skripnik ihn plötzlich heraus und ließ ihn gegen Stuttgart (2:0) sogar von Anfang an ran. Eine Chance, die der Niederländer (mal wieder) nicht nutzte. Aber die nächste könnte schon kommen – bei seinem Ex-Club HSV. Dort hatte er einst nach starkem Start ziemlich enttäuscht, es folgten die Wechsel zu Juventus Turin und dann zu Werder. Auch in Bremen fehlt dem gelernten Flügelstürmer die Durchschlagskraft. Holtby spielte zwar viel, doch meistens nicht gut. Der Neuzugang aus Tottenham ist ein Energiebündel mit Schwächen in der Produktivität. Ein Assist – für einen offensiven Mittelfeldmann, der zuletzt in Tests im Sturm ausprobiert wurde, viel zu wenig. Dennoch: knapper Sieg im Duell. Wertung 0:1 mr / csa

Gesamtwertung:

5,5:5,5

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