Noch ist die Diskussion leise

Was wäre, wenn…?

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Was bringt ihm das 100. Nordderby? Robin Dutt kann die Stimmungswende bei Werder schaffen oder stark in die Kritik geraten. 

Bremen - Es hing schon in der Frankfurter Arena. Ein großes Banner, auf dem die Bremer Botschaft der Woche steht: „Alles für den Derby-Sieg.“ Gestern tauchte das Banner wieder auf. Am Zaun des Werder-Trainingsplatzes.

Kein Werder-Profi auf dem Platz und keiner der rund 200 Zuschauer konnte es übersehen. Das Banner prangte dort wie eine Aufmunterung, aber auch wie ein Auftrag der Fans an das Team: Gegen den Erzrivalen Hamburger SV müssen am Samstag im 100. Nordderby der Bundesliga-Geschichte drei Punkte her. Denn wie für den HSV geht es auch für Werder Bremen um das sportliche Überleben. Für die Fans zudem noch um Ehre, Stolz und Prestige. Und für Robin Dutt um noch ein bisschen mehr.

„Dieses Derby ist das wichtigste Spiel“, hatte der Werder-Coach zuletzt bereits gesagt. Dabei wird er aber nur die Situation der Mannschaft im Sinn gehabt haben. Nicht seine eigene. Dabei könnte das Derby die Lage für ihn deutlich prekärer machen. Denn für Dutt steht das Vertrauen, das der Verein in ihn setzt, auf dem Spiel. Bisher hat der 49-Jährige die Erwartungen nicht erfüllt, in der Rückrunde ist Werder noch immer sieglos. Sollte sich das ausgerechnet im Derby ändern, würde Dutt die Stimmungswende schaffen. Verliert er jedoch, gerät er knallhart in die Kritik.

Bislang, das behauptet Sportchef Thomas Eichin, wird intern nicht über den erst im Sommer verpflichteten Trainer diskutiert. Doch die Skepsis gegenüber dem ehemaligen DFB-Sportdirektor ist längst da. Einer der die Zweifel an der Arbeit des Fußballlehrerers bereits vorsichtig geäußert hat, ist Aufsichtsrat Marco Bode. Er sehe „keine nachhaltige Entwicklung“ in der Mannschaft, sagte er vor zwei Wochen. Und seitdem blieb es dabei: Werder quält sich irgendwie von Spiel zu Spiel. Zuletzt aber auch von Punkt zu Punkt.

Die Unentschieden gegen Mönchengladbach (1:1) und Frankfurt (0:0) waren kleine Siege der Moral, verhinderten aber nicht, dass die Mannschaft der Abstiegszone immer näher rückte. Drei Punkte sind es nur noch bis zum Relegationsplatz. Auf den hat sich der HSV durch den Sensationssieg gegen Borussia Dortmund (3:0) vorgearbeitet. Was bedeutet: Verlieren die Bremer das Jubiläumsderby und gewinnt auch der zwischen Werder und Hamburg gequetschte VfB Stuttgart (in Frankfurt), stürzt Dutt mit seinem Team wegen des deutlich schlechteren Torverhältnisses auf Rang 16 ab.

Ein Schreckensszenario aus Bremer Sicht. Aber was, wenn es wirklich passiert? Den hypothetischen Fall will Thomas Eichin nicht durchspielen. Die Frage, ob Dutt dann wackelt, „lasse ich nicht zu“, sagt der direkte Vorgesetzte des Trainers: „Ich beschäftige mich nicht mit dem Was-wäre-wenn.“

Dabei sind die Fortschritte, die Werder unter dem eloquenten Theoretiker Dutt erzielt hat, kaum erkennbar. Hinter vorgehaltener Hand wird auch von Werder-Vertretern längst kritisiert, dass dem Team nach zwei Dritteln der Saison weiter das, was man in der Summe unter der Handschrift eines Trainers versteht, fehlt: eine Spielidee, eine klare Linie, ein funktionierendes System.

Bilder vom Training am Mittwoch

200 Werder-Fans beim Training vorm Nordderby am Mittwoch

An dieser Beweislage würde auch ein Arbeitssieg über den Hamburger SV nichts ändern. Aber drei Punkte gegen den Erzrivalen wären atmosphärisch ein Hauptgewinn für Robin Dutt. Nicht nur, dass der Relegationsplatz dann vermutlich wieder sechs Punkte entfernt sein wird – nein, es wäre auch ein Funke ausgetreten, der sich für den Werder-Coach im Falle einer Niederlage zum Feuer entwickeln könnte. Denn aktuell staunt ganz Bremen über den Slomka-Effekt beim HSV. Bert van Marwijk raus, Mirko Slomka rein – und schwupps feierte die Hamburger Truppe eine nicht für möglich gehaltene Wiederauferstehung und fuhr nach zuvor sieben Niederlagen in Folge den Sieg über den BVB ein. Folgt in Bremen nun HSV-Erfolg Nummer zwei unter Slomka, könnten auch die sich zur Geduld und Trainer-Treue verpflichtet fühlenden Werder-Verantwortlichen auf die Idee kommen, dass so ein Wechsel fruchtbar sein kann. Aber ohne weiteren HSV-Sieg keine Slomka-Euphorie und kein Bremer Nachdenken übers Nachmachen. Oder wie Thomas Eichin es gegenüber Sky sagte: „Mit einem Dreier für Bremen ist die Welt in Ordnung.“ · csa

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